Rothaut vom Ronhof

Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah war nie in Fürth. Was schade ist. Gar nicht auszudenken, wenn er mit seinem Kumpel Kara Ben Nemsi mal einen Abstecher zum Beispiel auf den Waagplatz gemacht hätte. In dieser Woche jährt sich schließlich zum hundertsten Mal der Tag, an dem Hadschis Schöpfer Karl May in die ewigen Jagdgründe einging. May, da müssen wir jetzt ganz tapfer sein, schaute auch niemals in Fürth vorbei. Gar nicht auszudenken, was für eine schicke Gedenktafel man nun enthüllen könnte, hätte er hier vielleicht das fehlende Frühwerk („Winnetous Kindheit und Jugend“, Teil eins bis drei) erdichtet.

Obwohl der Waagplatz durchaus mit Rothäuten punkten kann. Natürlich fällt da der Blick sofort auf die tiefergelegte Sitzgelegenheit. Die eleganten Räder gefallen mit zierlichen Speichen. Die Naben zeigen Stabilität, die Gabel Stärke. Keine Frage, in jedem Detail haben wir es mit einem sehenswerten BMX-Rad zu tun, das sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Sollten Winnetou, Old Shatterhand und Co. allerdings jemals das Bedürfnis verspüren, nach Fürth zu kommen, könnte man ihnen in naher Zukunft ja höchstwahrscheinlich einen 1a gelegenen Super-Wigwam anbieten. Inklusive Rasenplatz zum Grasen für Hatatitla und Iltschi.

Karl-May-Festspiele im Ronhof wären doch bestimmt eine prima Sache.

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Die Jäger der verlorenen Sessel

Vom Winde verweht sind die Zeiten als Tage wie dieser damit endeten, dass wir die 39 Stufen erklommen, um uns im City-Kinocenter ein paar schöne Stunden zu machen. Das Beste kommt zum Schluss, sagten sich allerdings Optimisten und griffen jetzt beherzt zur Kettensäge: Im Schatten des Zweifels ist so ein gut eingesessener Kinosessel fürs traute Heim doch besser als das Schweigen der Lämmer im leeren Lichtspielhaus ertragen zu müssen.

Selbst dem Mann, der zuviel wusste, muss diese tragfähige Idee imponieren. Denn nur einmal angenommen die Holde mag weder einen Hauch von Nerz noch freut sie sich über die Vögel, die er ihr offeriert, dann ist so ein Sessel doch ein Geschenk des Himmels. Bevor eine Dame verschwindet, sagt er garantiert besser: „Ich beichte.“ Und rückt damit heraus, dass das fünfte Element aus der Stuhlreihe gleich neben dem Fenster zum Hof leider nach Chinatown vergeben wurde. Muss sie nicht weich werden, wenn er dann die einfühlsamen Worte spricht „Ich kämpfe um dich“ und als Beweis seiner Hingabe der Pretty Woman einen Doppelsitzer aus der letzten Reihe präsentiert?

Wenn dann nicht die Zeit der Zärtlichkeit für diese Supernase anbricht, sondern der Club der Teufelinnen die Waffen der Frauen auspackt, dann wird ihn sein Basic Instinct erkennen lassen, diese Frau ist berüchtigt. Falls sie ihm aber durch die Mitternachtsspitzen zublinzelt und etwas von einem Pyjama für zwei murmelt, besteht kein Zweifel daran, dass auch in Zukunft gilt – zusammen ist man weniger allein.

Und weil jede Love Story ein Happy End verdient, soll jetzt bitte keine Mission Impossible beginnen, sondern Rubbeldiekatz Ersatz fürs City-Kinocenter herbei kommen.

 

 

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Schweine schubsen

Es gibt viele gute Gründe, am Sonntag in den Fürther Stadtwald zu pilgern. Spätestens auf dem Parkplatz muss allerdings entschieden werden, ob jetzt spaziert, gejoggt, gewalkt, nordisch gestöckelt oder einfach nur Luft geschnappt wird. Annika, 26, geht vor dem Laufen erst mal Schweine schubsen.

Das klingt auf Anhieb nicht ganz so nett, wie es ist. Schweine schubsen geht nämlich so: Annika tritt an den Zaun des Wildschweingeheges. Umgehend kommt ein Jungschwein angerannt, drängt sich so nah wie möglich an das Gitter und hofft auf eine Streicheleinheit. Sobald Annika anfängt, seine Borsten gefühlvoll zu kraulen, beginnt das hingerissene Tier wonnige Töne von sich zu geben. Ein Geräusch, das an durchaus von einer schnurrenden Katze stammen könnte. Na gut, das Schwein als solches schnurrt tiefer. Und lauter.

Das wohlig grunzende Jungschwein hat natürlich die Aufmerksamkeit seiner Kollegen geweckt. Die stellen sich tatsächlich brav an und warten bis auch sie ein bisschen gekrault werden. Das passiert relativ bald, weil Schwein 1 vor lauter Wonne umsinkt und damit Schwein 2 näher an die streichelnde Hand kommt.

„Ich hab’ schon gesehen, dass irgendwann drei Schweine ganz zufrieden nebeneinander lagen“, lacht Annika.

Ein klarer Fall von Schwein gehabt.