. . . für ein Halleluja

Ja, sie tut es. Sie reißt sich die Kleider vom Leib. Gut, wir reden von einer Puppe. Und sie hat wirklich  kein leichtes Schicksal. Hingefallen ist sie und liegengeblieben. Mitten in Fürths Fußgängerzone.

Aber die Kleine hat Glück. In Punkto Klamotten wird es in Fürth ja bald paradiesisch zu gehen. Seit der jüngsten Stadtratssitzung steht schließlich fest: Ein Berliner Investor soll einen neuen, attraktiven Einzelhandelsschwerpunkt in Fürth schaffen. Vornehmlich Schickes für den Kleiderschrank wird dort angeboten werden, damit sich kein Fürther mehr fühlen muss wie Adam und Eva Minuten nach dem Sündenfall. Oder, was schlimmer erscheint, zum Shoppen die Nachbarstädte anvisiert.

Apropos anvisiert. Ingrid van Bergen wollte ja dem Sommernachtsball im Stadtpark  als Star-Gast die Ehre geben. Ingrid van Bergen, wir erinnern uns alle, spielte zum Beispiel 1958 in „Wir Wunderkinder“ die Evelyn Meisegeier und tat sich später im Dschungel hervor. Nachdem der Ball auf den 30. Juli verschoben werden musste und Ingrid van Bergen an diesem Abend in Stuttgart auf der Bühne steht, springt nun statt ihrer Supertalent Freddie Sahin-Scholl ein. Was schön ist, denn er kann singen. Und das mit zwei Stimmen.

Famos ist auch, dass man jetzt in Schwäbisch Gmünd darüber nachdenkt, ein Freibad mit dem Namen von Bud Spencer zu schmücken, nachdem sich der Gemeinderat weigerte, einen Tunnel nach ihm zu benennen.

Absolut jeder Grundlage entbehrt dagegen die Überlegung, für Fürths geplantes Einkaufsmekka stehe Ingrid van Bergen als Namenspatin in den Startlöchern. Und, nein, auch das Fürthermare soll nicht zum Trost für die Blondine umbenannt werden. Vielleicht können wir sie mit der Information beschwichtigen, dass die gestürzte Puppen-Blondine in der Fußgängerzone rasch aufgehoben und eingekleidet wurde.

Die Freunde  in Schwäbisch Gmünd werden verstehen, dass uns hier in Fürth einer von Freddie Sahin-Scholls Hits am Herzen liegt: „No Man’s  an Island“ – Kein Mann ist eine Insel. Außer vielleicht im künftigen Bud-Bad.

 

Wer wird denn gleich maulen?

Gummistiefel zum Abendkleid? Friesennerz zum Smoking? Das sind Fragen, die sich an diesem Wochenende nicht stellen werden. Der Sommernachtsball wurde um eine Woche auf den 30. Juli verschoben. Ein akuter Mangel an Sommer-Nacht, der nur noch von einem Hoch an Wasser getoppt wird, macht die Entscheidung unumgänglich. Trotzdem gibt es Ball-Fans, die alternative Vorschläge haben. Auf Facebook empfiehlt eine Verfechterin des romantischen Fürther Tanzvergnügens, die Hochwasser-Rasenfläche einfach schockzufrosten, um dann auf der Eisfläche zu tanzen.

Eine wirklich schöne Idee und eigentlich kein Grund, so einen Flunsch zu ziehen wie der grimmige Löwe, der mit seinem Kollegen ein Jubiläum feiern darf: Vor exakt hundert Jahren zogen die beiden Marmor-Gesellen in den Stadtpark ein. Im Jahr zuvor – das verrät die Historikerin Barbara Ohm in „Durch Fürth geführt“ – hatte der großzügige Alfred Nathan die beiden Löwen in Rom gekauft und seiner Heimatstadt als gerne gesehenes Mitbringsel für den soeben vergrößerten Stadtpark verehrt.

Den zarten Blumenkranz trägt der Gute also völlig zu recht. Nicht ganz so romantisch ist die mähnesträubende Geschichte, die die ehemalige Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm verrät: Kleinen Fürthern wurde früher erzählt, dass man den Stadtpark-Löwen

nur dann die Hand zwischen die Beißer schieben darf, wenn man zuvor nicht gelogen hat.

