Dem ein Licht aufgeht

Es gibt Momente, da fühlt man sich so was von fehl am Platz, dass man sich am liebsten auf der Stelle aus dem Staub machen würde. Was aber hilft, wenn Verkrümeln nicht in Frage kommt? Vielleicht eine Spur von jener Gelassenheit, mit der die Mitarbeiter beim Reifenwechsler meines Vertrauens gesegnet sind.

Winterräder, flüstert der Kunde vor mir dem Servicemann ins Ohr, will er haben. Das erstaunt im Moment nicht wirklich. Die Räder sind für den Wagen des Schwagers, der im Moment leider fern von Fürth weilt. „Aber wenn der wiederkommt, will er sofort zu Ihnen kommen und nicht warten. Können Sie das mal notieren?“

Für seine ebenso verständnisvolle wie zartfühlende Ablehnung hätte es der Mitarbeiter schon verdient, zum Kundenversteher des Monats ernannt zu werden. Wahrscheinlich macht er nach Feierabend ausgiebig Yoga, denn auch die folgende Anfrage stresst ihn – jetzt mal abgesehen von den Schweißperlen auf seiner Oberlippe – augenscheinlich kaum. Immerhin hat der nächste Kunde ein schwerwiegendes Problem: „Ich fahr’ mir jede Woche auf der Baustelle mindestens einen Schlauch kaputt, legen Sie bitte ab jetzt die passenden Schläuche parat, ich komm’ dann immer zum Reparieren vorbei.“ Unseren exzellent geschulten Servicemann kann auch das nicht erschüttern. Er erklärt, argumentiert, überzeugt. Und murmelt nur ganz leise in seinen Bart, dass für die speziellen Schläuche im Lager kein Platz ist, weil in dem Regal schon Ersatzkufen für den Schlitten des Weihnachtsmann bereit liegen.

Der Kunde ist übrigens nicht wirklich überzeugt. So viel Service mault er leise, könnte doch nun wirklich sein. Und damit unterscheidet sich der Gute vom einsamen Tannenbaum auf Freiheit. Dem geht nämlich bald ein Licht auf.

 

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