Nico, Günter und die Säbelzahntiger

Das Leben kann so was von gemein sein. Zu Nico Rosberg, zum Beispiel. Bei dem geht es beruflich ganz schön rund, das allerdings in einem Silberpfeil. Nico ist außerdem einer der größten Fans des Frauenfußballs. Blöderweise hat ihn ein Journalist falsch zitiert und behauptet, der Formel-Eins-Fahrer habe das Kickerinnenturnier mit den Paralympics verglichen. Hat Nico aber nicht.

Finn fühlt sich auch ungerecht behandelt.  In einem Poppenreuther Supermarkt scheut sich der Achtjährige nicht, seinen Unmut über einen abrupten Sortimentswechsel zu bekunden. An der Kasse werden jetzt nämlich statt Tier-Bildern fürs Sammelalbum Fußballerinnen-Fotos verschenkt. Was Finn klar und deutlich mit „So ein Mist“ kommentiert.

Finns Vater teilt sowohl den Kummer des Sohnes, als auch die Sehnsucht nach weiteren Bildern fürs tierische Sammelbuch: „Uns fehlt der Flachlandtapir, das Nacktnasenwombat und der Blauwal.“ Ein Pech, das auf Anteilnahme stößt.

„Ich hab’ immer nach Netzer, Overath und Seeler für mein Fußballer-Album gesucht“, erinnert sich der nächste Einkaufswagenlenker einfühlsam: „Wolfgang Grzyb von Eintracht Braunschweig hatte ich fünf Mal.“ Finns Vater nickt: „Säbelzahntiger –  bis zum Abwinken. Und Chamäleons.“

Und jetzt kommt – kein Sommermärchen. Die Kickerinnen in der Sammeltüte bleiben liegen. Unbeachtet.

Ach, wäre doch Nico vorbeigekommen.

Humor ist, wenn man…

Das mit dem Humor ist so eine Sache. Der eine lacht über Waltraud und Mariechen, der andere über Lothar Matthäus und wieder andere nur über sich selbst. Das macht es dem glossenschreibenden Journalisten nicht einfach. Jüngstes Beispiel: Kann Jopi Heesters 186 Jahre alt sein oder nicht? Weiter lesen

Fürth zieht an

Mit überraschenden Entdeckungen ist es so eine Sache. Ryan O’Neal – für die Jüngeren: Das ist der Typ, wegen dem sich vor 41 Jahren die Mädchen bei „Love Story“ im Kino die Augen ausweinten – führte jetzt stolz einem TV-Team sein Schlafzimmer vor. Dabei kam eine erstaunliche Fundsache ans Licht: Ein echter Andy Warhol, der einst Farah Fawcett gehörte, mittlerweile auf schlappe 30 Millionen Dollar geschätzt wird und bislang als verschollen galt.

Das ist jetzt irgendwie dumm gelaufen für Ryan und hat eigentlich wenig mit Fürth zu tun. Außer, dass man auch hier Entdeckungen machen kann. Beim Bummel durch die Gustavstraße, nur so zum Beispiel. Da baumelt in einem Hof in der ersten Etage die Wäsche zwischen zwei Häusern zum Trockenen an der frischen Luft. Ein Anblick, den jeder Reiseführer, der etwas auf sich hält, als wunderbar pittoresk kennzeichnen würde. Pluspunkte gibt es obendrein in Sachen Umweltschutz. Und neugierige Naturen können sich ein genaues Bild über die textilen Vorlieben der Familie machen.

Wer jetzt allerdings meint, süffisante Bemerkungen zum Thema Fürth und Fortschritt unter Berücksichtigung nostalgischer Trocknungsmethoden machen zu müssen – den dürfen wir enttäuschen. Ein genauer Blick auf die Wäscheleine in luftiger Höhe enthüllt eine handwerkliche perfekte Lösung mit technischer Raffinesse. Durchdacht ist das System, das durch schlichtes Ziehen die Wäsche zum Rotieren bringt und so praktisches Auf- und Abhängen ermöglicht. Wertbeständig darf die massive, wetterbeständige Ausführung genannt werden.

