Lupo und die Laus

Upps! Jetzt ist es raus. Der Hund heißt Lupo. Herzogin Catherine hat sich verplappert und nun weiß alle Welt, was Prinz William ruft, wenn der Kleine zu laut kläfft. Freilich ist es nett, dass Thronfolgers anscheinend echte „Fix und Fox“-Fans sind. In dem wunderbaren Uralt-Comic ist Lupo allerdings ein echter Underdog, während sein englischer Kollege höchstwahrscheinlich zur Rasse der von Lupos zählt. Egal. Wirklich schockierend ist, dass Catherine nicht mal den Namen ihres Vierbeiners für sich behalten kann – wobei nicht recht einleuchten will, warum überhaupt ein Geheimnis daraus gemacht wurde. Der Herzogin empfehlen wir trotzdem dringend einen Lehrgang in Fürth. Hier weiß man, wie man dicht hält.

Diese elegante Vitrine hier zum Beispiel. Natürlich könnte man einfach so ein Glasfenster zur Seite schieben und irgendetwas in das formschöne Wasserglas stellen. Eine nette Tulpe vielleicht. Aber nein. Das Ding beweist Mut zur Leere. Und zwar in der Königstraße (Da staunste Catherine, oder? In Fürth sind die Straßen aristokratisch. Das, meine Liebe, hat Klasse.)

Wie man dicht hält, lässt sich auch im Jüdischen Museum Franken bewundern. Auch in der Königstraße. Da bleiben die Vitrine nicht leer. Ein Objekt allerdings ist weder historisch noch von Bedeutung. Es ist erfunden. Frei nach Loriot, dem es gelang, die Steinlaus im medizinischen Wörterbuch Pschyrembel einzunisten, wurde im Museum ein Objekt einfach erdacht. Zu finden ist es in einer der neuen Dauerausstellungsabteilungen. Wer’s enttarnt, wird an der Museumskasse mit einer kleinen Überraschung belohnt. Nein, wir werden schweigen. Nicht mal ein Hinweis kommt über unsere Lippen.

Sag’ jetzt nichts, Catherine.

Fürther Monroe

Heute Morgen habe ich etwas gelernt. Es ist kurz nach sieben. Der Himmel schimmert grau, das Wetter lässt sich allenfalls als mies mit Tendenz zu niederschmetternd beschreiben. Trotzdem lächelt Lisa selig. Dabei hat die Achtjährige auf ihrem Schulweg durch den wegtauenden Schneematsch alle Hände voll zu tun. Mit festem Griff hat sie das lange blaue Kleid gerafft, das sie über ihrer Jeans trägt. Auf  dem Rücken schleppt sie die obligatorische Schultasche, am Arm schaukelt obendrein ein Turnbeutel aus dem ein Plastikzepter ragt. Krönender Höhepunkt ist ein Diadem, das in ihrer Pudelmütze steckt.

„Ich bin die Eisprinzessin“, sagt Lisa würdevoll. In der Schule werde nämlich  Fasching gefeiert. Schön, aber wär’s nicht ein bisschen bequemer gegangen? Krone in den Sportbeutel und vielleicht ein kurzes Gewand? „Nein“, erklärt Lisa. „Ich will das.“

So einfach ist das also. Fasching muss man wollen. Und was nicht ist, wird hingemalt. Dann wird sogar aus einer pummeligen Putte, die sich in einem Innenstadthof leicht bekleidet an einem Blumenstrauß festhält, dank Lippenstift und blonder Tönung die perfekter Vision einer wahrhaft himmlischen Fürther Marilyn Monroe. Jetzt erklärt sich allerdings auch, warum Bayerns Finanzminister Markus Söder im Fasching als sauber ausstaffierter Punk geht. Er will das.

Der Rest wird hingemalt.

 

Liebe Wurst

Es gibt Tage, da kannst du eigentlich nur verlieren – es sei denn, der Metzger deines Vertrauens reißt dich raus. Den Schlamassel heute hat uns der Heilige Valentin eingebrockt. Wobei ich stark bezweifeln möchte, dass der ahnte, welche Tücken sein Namenstag im 21. Jahrhundert mit sich bringen würde.

Tatsächlich sorgte der höchstwahrscheinlich ahnungslose Valentin dafür, dass heute schon im Morgengrauen auffallend viele  junge Männer durch Fürth trabten, die längliche Pakete unter den Arm geklemmt hatten. Gut, der Inhalt war durch Zeitungspapier vor dem  Frost geschützt. Trotzdem liegt die Vermutung sehr nahe, dass da Rosen transportiert wurden.

Fein raus also, wer dran gedacht hatte, zeitig Grünes zu besorgen. Was aber tun, wenn man’s verpatzt hat? Wohl dem, der in solchen Momenten einen liebevollen Metzger hat. Der kann in diesen valentinischen Abendstunden zum Beispiel noch ganz schnell mit „2 Liebessteaks v. Schwein“ aufwarten. Lecker auch die „Valentins-Knacker“ mit Tomate und Basilikum. Nachgerade eine dezent erotische Note verbreiten die „Romantik Lendchen französischer Art“. Mehr zu sagen, verbietet sich da beinahe von selbst.

