James und der Spargel

spargel resNur mal angenommen, Spargel wäre das ganze Jahr über zu haben. Wären die weißen Stangen uns dann genauso lieb und teuer? Wage mal zu behaupten: Nö.

Ganz ehrlich. Das Schönste am Spargel ist doch die Sauce Hollandaise. Andererseits hat das zickige Gemüse – wehe die Dinger bleiben nur einen Moment zu lange im Kochtopf – eine Marktstrategie, die überzeugt. Das beginnt mit der schlau geweckten Sehnsucht nach den ersten Exemplaren und mündet in einer Einkaufsstrategie, die List und Tücke erfordert.

„Im Supermarkt Spargel kaufen geht gar nicht“, erklärt zum Beispiel gerade ungefragt die Kundin vor mir an der Selbstbedienungs-Auslage und zeigt mit spitzen Fingern auf die geächteten Stangen aus fernen Landen. Sie fahre gern ein paar Kilometer zu Bauer XY, denn nur der wisse, wie man den perfekten Spargel züchtet. Aha.

Der Landwirt meines Vertrauens hat allerdings einen entschieden aufregenderen Vertriebsweg gefunden. Er taucht auf. Parkt am Straßenrand. Irgendwo. Einfach so. Erblickt der Gute dann einen Kunden in spe, raunt er verschwörerisch den verheißungsvollen Code: „Spargel?“ Wer nickt, wird zum Wagen geführt. Der Kofferraumdeckel klappt für einen Moment nach oben, offenbart, was sich ansonsten im Hofladen meines Gemüsedealers ausnehmend gut macht. Dann wechselt ein Päckchen Spargel den Besitzer. So muss sich James Bond fühlen, falls es ihn mal zum Kochtopf zieht.

Zum Abschied gibt es eine exklusive Info für mich: „So um den 10. Juni rum ist dieses Jahr Schluss, das Wetter, du verstehtst“, raunt der Spargel-Meister mir zu. Dann ist der weiße Zauber vorbei.

Ich werde die Hollandaise vermissen.