Oh, Tannenkranz

Es gibt Mysterien, die werden wohl auf ewig ihre Rätsel für sich behalten. Das Verhalten weiblicher Wesen beim Weihnachtseinkauf dürfte in diese Kategorie fallen. Nehmen wir die beiden Freundinnen, die in der Schwabacher Straße gut gelaunt und zielsicher eine Anhäufung von Tannenkränzen anstreben. „So einen brauch’ ich für unsere Haustür“, erklärt Freundin eins, bleibt stehen und beginnt Stück für Stück die nadeligen Gebinde zu begutachten. Der Laden ist prima sortiert, das Prozedere zieht sich hin. Als endlich jedes einzelne Teil sorgfältig betrachtet, geprüft und zur Seite gelegt ist, entringt sich der gründlichen Käuferin ein tiefer Seufzer. „Irgendwie sind die alle gleich“, spricht sie. Nimmt den erstbesten Kranz und zahlt.

Wenige Schritte weiter. Ein Kleidungsgigant aus dem Norden. Ähnliche Konstellation. Zwei Frauen, um die Zwanzig, betreten das Geschäft. Die ersten erblickt etwas, eilt hastig zu einem Ständer mit T-Shirts, greift ein Teil und ruft rückhaltlos begeistert: „Genau so eines habe ich gesucht – nur in einer anderen Farbe, etwas anders geschnitten und mit einer Schleife am Hals.“

Was lernen wir daraus? Keine Ahnung. Das vorweihnachtliche Shopping-Mysterium fordert mal wieder seinen Tribut.

Glatter Schnitt



Was wäre der Advent ohne die alten Bräuche, die diese Wochen zu etwas ganz Besonderem machen? Lange in Vergessenheit geraten war zum Beispiel das Kinderschmieden, das beim Poppenreuther Adventsmarkt gerade wiederbelebt wurde. Ein Schritt, der zu loben ist. Passt doch so ein handgeschmiedetes Kind hervorragend zur Schrankwand in Eiche rustikal. Und wenn es stimmt, dass die Super-Nanny demnächst ihre TV-Dienste einstellt, dann könnte aus der Kinderschmiede endlich adäquater Ersatz für den auf konventionellem Wege gefertigten Nachwuchs kommen. Stille Treppe? Nicht länger ein Thema.

Was das Schmiedekind rein akustisch von jenem Heimwerker unterscheidet, der dem Wunsch der Familie nachkommen und in einem Poppenreuther Vorgarten eine Lichterkette montieren wollte. Einem vorwitzigen Efeuzweig mit der Heckenschere zu Leibe zu rücken, war dabei das Werk von Sekunden. Die stimmungsvolle Bastelstunde im Keller, dauerte etwas länger – so ein durchtrenntes Lichterkettenkabel will sorgsam repariert werden.

Nikolausbrille

Heute Nachmittag wurden in Poppenreuth Menschen gesichtet, die in der Novembersonne – bitte, wie das allein klingt: Novembersonne! – auf der Terrasse ihren Kaffee genossen. Inklusive Streuselkuchen. Nun gut, kuschelige Fleecedecken waren auch im Spiel. Trotzdem.

Mag sein, dass das jetzt Maulen auf hohem Niveau ist, aber wie soll’s einem bei diesem Wetter besinnlich im Gemüt werden? Nieselregen müsste gefälligst auf dem Programm stehen. Grau in Grau darf’s sein und im Wetterbericht können ruhig Wörter wie „garstig“ auftauchen. Ganz nebenbei sei auch die Frage erlaubt, womit man denn im Moment eine gescheite Novemberdepression begründen soll?

Die große Entscheidung lautet allerdings: Sonnst du noch oder schmückst du schon? Schließlich ist der erste Advent bereits in Rufweite. Ein paar unentwegte Zeitgenosse haben sich dem Kalender gebeugt und Lichterketten montiert. Andere können sich einfach nicht von den Geranien trennen, die sich tapfer im Balkonkasten festkrallen.

