Romantische Nacktmulle

Kinosessel haben etwas von Nacktmullen. Sie scheuen das Tageslicht. Verständlich also, dass dieses ausrangierte Gestühl, das beim Abriss des City-Kinos jäh auf der Rudolf-Breitscheid-Straße strandete, einen leicht derangierten Eindruck hinterlässt. Zartbesaitete denken in diesem Moment vielleicht daran, was die grünsamtenen Sitzgelegenheiten so alles mitbekommen haben.

Titanic? Jurassic Park? Scary Movie? Eines ist sicher: Hier hat sich die Taktik bezahlt gemacht, einfach mal auszusitzen, was da auch kommen mag.

Jetzt steht das Schweigen der Kinosessel auf dem Programm. Bis zur Eröffnung von Fürths neuem cineastischem Blickpunkt ist für Wehmütige die Vergangenheit aber nur einen Klick entfernt. In geschmackvollem Apricot mit schwarzen Akzenten erfreut noch immer die City-Kino-Website den Surfer. Auf www.citykinofuerth.de ist alles so wie einst im Mai.

Wir persönlich empfehlen das dort angebotene „zu-zweit-allein“-Special. Das verspricht das Vergnügen einer ganz privaten Filmvorführung.

Passendes Gestühl ließe sich besorgen.

Der Duft von Abba

Heute wird in Stockholm ein Abba-Museum eröffnet. Was jetzt nicht als Reisetipp verstanden werden soll, sondern als Anregung für Fürth. In Schweden rechnet man mit einem Besucheransturm auf das neue Pilgerziel für die Liebhaber von Schlaghosen und Plateauschuhen. Bedenkt man, dass ein Ticket 195 Schwedenkronen, sprich 22,85 Euro, kostet, kann die Folgerung doch nur heißen: So was wollen wir auch.

Gut, in Sachen Abba tut sich Fürth ein bisschen schwer. Auf Zyniker, die in diesem Moment anmerken, dass man hierzulande einen vortrefflichen „Waterloo“-Chor anstimmen kann, hören wir selbstverständlich nicht. Das gilt übrigens auch für die Spielverderber, die unbedingt darauf hinweisen müssen, dass das SpVgg-Eau de Parfum irgendwie verduftet ist und selbst die Badeenten in die zweite Regalreihe zurückpaddeln mussten.

Wir sind lieber kreativ und suchen heimische Musikgrößen mit angehender Museumsreife. Bei Ebay findet sich Vielversprechendes: Für einen Euro wird dort zum Beispiel Richard Smerins Blues-Album „Anywhere else but in Clover“ angeboten. Dieses Werk kam am 1. Januar 2000 auf den Markt. Smerin, der damals in der Fürther Altstadt wohnte, fiel der Fachwelt nicht nur wegen seiner geschmeidigen Albumtitels (zu deutsch: „Irgendwo sonst als in Kleeblatt“) auf. Dass Smerin auf dem Cover den Anschein erweckt, er wolle Fürth den Rücken kehren, sollte man nicht überbewerten. Diese CD (auf der sich auch der schöne Titel „Puschendorf Angel“ findet) hat eindeutig das Zeug, zum Grundstock für Fürths nächstes Museumsprojekt zu werden.

Sie meinen, daraus wird nichts?

Ja hätten Sie denn damit gerechnet, dass wesentlich mehr Nürnberger in Fürth einkaufen, als man bisher zu hoffen gewagt hätte? Eine Studie hat genau das herausgefunden. („Nürnberger zieht es in die Fürther City“)

Ach, jetzt halten Sie alles für möglich?

Sagen wir doch.