Der Waschmarder

An Fürths Ruf als Einkaufsstadt kann ja noch etwas poliert werden. Empfehlen würde sich für diese Aufgabe der junge Mann, der sich in einem großen Drogeriemarkt in der Fußgängerzone gerade mit bewundernswerter Kreativität darum bemüht hat, aus einem Waschbären einen Marder zu machen.

Das klingt merkwürdig? Fakt ist, dass dringend ein Geschenk für einen Freund gesucht wurde, der im Moment ein gestörtes Verhältnis zum Martes foina hat, zum gemeinen Steinmarder also. Die im Grunde possierlichen Tiere aus der Familie der Mustelidae sind als Kabelbeißer berüchtigt. Ein Sport, den ein Exemplar in Braunsbach denn auch ausgiebig an einem Polo betrieben hat. Was lag da näher als die Idee, Tier und Mensch unter dem Weihnachtsbaum zu versöhnen? Der Versuch gipfelte in dem Bemühen, einen Marder aus Plüsch, Gummi, Plastik oder was auch immer zu verschenken.

Machen wir es kurz: Marder gibt’s nicht. Tapire sind zu erstehen und Triceratopse, sogar Komodowarane und Dodos. So sah es aus – bis der unerschrockene Verkäufer eingriff. Schnell war die Entscheidung gefällt, einen – im Sortiment vorhandenen – Waschbären zu tunen. Allen Zoologen, die sich in diesem Augenblick winden, sei gesagt: Marder! Sind! Ausverkauft!

Mit ein paar Griffen war die passende Tönung im klassischen Marder-Braun-Beige-Grau gefunden. Inklusive Tipps zu Verarbeitung und Trockenzeit.

Und, ehrlich, er sieht gut aus. Jetzt wartet der Marder, der ein Waschbär war, auf die Bescherung. Ob er sich als Wappentier für eine unerschrockene Einkaufsstadt mit Potenzial und Knowhow auch in kniffligen Fachfragen eignet, sollte unbedingt geprüft werden.