Nun kann man natürlich sagen, dass zum Beispiel in der Rosenstraße dekomäßig das Thema ohnehin eindeutig vorgegeben ist. Außerdem hat gerade ein Oberfranke bewiesen, dass ein bisschen Umdekorieren – Brille weg, Gel aus der Tolle gewaschen – auch keinen großen Unterschied macht.

Auf der Fürther Freiheit sieht das allerdings ganz anders aus: Da laufen sich auf dem Weihnachtsmarkt, der am 24. November eröffnet wird, schon die Nikoläuse warm – wenn es sein muss, spendieren wir den Jungs halt eine Sonnenbrille.

Farbenfroh

Ein Franke und der Fasching – genau, das ist ein weites Feld. Dabei lässt sich hier doch viel Schönes entdecken. Zum Beispiel am 11.11.11 ein Nürnberger in Rot und Schwarz im Fürther Rathaus.

Was er dort tut? Stefan Hopf ist als Trauzeuge angereist. Und weil der 26-Jährige obendrein Präsident der jungen „Nürnberger Burg Narren“ ist, trägt er halt, was ein Nürnberger farblich so tragen muss, wenn es drauf ankommt.

Aber – und jetzt kommt der pädagogisch wertvolle Teil – es gibt Tage, da scheint alles möglich zu sein. Der 11.11.11 (das schreibt sich einfach so schön) gehört unbedingt dazu: Schließlich kam es vor dem Sitzungssaal des Fürther Rathauses, in dem sich in einem fort getraut wurde, zu einer Begegnung der unaufgeregten Art: Vor den Freunden aus Nürnberg war nämlich eine Hochzeitsgesellschaft in Weiß und Grün – erklärte Fans der Spielvereinigung – an der Reihe. Und was geschah?

Nichts. Es sollen sogar ein paar lächelnde Gesichter gesehen worden sein.

Der junge Präsident aus Nürnberg gestand, dass ihn in Fürth ansonsten meist ganz andere Farben reizen: Blau und Gelb. Und wenn ihm nicht nach Schwedischem fürs Heim zumute sei, dann suche er auch gerne mal die „versteckten Sehenswürdigkeiten von Fürth“. . .

Hach. Das lachen wir natürlich locker weg. Fasching, ist schon klar. . .

Ausrufe! Zeichen!

Die Mathematik ist eine wunderbare Wissenschaft – und eng mit der Musik verwandt. Weshalb das so ist, zeigt zum Beispiel sehr schön der einfühlsame Hit „Rote Zahlen aus Athen“. Gut, es gibt da derzeit gewisse Ungenauigkeiten in den Summen, die beim großen Abrechnen tagtäglich unter dem Strich stehen. Nicht nur in diesem Punkt liegen Andere weit vorn.

Die Fürther wissen jetzt nämlich ganz genau, dass sie in Punkto Einwohner am Landkreis vorbeigezogen sind. 18 Jahre haben sie dafür gebraucht, was ein Beweis dafür ist, dass man langen Atem braucht, wenn man ein großes Ziel vor Augen hat.

Gut möglich aber auch, dass in diesem Moment ein Geheimnis gelüftet werden kann, das Fürth noch weiter nach vorn bringt: Wir sehen zunächst bloß eine formschöne Recylingstation für Glasflaschen. Was hier verblüfft, ist aber ein nachgerade vorbildlicher Fall von Wachstum durch konsequente Anhebung des Ausrufezeichenniveaus.

15 Wörter. 6 Ausrufezeichen. Das darf  als Höchstleistung bezeichnet werden. Jetzt einmal ganz abgesehen von der poetischen Reinheit des eleganten Sprachstils – wer möchte sich diesen Bitten verschließen?

Und schon fragen wir uns, ob hier nicht der Schlüssel zu Größerem liegt? Was – nur so als Idee – wenn Angela Merkel diese noblen Fürther Grundsätze ihren EU-Kollegen einfach so mal entgegen riefe?

Wir rufen jedenfalls schon jetzt: „DANKE!“