Fürther Grauschatten

Schon klar, Novembertage können aufs Gemüt schlagen. Nur hemmungsloser Optimismus lässt die ungezählten Schattierungen von Grau ertragen, die uns derzeit umwabern.

Kein Wunder also, wenn uns plötzlich Sinnfragen fesseln. Im Stil von: Hättest du nicht wenigstens was Vernünftiges lernen können? So wie Georg Bernardini zum Beispiel. Der Mann ist Schokoladentester. Wie lecker ist das denn bitte?

Nicht ganz so glücklich ist augenscheinlich Angus T. Jones mit seinem Job. Angus wurde bekannt als der kleine dicke Junge, der in der US-TV-Serie „Two and a half Men“ seit neun Jahren die halbe Portion spielt. Mittlerweile ist er deutlich weniger pausbackig, hat aber an seinem Job nicht mehr so viel Spaß. „Schaut euch den Dreck nicht an“, bat er seine Fans jetzt eindringlich in einem Interview. Eine Aufforderung, die ihm mittlerweile ein bisschen peinlich ist.

Dass Angus jetzt Schokoladentester wird, glauben wir nicht. Falls doch, findet er in Fürth unter anderem in der Friedrichstraße ein interessantes Revier für seine Feldforschungen. Ganz in der Nähe werden auf jeden Fall die fündig, die endlich die grauen Schatten dieser Tage beim Namen nennen wollen.

Ein Wunsch, der in der Buchhandlung Jungkunz wahr wird. Angus wird das nicht weiterhelfen. Der ist nämlich erst 19. Und 21 plus, so viel steht auf dem schicken Abteil im angesagten Dusch-Kabinett-Stil, sollte einer an Jahren zählen, bevor er hinter den Türen des Unaussprechlichen verschwinden darf.

Welche Färbung die Wangen der Probanden anschließend annehmen, wagen wir nicht vorauszusagen. Eines kann allerdings als sicher gelten. Wer sich dem erotischen Depot nähert, sieht erst einmal Rot.

Ein wahrhaft leidenschaftlicher Farbton. Ob er es mit dem Grau im novemberlichen Fürth aufnehmen kann, werden wir im Auge behalten.

Dem ein Licht aufgeht

Es gibt Momente, da fühlt man sich so was von fehl am Platz, dass man sich am liebsten auf der Stelle aus dem Staub machen würde. Was aber hilft, wenn Verkrümeln nicht in Frage kommt? Vielleicht eine Spur von jener Gelassenheit, mit der die Mitarbeiter beim Reifenwechsler meines Vertrauens gesegnet sind.

Winterräder, flüstert der Kunde vor mir dem Servicemann ins Ohr, will er haben. Das erstaunt im Moment nicht wirklich. Die Räder sind für den Wagen des Schwagers, der im Moment leider fern von Fürth weilt. „Aber wenn der wiederkommt, will er sofort zu Ihnen kommen und nicht warten. Können Sie das mal notieren?“

Für seine ebenso verständnisvolle wie zartfühlende Ablehnung hätte es der Mitarbeiter schon verdient, zum Kundenversteher des Monats ernannt zu werden. Wahrscheinlich macht er nach Feierabend ausgiebig Yoga, denn auch die folgende Anfrage stresst ihn – jetzt mal abgesehen von den Schweißperlen auf seiner Oberlippe – augenscheinlich kaum. Immerhin hat der nächste Kunde ein schwerwiegendes Problem: „Ich fahr’ mir jede Woche auf der Baustelle mindestens einen Schlauch kaputt, legen Sie bitte ab jetzt die passenden Schläuche parat, ich komm’ dann immer zum Reparieren vorbei.“ Unseren exzellent geschulten Servicemann kann auch das nicht erschüttern. Er erklärt, argumentiert, überzeugt. Und murmelt nur ganz leise in seinen Bart, dass für die speziellen Schläuche im Lager kein Platz ist, weil in dem Regal schon Ersatzkufen für den Schlitten des Weihnachtsmann bereit liegen.

Der Kunde ist übrigens nicht wirklich überzeugt. So viel Service mault er leise, könnte doch nun wirklich sein. Und damit unterscheidet sich der Gute vom einsamen Tannenbaum auf Freiheit. Dem geht nämlich bald ein Licht auf.

 

Segel, gestrichen

Ein Schiff wird kommen, sagen Sie? Damit könnten Sie recht haben. Schließlich steht einem immer was ins Haus. Oder, um es mit Charles Bronson zu sagen: „Irgendeiner wartet immer.“

Erfahrene Zeitgenossen wissen, dass es die Zwischenzeiten sind, die es zu genießen gilt. Jetzt zum Beispiel. Die Halloween-Kürbisse, die so mühsam auszuschnitzen waren, sind endlich vergammelt und dürfen mit gutem Gewissen auf den Kompost geworfen werden, wo sie Grimassen schneiden können, bis der Schimmel kommt. Für die Advents- und Weihnachtsdeko ist es aber noch einen Ticken zu früh. Es sei denn, man arbeitet vielleicht in einem Supermarkt und muss seit Ende August Schokoläusen und Spekulatius arrangieren.

Wir anderen aber dürfen noch einmal ganz tief Luft holen, bevor uns der Back-Wahn packt und die im Bastelfieber entstandenen Gewerke sämtliche Fenster verhängen.

Spüren Sie’s jetzt auch? Diese Entspannung, die sich beruhigend auf Augen und Glieder legt? So muss sich ein Boot auf einem Hänger ohne Antrieb am Bahnhof Fürth Westvorstadt fühlen.