Gut gebrüllt, Schnöwe

Die Eskimos, so wurde mal behauptet, kennen hundert Wörter für Schnee. Das klingt einleuchtend. Wenn man dauernd auf Weiß in Weiß guckt, denkt man sich dann nicht aus reiner Langeweile ein paar neue Begriffe für das Zeug aus?

Bloß dumm, dass die These mit den hundert Wörtern längst als Schnee von gestern entlarvt wurde und getrost ins Reich der Legenden verfrachtet werden kann. Relativ frisch ist dagegen, dass die Eskimos heute Inuit genannt werden sollen, ein schöner Begriff, der nichts anderes als Menschen bedeutet.

Die Inuit von Fürth durften heute morgen staunen. Der Wetterbericht („. . . mäßiger Schneeregen im Laufe des Tages“) hatte nicht ganz recht behalten. Tatsächlich verführte die üppige weiße Pracht  so manchen, den Schnee mit Ausdrücken zu belegen, die die Freunde im hohen Norden möglicherweise rot werden lassen.

Wer aber nicht zum Warten auf den Bus verdonnert war oder den Wagen mühsam freischaufeln musste, um dann im Stau zu stehen, der hatte die Chance, im Stadtpark seltene Schnengel und Schnöwen in freier Wildbahn zu bewundern.

Ein Anblick, für den einem nicht hundert Namen einfallen. Aber einer: Schee ist er, der Schnee.

Wo bist du, Mike?

Schneewittchen und die sechs Zwerge RempeEr ist fort. Kein Zweifel, sein Platz bleibt leer. Der siebte Zwerg, er hat sich aus dem Staub gemacht.

Dabei hat der Kleine doch eine Mission. Auf dem großen Spielplatz im Stadtpark sollte er bei Gudrun Kunstmanns Schneewittchen ausharren. Da tummeln sich allerdings nur sechs zipfelmützige Kerle mit bemerkenswerten Rauschebärten.

Als wenn das alleine nicht schon mysteriös genug wäre, kommt dazu, dass sein Fehlen kaum auszumachen ist. Nur wer sich ins Gebüsch hinter Schneewittchen schleicht, hat einen Blick auf alle ihre Begleiter. Magisch, oder?

Eines ist jedenfalls sicher: 200 Jahre nach dem Erscheinen der „Kinder- und Hausmärchen“ der wackeren Gebrüder Grimm kann es doch nicht angehen, dass wir in Fürth bloß Schneewittchen und die sechs Zwerge aufbieten können.

Was macht das denn für einen Eindruck? Mal ganz abgesehen davon, dass wir gerade mehr als genug Leerstellen im Angebot haben.

Deshalb ist dieser Aufruf bitter nötig: Wer hat Nummer Sieben gesehen? Wir kennen seinen Namen nicht, vermuten aber stark, er heißt Mike.

Bewerber für seinen Platz sind dringend gesucht.

Der Name der Kartoffel

Rosen kann jeder. Am Valentinstag, nur so zum Beispiel. Ja, ist freilich schon nett, wenn der Liebste mit so einem dornigen Teil zwischen den Zähnen zum Frühstück aufkreuzt. Aber, da sind wir uns doch wohl einig, auch ein bisschen einfallslos.

Wie viel poetischer ist dagegen jener feinsinnige Gemüsehändler auf dem Fürther Wochenmarkt, der just zu diesem überaus magischen Datum eine herzförmige Kartoffel überreicht?

Plötzlich keimt Verständnis auf für eine Untersuchung, die Steven Neuberg von der Arizona State University gerade veröffentlicht hat: Der unermüdliche Forscher hat herausgefunden, dass sich in den USA niemals so viele Paare trennen, wie kurz vor und nach dem 14. Februar.

Kaum zu glauben. Wo doch eine einzige Kartoffel reicht, um diesen Tag zu retten, der – aber das nur so unter uns – im Grunde so sinnvoll und schauerlich ist wie Halloween.

In Fürth stellt sich anders als in Amerika jetzt bloß eine Frage: Was tun mit der Herzkartoffel? In den Salat? Das klingt abgebrüht. Eine Vase will auch nicht so recht passen. Das Poesiealbum ist nicht voluminös genug. Also was tun?

Vorschläge werden dankend entgegengenommen.

 

Die Stiefel, das Pink und die Säge

Pressevorstellung Klezmer Festival

Der Zauber steckt immer im Detail.

Das ist ein schöner Satz, den Theodor Fontane einst niederschrieb. Dummerweise betrat der große Romancier wahrscheinlich niemals Fürther Boden. Dabei wird Details hier die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Oder gibt es eine andere Stadt, in der die Verantwortlichen bei der Vorstellung eines renommierten Festivals darauf achten, dass Plakat, Pressemappe, Servietten, Lippenstift und Stiefel farblich aufeinander abgestimmt sind?

Nur für den Fall, dass tatsächlich jemand fragt: Ja, es handelt sich hier um weibliche Sorgfalt. Die wird später am Tag in der Comödie leider schmerzlich vermisst.

Das Drama beginnt dort mit einer Lappalie: Die Zuschauer am Nachbartisch nehmen erwartungsfroh Platz, die bestellten Getränke werden serviert. Der Abend könnte nett werden, doch der Tisch wackelt. Man rüttelt, man ruckt. Bier schwappt über. Die Diagnose („Die Beine von dem Teil sind verschieden lang“) wird gestellt. In diesem Augenblick fällt bereits unerbittlich das Urteil: „Ein echter Mann hätte eine Säge dabei“, spricht die Gattin.

Es sind halt die Details, die zählen, wenn es zauberhaft werden soll.

Auf eine Zigarre


Hallo, schön Sie zu sehen. Und, bevor wir es vergessen: Schöne Augen haben Sie.

Na? Sitzen Sie jetzt mit einem strahlenden Lächeln vor dem Bildschirm? Nicht? Schade, war ein Versuch. Schließlich hieß es doch gerade erst in einer FN-Umfrage, dass in Fürth Komplimente über schöne Augen besonders gerne gemacht und gehört werden.

Ein anderer Fürther, der am 4. Februar vor 116 Jahren geboren wurde, wäre wahrscheinlich lieber für seinen exquisiten Zigarrengeschmack gelobt worden. Was Ludwig Erhard mit Vorliebe anbrannte, ist heute im Stadtmuseum zu bewundern. Immerhin liegt da ein edles Stück aus kubanischer Manufaktur, das dem Wirtschaftswundermacher gehörte.

Bis zu zwanzig Zigarren soll Erhard in politisch besonders stressigen Phasen geraucht haben. Täglich. Das haben zumindest Eingeweihte – oder waren es gar Eingeräucherte? – behauptet. Heute hätte der Fürther, der es bis zum Bundeskanzler brachte, mit diesem Hobby ein Problem.

Er käme nämlich gar nicht zum Regieren. Nur einmal angenommen, Erhard hätte am Tag zu zehn Doppel Corona gegriffen. Dann müsste der Gute heute rund zehn Stunden vor seinem Büro auf der Straße stehen und paffen, bei einer durchschnittlichen Rauchzeit von einer Stunde pro Zigarre.

Nicht auszuschließen, dass der Staatsmann, der hinter dem Rathaus aufwuchs, es dann beim Wundern über die Wirtschaft seiner Heimat belassen hätte. Wie sehr Ludwig Erhard diese Stadt augenscheinlich im Herzen trug, besagt dieser schöne Satz von ihm: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der nicht immer neue Bedürfnisse hat.“

Wie gesagt, der Mann war Fürther.