James und der Spargel

spargel resNur mal angenommen, Spargel wäre das ganze Jahr über zu haben. Wären die weißen Stangen uns dann genauso lieb und teuer? Wage mal zu behaupten: Nö.

Ganz ehrlich. Das Schönste am Spargel ist doch die Sauce Hollandaise. Andererseits hat das zickige Gemüse – wehe die Dinger bleiben nur einen Moment zu lange im Kochtopf – eine Marktstrategie, die überzeugt. Das beginnt mit der schlau geweckten Sehnsucht nach den ersten Exemplaren und mündet in einer Einkaufsstrategie, die List und Tücke erfordert.

„Im Supermarkt Spargel kaufen geht gar nicht“, erklärt zum Beispiel gerade ungefragt die Kundin vor mir an der Selbstbedienungs-Auslage und zeigt mit spitzen Fingern auf die geächteten Stangen aus fernen Landen. Sie fahre gern ein paar Kilometer zu Bauer XY, denn nur der wisse, wie man den perfekten Spargel züchtet. Aha.

Der Landwirt meines Vertrauens hat allerdings einen entschieden aufregenderen Vertriebsweg gefunden. Er taucht auf. Parkt am Straßenrand. Irgendwo. Einfach so. Erblickt der Gute dann einen Kunden in spe, raunt er verschwörerisch den verheißungsvollen Code: „Spargel?“ Wer nickt, wird zum Wagen geführt. Der Kofferraumdeckel klappt für einen Moment nach oben, offenbart, was sich ansonsten im Hofladen meines Gemüsedealers ausnehmend gut macht. Dann wechselt ein Päckchen Spargel den Besitzer. So muss sich James Bond fühlen, falls es ihn mal zum Kochtopf zieht.

Zum Abschied gibt es eine exklusive Info für mich: „So um den 10. Juni rum ist dieses Jahr Schluss, das Wetter, du verstehtst“, raunt der Spargel-Meister mir zu. Dann ist der weiße Zauber vorbei.

Ich werde die Hollandaise vermissen.

 

Ein Ticket für Servatius und Sophie

War Christian Anders eigentlich je in Fürth und hat mit sanftem Tremolo „Es fährt ein Bus nach Nirgendwo“ angestimmt? Das wäre zu prüfen. Gleich verneint werden darf die Vermutung, dass dieser formschöne Ticket-Automat mitten in der Fußgängerzone zur Erinnerung an dieses Ereignis – falls es denn stattgefunden hat – aufgestellt wurde.

Pessimisten könnten nun anmerken, dass hier keine Busse ankommen. Und erst recht nicht abfahren. Entschuldigung, aber wer so argumentiert, der hat die optimistischen Signale des Fahrschein-Spenders nicht verstanden: Von hier geht es schließlich überall hin. Ganz im Gegensatz zur gewöhnlichen Haltestelle, die normalerweise bloß von ein paar Buslinien frequentiert wird, ist hier jede Richtung möglich. Alles ist noch offen. Kaum hat das Ding in freundlichem Aufstiegs-Grün den Fahrausweis ausgespuckt, hat man die Wahl. Da wäre die Chance über Stadeln nach Peking zu eilen. Oder über Atzenhof nach Paris. Festlegen muss sich in der Fußgängerzone niemand.

Eine Taktik, die sich auch für den Himmelfahrtstag anbietet. Nehmen wir nur einmal an, der Wetterbericht hätte Sonnenschein und Hitze voraus gesagt. Dann wären wir doch quasi verpflichtet, den Grill anzuwerfen. Oder ins Grüne zu eilen. Stattdessen orakeln die Meteorologen weise von Nachtfrost und Pulli-Pflicht für Ausflügler. Was heißt das? Wir könnten es uns bei dieser Witterung auch auf dem Sofa gemütlich machen und über Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie meditieren. Die Eisheiligen haben uns mit der Verlängerung ihres Auftritts den Frühfrost immerhin eingebrockt.

Und wenn uns das zu dumm ist? Dann empfiehlt sich unbedingt ein Ausflug in die Fußgängerzone. Zum Fahrscheinautomaten der ungeahnten Möglichkeiten.

Bestrickend vs Blading

Bis eben habe ich gedacht, der dickste Kater der Welt lebt in Poppenreuth und mosert regelmäßig in den frühen Morgenstunden die junge Mieze aus dem Nachbarhaus an. Stimmt aber gar nicht. Meow aus New Mexiko hat das Rennen gemacht. Mit seinen 18 Kilogramm Lebendgewicht sah er aus wie ein Flokati, der sich prima vor dem Bett machen würde. Leider – meldet das Tierheim in Santa Fe – ist Meow gestorben, bevor die just begonnene Diät Wirkung zeigte.

Wesentlich klüger erscheinen da die sportlich Ambitionierten, die sich von hier aus quer durchs Knoblauchsland auf Inlineskates plus Stöcken aufmachen. Sieht ein bisschen aus wie Langlaufen ohne Schnee, hört aber auf den schönen Namen „Nordic Blading“. Sicher ist das Ganze wahnsinnig gesund und man wird garantiert irre fit. Blöd nur, dass der Spaß auf Fränkisch nicht wirklich schlau klingt.

Abhilfe harrt in der Alexanderstraße. Da tragen die Blumentöpfe Selbstgemachtes. Ein schönes Hobby, das vielleicht nicht umgehend erschlanken lässt, aber immerhin die Hände sinnvoll beschäftigt und so den Griff zu Kalorienreichem ausschließt. Und da wahrscheinlich niemand auf die Idee kommt, seine Nadel-Passion „Fädder Häkeling“ zu nennen, ist diese umgarnende Leidenschaft einfach nur bestrickend.