Wenn sich die Lendchen dann nett angerichtet auf dem Teller aalen, kann sich die Rose ganz schön nach der Decke strecken. Oder hat je schon mal einer davon gehört, dass Liebe durch die Vase geht?

Möner Schist

Jeden zweiten Meitag wird unserem Früll eine Abfuhr erteilt. Das ist schirklich wöhn, erst recht, seit die Wüllmagen genau wie der aktuelle Küllmalender so boll teschriftet sind. Doch ausgerechnet der „Mio Büll“ macht mir jetzt kroßen Gummer: Er will wicht neichen.

Duld ist Schieter. Also das Koch, mit dem die Hälte kam. Der Rälte-Kekord der vergangenen Tage hat die Bleste von Rumenkohl mit Saffeekatz und Boter Reete in der Trünen Gonne festfrieren lassen. Ein möner Schist. Lix mit Neerung, der ganze Mio Büll ist noch da.

Die Experten von der mädtischen Stüllabfuhr kennen das Problem und raten, die Ponne mit Tappe auszulegen. Außerdem würde sich die Dummidichtung am Geckel über eine Einreibung mit Vaseline freuen. Gird wemacht.

Also wundern Sie sich bitte nicht, wenn ich gleich vor der Taushür stehe und die Tüllmonnen zärtlich eincreme. Vielleicht sollte ich dem festgefrorenen Freck obendrein mit dem Döhn zu Leibe rücken. Sal mehn.

Tapferer Kohlkopf

Er grünt so grün, als träume er vom nahen Frühling – dieser Grünkohl auf dem Wochenmarkt ist ein Held. Allein und ohne Frostschutzmittel harrt er bei diesen arktischen Temperatur auf der Fürther Freiheit aus. Wo sind jetzt die Tomaten? Die Bananen? Genau. Man hat sich fröstelnd zurückgezogen. Für den Grünkohl könnte jetzt die große Stunde schlagen. Er könnte auf den Putz hauen und den überkandidelten Apfelsinen davon erzählen, dass er hoch droben im Norden einen Ruf wie Donnerhall hat. Mit Pinkel tritt er da im Duett auf, jawohl. Und da gibt’s jetzt gar nichts zu grinsen, schließlich handelt es sich bei seinem Kumpel um eine ehrenwerte Grützwurst.

Gut, das klingt für fränkische Mägen vielleicht immer noch nicht appetitlich. Nicht auszuschließen, dass auch einem Stallhase im Fürther Norden irgendwas nicht bekommen ist. Jedenfalls darbte das zartfühlende Tier sichtlich vor sich hin, nachdem es der Familienvater samt Stall aus der Kälte in den Keller verfrachtet hatte. Ein Vorgang, der dem Hase stank. Umgehend stellte er das Fressen ein, setzte sich in eine Ecke und nahm übel.

Jetzt haben Hase und Stall wieder ihren Platz im Vorgarten eingenommen. Nachts wird das Gehäuse mit zwei Decken umwickelt, morgens nuckelt das durchgekühlte Langohr dann ein bisschen an dem warmen Wasser, das seine Besitzer ihm in seine Flasche füllen. Dabei sieht er so wohlig aus, dass es allen warm ums Herz wird.

Philosophische Gemüter haben jetzt sicher längst den tapferen Hasen als Vorbild erkoren und denken an ihn, wenn das große Bibbern wieder zuschlägt. Uns fällt allerdings bloß ein, dass am 20. März, um 6.14 Uhr, der Frühling beginnt. Dann kann uns der Kohl mitsamt der Kälte aber so was von gestohlen bleiben.

Eiskalt aufgewischt

In Punxsutawney ist just ein Murmeltier geweckt worden. Phil heißt das putzige Tier und sagt das Wetter voraus. Das allein ist ein alter Hut, spätestens seit Bill Murray mit „Täglich grüßt das Murmeltier“ in die Kinos kam. Neu ist, dass sich in diesem Jahr die Tierschutzorganisation Peta eingeschaltet hat und vorschlägt, statt eines lebendigen Nagers in Zukunft einen Roboter einzusetzen.
Darüber mag nun grübeln, wer will. In Fürth wenigstens ist man fein heraus. Hier dient zur Wettervorhersage ein Schneepaar. Die Regeln dabei sind schlicht: Wenn die beiden zerfließen, wird es wärmer. Die Treffsicherheit dieser Voraussage darf als extrem hoch eingestuft werden.
Wahrscheinlich wird die Aktion auch keine Tierschützer auf den Plan rufen. Dafür fällt feinfühligeren Naturen der Gesichtsausdruck des weißen Paares auf. Bohrende Fragen stellen sich: Warum, zum Beispiel, grinst sie so breit, während ihm die schiere Skepsis ins Gesicht geschrieben steht? Weshalb ist sie mit Haushaltsgeräten bewaffnet?
Besen, Schürze und Eimer lassen nichts Gutes vermuten. Gut, für den Frühjahrsputz ist es noch etwas zeitig. Dennoch scheint der Schneefrau zartes Stimmchen deutlich vernehmbar, das flötet: „Liebling, kannst du mal eben die Gardinen runternehmen? Und schnell aufwischen?“
Ist doch kein Wunder, dass er so mürrisch guckt. Und keiner greift ein.

Phil, du hast es gut.