An den Hebel, ihr Zwerge

Der Herbst hat uns im Griff. Blätter fallen und Kürbisse machen sich wichtig. Sensiblere Naturen werden längst auch den Rückzug der Gartenzwerge registriert haben. Dieses heitere Trio hat auf dem Fensterbrett einer Erdgeschosswohnung in der Blumenstraße Unterschlupf gefunden und tut, was so ein Knirps tun muss – mit lässigem Charme Gartengerät in den kräftigen Pranken halten.

Engstirnige Mitmenschen können jetzt natürlich fragen, ob ein Gartenzwerg im wohlig beheizten Winterquartier nicht mangels Garten unversehens zum Zwerg mutiert. Eine Mutmaßung, die von einer gewissen Kurzsichtigkeit zeugt. Hat denn, jetzt mal zum Beispiel, je einer ernsthaft behauptet, dass ein Schirm den Euro retten kann? Oder stecken etwa in der Schuldenkrise die Schulden tief im Schlamassel? Eben.

Als beispielhaft darf in diesem Moment Angela Merkel angeführt werden. Die Kanzlerin nimmt sich mitten im herbstlichen Schirm-Palaver Zeit, ihrem französischen Kollegen beim Aufknüpfen eines bundesdeutschen Päckchen für sein Elysée-Bébé zu helfen. Zumindest erweckten die innigen Fotos der beiden beim vereinten Geschenkgucken diesen Eindruck.

Wer jetzt glaubt, Angela Merkel habe Sarkozy einen Plüschbären aufbinden wollen, hat schon wieder etwas falsch verstanden. Und denkt vermutlich auch, der – jawohl – Gartenzwerg in der Blumenstraße halte den inbrünstig gesuchten Hebel für die Euro-Rettung in seinen Händen.

 

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Buchkreislauf

Alle, die Bücher lieben, schauen derzeit nach Fürth. Gut, das erregt in Städten wie sagen wir einmal Frankfurt einen gewissen Neid. Aber das Leben ist nun mal kein Pixi-Buch.

In Fürth, genauer am Pappelsteg, läuft ein Experiment, das nicht nur die Fachwelt erregt: Wie verhält sich ein Buch in freier Wildbahn, lautet die Testfrage. Allein, ungeschützt und ohne Leser wurde ein gedrucktes Exemplar von rund 600 Seiten auf einem der hölzernen Stegbalken ausgesetzt.

Erste Ergebnisse lassen jetzt aufhorchen. Stellt sich doch heraus, dass sich hier eine augenscheinlich vollkommene Rückführung in den natürlichen Kreislauf anbahnt.

Das weist nicht nur der Wissenschaft neue Wege. Endlich eröffnen sich Möglichkeiten der perfekten Entsorgung zum Beispiel von fünf Schrankwandmetern Konsalik und Konsorten. Mancher Buchtitel entpuppt sich plötzlich als Entsorgungshinweis: Charlottes Roches „Feuchtgebiete“, jetzt nur mal so zum Beispiel.

Dringend gewarnt werden muss in diesem Zusammenhang davor, das neue Werk von Daniela Katzenberger („Sei schlau, stell dich dumm“) etwa mit dem Kompost in Berührung zu bringen.

So leid es uns tut. Dafür ist auch am Pappelsteg kein Platz. Das Ding muss auf den Sondermüll.

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Kärwa Philosophie

Natürlich ist es Unfug zu behaupten, dass es männliche Wesen gibt, die beim Klang einer weiblichen Stimme automatisch auf Durchzug schalten. Sicherheitshalber können Frauen ihre Botschaft freilich auch schriftlich anbringen. Ein schönes Beispiel für diese Idee zeigt dieses einsilbige Mädel aus einem Schaufenster in der Schwabacher Straße.

Die Kürze ihrer Botschaft sollte einer mal Demi Moore hinter die Ohren schreiben. Die twitterte ihrem Gatten Ashton Kutcher, als der den Hochzeitstag statt mit ihr mit einer blonden Sara verbrachte, eine tiefgründige Weisheit des griechischen Philosophen Epiktet („Wenn du dich von eines Menschen Fehler beleidigt fühlst, gehe in dich und denke über deine eigenen Fehler nach. Dann wirst du deinen Zorn vergessen.“) Das wirft jetzt ein schönes Licht darauf, womit sich Hollywood-Stars in ihrer Freizeit beschäftigten. Ob Ashton nach diesen weisen Worten schleunigst zu seiner Gattin kutschierte, ist dagegen noch nicht ganz sicher.

Deshalb empfiehlt sich vielleicht doch die Fürther T-Shirt-Nachricht. Die hat schließlich auch etwas Philosophisches. Denn wen erinnert der ebenso elegante wie ausgefeilte Bescheid „Bussi! Tussi!“ nicht an Kant und seinen kategorischen Imperativ?

Und das Beste daran? Die Fürther Version leuchtet sogar während der Kärwa jedem ein.