Von Hirschen und Hasen

Jasmin Wagner kann man derzeit im Stadttheater bei einem Liederabend mit dem handlichen Titel „Männerbeschaffungsmaßnamen“ erleben. Wer Ende der 90er Jahre gerade alt genug war, seine Benjamin-Blümchen-Kassetten endgültig zu verbannen, weiß, dass Jasmin Wagner ein alter Show-Hase ist. Das klingt jetzt ein bisschen uncharmant, soll aber ein Kompliment sein. Schließlich war die junge Frau damals ein Teenie und nannte sich Blümchen. Mit ihr kam plötzlich eine Ahnung von Techno ins Kinderzimmer und Songs wie „Kleiner Satellit, piep, piep“.
Jetzt ist Jasmin Wagner schon seit zehn Jahren nicht mehr Blümchen, sondern tritt unter ihrem richtigen Namen auf – was die wahren Fans von einst freilich nicht daran hindert, in Erinnerungen zu schwelgen.
Eine Tätigkeit, die gerade im Moment generell viel Spaß verspricht. Wem kommt etwa beim Anblick von garantiert-nicht-Dschungelkönig Aílton spontan in den Sinn, dass der Gute mal Torschützenkönig der Bundesliga war? Auch für eine Überraschung gut ist Thomas Gottschalk, der jetzt im Ersten vor der Tagesschau als Verkaufsberater fungiert. Im Angebot bisher unter anderem: Werbung für Konzerte mit Schrott und Netrebko sowie für zwei Kinofilme. Auch in diesem Fall werden sich die Älteren vielleicht schwach erinnern: Thommy war vor langer Zeit mal ein richtig witziger Radio-Moderator.
Völlig frei von Fremdschämen oder nostalgischem Sehnen sind wir dagegen in Fürth: Die Hirschenstraße hieß tatsächlich mal Hasenstraße. Und? Schert sich noch irgendein ein alter Hase darum?

Harry und die Chamäleons

Das Wetter kann man sich im Moment getrost schenken. Entschieden tröstlicher sind dagegen die tapferen Primeln, die in der Fußgängerzone die vorüber eilenden Regenschirmträger aufmuntern wollen. Schön auch, wenn man jetzt noch Spaß mit den Weihnachtsgeschenken hat.
So wie das Ehepaar aus Ronhof, das unter dem Tannenbaum perfekte Treffsicherheit bei der Präsentauswahl bewies. Dumm bloß, dass die beiden den gleichen Geschmack haben: Jetzt besitzt jeder zwei Karten für den einzigartigen Harry Rowohlt, der am 16. Februar in der Comödie vorliest und erzählt. Auf wahre Seelenverwandtschaft deutet die Tatsache hin, dass die beiden bei ihrer jeweiligen Karten-Order für den anderen tatsächlich nebeneinander liegende Plätze erstanden haben.
Freunde des chinesischen Horoskops werden jetzt behaupten: Das ist kein Zufall. Immerhin beginnt am Montag in China das Jahr des Drachen und der gilt als Glücksbringer. Kein Wunder also, dass das Ronhofer Paar einen Satz seiner vier Harry-Karten jetzt weitergeben konnte.
Und was für ein Glück, dass sie sich für Rowohlt und nicht für Chamäleons begeistern. Jahr des Drachen hin oder her. Wie, bitte, sollte da der Umtausch eines Doppel-Präsents vonstatten gehen? Hat doch gerade erst Edgar, ein junges Jemen-Chamäleon, in Herne gezeigt, wie perfekte Tarnung in so einem Fall funktioniert: Edgar wurde kurzerhand grün und verschmolz mit der Tapete.
So, und jetzt stellen wir uns für einen Moment den Austausch in Fürth vor: Zwei Chamäleons. In Grün. Im Ronhof. Alles klar, oder?

A wie Anfang

Der Januar hat einfach nicht das Zeug zum Lieblingsmonat. Auch in Fürth nicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir an Silvester viel zu erwartungsvoll starten. Nein, wir reden jetzt gar nicht von guten Vorsätzen. Trotzdem verläuft sich der ganze schöne Schwung, der uns am Neujahrstag beflügelt, schnell im Sande. Und dann? Steht man erst mal rum, wie die drei vom Hardsteg. Man würde ja gerne. Aber wer braucht derzeit eine mobile Eisdiele? Einen Wohnwagen? Eben.
Die ein oder andere Anlaufschwierigkeit offenbaren auch die neuen Tarife für Bus und U-Bahn. Da war zum Beispiel der junge Mann, der zu sehr früher Stunde mit dem Bus von Poppenreuth nach Röthenbach bei Schweinau wollte. Leider hat er keine Ahnung, wie das jetzt läuft. Natürlich hätte er vor Fahrtantritt die erhellende Broschüre „Fragen und Antworten zu den neuen Tarifen in Fürth“ lesen können. Da steht alles drin. Wirklich alles („Unsere Fahrer verkaufen ab 2012 nur noch Fahrkarten der Preisstufe Z, wenn Sie nicht eine Fahrkarte der Preisstufe K verlagen. . . “).
Leider hat augenscheinlich auch der Busfahrer das grundlegende Werk nicht verinnerlicht. Das könnte er rein theoretisch in diesem Augenblick der Not nachholen. Doch, sagt der Fahrer, so leid es ihm tue, er hat seine Lesebrille nicht dabei.
Und der junge Mann? Der wird zum nächsten Fahrkarten-Automaten verwiesen, der weiß nämlich Bescheid: Tarifstufe A ist’s. A wie Anfang.
Wir werden es uns hinter die Ohren schreiben. Dafür brauchen wir dann nicht mal eine Lesebrille.