Doch zurück zu Bayerns größtem Open-Air-Ball. Am 30. Juli, so viel darf mit Sicherheit verraten werden, zeigt das Thermometer noch um Mitternacht laue 26 Grad an und unter dem sternenklaren Himmel werden Menschen, in deren Gläsern sachte die kühlenden Eiswürfel klirren, über strohtrockene Wiesen tanzen.

Hand ins Maul darauf.

 

Findet Nemo

von hjwWir sollten nach Nemo suchen. Der ist nämlich schuld. Gesehen wurde der Kerl, der ein absolutes Tief ist, zuletzt über der Nordsee, da – so nennt es ein launiger Wettermann – hat er gerade Herbst gespielt. Jetzt tummelt sich Nemo augenscheinlich über Fürth und was wir davon haben, wissen nicht nur die, die gerade dabei sind ihre Keller auszuschöpfen. In Poppenreuth, nur so zum Beispiel, schwappte ein Gartenteich in der Nacht über. Was für den darin lebenden Goldfisch Gerhard nicht gut ausging.

Vergeht dir da nicht das Grinsen, Nemo?

Vorbildlich nennen kann man dagegen die vergnügte Schirmherrin, die unter ihrem Regenbogenschutz die gute Laune nicht verloren hat. Was lernen wir daraus? Wenn der Himmel grau ist, mach’ ich ihn mir halt schön bunt. Deshalb empfehlen wir hiermit umgehend einen Abstecher in die Fürther Sommerstraße. Wer mag, kann auch die Sonneberger Straße oder den Sonnenblumenweg ansteuern. Als sichere Nummer dürfte sich die Sonnenstraße erweisen.

Natürlich regnet es da auch. Aber wenigstens werden wir daran erinnert, dass sich dieses nasse Desaster vor der Haustür Juli nennt.

Adler vs Aktentasche

Es war einFoto Hans-Joachim Winklermal – halt, keine Angst. Hier wird nicht von Sommermärchen erzählt, die schneller ausgeträumt waren, als man kleine Flaggen vom Auto abmontieren kann. Die patriotischen Winkelemente haben allerdings den unschätzbaren Vorteil, dass sie sich schnell und unauffällig entsorgen lassen, wenn es nicht mehr so richtig viel zu winken gibt.

Anders verhält es sich mit jenem Getier, das ein kopfloses Dasein hoch über der Königstraße fristet. Was prima als Thema für einen Besinnungsaufsatz in der zehnten Klasse („Welche Emotionen und Deutungen lassen sich dem abgewrackten Adler auf der zerbröselten Weltkugel zuordnen?“) erscheint, führt umgehend zu einer akrobatischen Einlage: Wie, bitte, lassen sich die jeweils zwei Türen pro Umkleidekabine im Fürthermare schließen, wenn man sich als Einzelwesen umkleiden will?

Die versierten Planer kennen garantiert einen Trick, damit einerseits die stets von alleine aufschwingende Tür A geschlossen bleibt, während man Tür B zuhält und den Haken hinabdrückt, der beide Türen verriegelt, um dann endlich in wünschenswerter Intimität in Bikini respektive Badehose zu schlüpfen.

Da Tür A aber wie gesagt nicht ohne Tür B zu schließen ist, eröffnen sich dem Badewilligen mehrere Möglichkeiten. Die erste bietet sich für Freunde des Synchronschwimmens an: Man nimmt einfach einen Badegast seines Vertrauens mit in die Kabine und koordiniert Türschließen und Umkleiden im Gleichtakt. In die engere Wahl kommt auch die Arabesque-Variante für die Unentwegten, die sich früher in der Turnstunde auf dem Barren hervortaten: Wem es gelingt, das Standbein fest in der Kabinenmitte zu verankern, der kann beinahe mühelos mit einem auf Hüfthöhe durchgestrecktem Spielbein Tür A zuhalten, während er grazil Tür B mit einer anmutigen Geste per Hand verschließt.

Keinen Kopf machen müssen sich übrigens Schwimmer in spe, die – siehe oben – über eine Armspannweite verfügen, die unserem Adler alle Ehre macht. Die halten mühelos zu, was geschlossen werden soll. Eine Technik, die aber leider auch nicht weiterhilft, wenn sich der Königstraßen-Adler zum finalen Abflug bereit machen sollte.

In diesem Fall könnte sich Bewährtes empfehlen: Eine Aktentasche. Als Kopfschutz.

Picasso und Poppenreuth

Was unterscheidet Fürth von San Francisco? Das lässt sich leicht sagen. In San Francisco musste ein Kunstfreund erst in eine Galerie gehen, einen echten Picasso vom Haken nehmen, das Ding unter den Arm klemmen und damit verschwinden. In Fürth geht das nicht. Da hängt die Kunst am Haus.

Die wahrhaft groß angelegte Installation in Poppenreuth präsentiert zwei zierliche Landschaften, ausgeführt augenscheinlich in nobler Fresko-Technik. Enthüllt wurden die Werke mit Hilfe eines zartfühlend gelenkten Baggers. Leider – und das sollte ruhig auch einmal erwähnt werden – kann man von der Vernissage nichts Bewegendes berichten. Statt Häppchen und Prosecco gab es für die Freunde dieses Kunstgenusses nicht einmal Ferngläser. Die wären zur besseren Betrachtung der kühn in luftiger Höhe angebrachten Arbeiten aber durchaus wünschenswert gewesen.

Teil dieser experimentell angelegten Projekts ist die Absicht der Ausführenden, einen radikalen Schlussstrich zu ziehen. Die Landschaften im naiven Stil werden verschwinden. Bald und vollständig.

Und auch hier finden wir einen Bruch mit amerikanischen Sitten. Während in San Francisco eine Überwachungskamera den Täter ertappte und zu dessen Ergreifung führte, verzichtet man in Poppenreuth auf derlei Vorsichtsmaßnahmen.

Eine vorbildliche Art, mit Kunst frei und ungezwungen umzugehen. Da können die sich in San Francisco ruhig mal ein Beispiel dran nehmen.

Relativ leicht

Die Relativitätstheorie wurde nicht in Fürth erdacht. Damit müssen wir uns abfinden. Immerhin gibt es auf der Hardhöhe eine Albert-Einstein-Straße, was einen eleganten Übergang zu weiteren relevanten Einsichten erlaubt. Im Café „Lebenslust“ in der Altstadt steht zum Beispiel eine Himbeer-Mascarpone-Torte auf der Karte, die ein interessantes Phänomen auf den Teller bringt: „Die klingt nur schwer“, sagt Birte Baumgärtner von der „Lebenslust“, „aber die ist aber ganz leicht“.

Ein Satz von philosophischer Wucht. Und während der Blick zu den vier Storch-Silhouetten am Fürther Juli-Himmel schweift, kann man sich unschwer vorstellen, wie Vater Storch und Mutter Storch sich vor ihren beiden Jungen hoch oben in ihrem Schornstein-Nest in der Gustavstraße postierten und im Duett klapperten: „Fliegen sieht nur schwer aus, Kinder, aber es geht ganz leicht.“ Da Familie Storch mittlerweile elegant über der Stadt segelt, haben die Alten also mal wieder recht gehabt.

Ganz leicht kann man auch eine folgenschwere Rechnung aufmachen: Wenn bei den Öffentlich-Rechtlichen stundenlang über die Hochzeit eines charmefreien Monegassen mit einer freudlosen blickenden Schwimmerin berichtet wird, was heißt das für Fürth? Nun, da in der Kleeblattstadt mehr als dreimal so viel Menschen leben wie in Monaco, gehen wir relativ sicher davon aus, dass mit einer umfassenden Live-Übertragung des charmanten Sommernachtsballs im Stadtpark bei ARD oder ZDF zu rechnen ist.

Was jetzt relativ mühelos zu den Auslagen eines chinesischen Allrounders im Schatten des Rathauses führt. Neben hübschen Deckchen, aus denen sich mit ein bisschen gutem Willen leicht noch etwas Hübsches für den Ball zaubern lässt, führt man dort auch japanische Winke-Katzen in dezenter Goldtönung. Wenn man nur fest genug daran glaubt, sollen die wippenden Katzentatzen Geldsegen und Glück bringen. Das lässt für die Geschäfte im nahen Rathaus hoffen. Andererseits, lehrt Wikipedia, sollen die Katzen auch an ein weises chinesische Sprichwort erinnern: „Wenn eine Katze ihr Gesicht wäscht, wird es Regen geben.“

Was das jetzt für den städtischen Etat und den versprochenen Geldsegen heißt, ist leider relativ schwer zu sagen.