Was lernen wir daraus? Wenn bei uns in Fürth etwas entdeckt wird, dann hat das keinen Grund, sich zu verstecken.

Sollten Sie mal drüber nachdenken, Mister O’Neal.

Gut zu Fuß

Ach Kinder, was waren das für Zeiten. Einst gab es anscheinend Rettung, wenn Mutter des Abends dem Vater auf dem Sofa die müde Füße entgegenstreckte und dabei aufmunternd lächelte. Statt selbst mühsam diverse Reflexzonen auf Muttis Sohlen mit matter werdenden Massagegriffen zu bearbeiten, rief der liebende Gatte einfach bei der zuständigen „Fußdienstzentrale“ an. Haussegen zurecht gerückt, Ehefriede gerettet. Oder so.

Möglicherweise bot die „Fußdienstzentrale“, deren formschöne Werbung bis zum heutigen Tag in der Ludwig-Erhard-Straße das Auge erfreut, auch Pilgertouren ins rheinische Bad Honnef an. Fraglos kam dabei das elegante Schuhwerk zum Einsatz, das in den unschuldigen 60er Jahren noch als „Gymnastik-Sandale“ gehandelt wurde. Gleich wie. „Zur Entspannung, zur Erholung, für die Gesundheit“, wie das Plakat verspricht, war dereinst in Fürth augenscheinlich einiges geboten.

Und wir? Heute? Bei 20 Prozent der Arbeitsunfälle trifft es Füße und Zehen, teilte gerade die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege mit. Da wird man doch fragen dürfen, was denn die Fußdienstzentrale dazu sagt? Oder nehmen wir nur Kelly Osbourne. Die 26-Jährige, von Beruf Tochter von „Black Sabbath“-Sänger und Fledermausfreund Ozzy Osbourne, ist wochenlang mit einem gebrochenen Fuß herumgelaufen – ohne es zu merken.

Nun, wir hätten da eine famose Adresse für Kelly. Da muss sie sich auch nur ein Wort merken: Fußdienstzentrale.

Strandgut

Da hat sich wohl jemand  die Mühe sparen wollen, sein Sofa per Kleinanzeige in der Zeitung loszuwerden und es stattdessen kurzerhand an das renaturierte Pegnitzufer in der Nähe des Röllingerstegs transportiert. Möglicherweise diente es ja als Ruhebank während einer abendlichen Grillfete oder als gut gepolstertes Nachtlager unterm Fürther Sternenhimmel – schließlich wird das idyllische Ufer seit einiger Zeit  für Freizeitaktivitäten jeglicher Art stark frequentiert. Den Kindern, die das Treibgut zum Spielplatz auserkoren haben, dürfte die Herkunft des alten Sofas einerlei gewesen sein. Nach dem Entern mussten sie allerdings feststellen, dass man auf dem durchgeweichten Schaumstoff schnell nasse Füsse bekommt, und verloren drum schnell wieder die Lust daran. Schade eigentlich, dass der ungewöhnliche Anblick seit wenigen Tagen schon wieder verschwunden ist – ob gänzlich abgetaucht oder von freundlichen Ordnungskräften umweltverträglich entsorgt, wissen wir nicht. Vielleicht sollten wir mal die einschlägigen Tauch- und Gewässerexperten damit beauftragen, nach dem guten Stück zu gründeln.

Fürth wie es liebt und schreibt

Ach, ist das schön. Junge Menschen greifen wieder zum Stift und schreiben Herzbewegendes nieder. Nix Sms. Kein Gepiepe in der Hosentasche, wenn die Liebste Zärtliches erfahren soll. Boris B. aus L., der angeblich einst Entlobung und Beziehungsende mit 140 Zeichen wuppte, käme wahrscheinlich aus dem Staunen nicht heraus, fiele sein erfahrener Blick auf diese Hauswand in der Fürther Fußgängerzone.

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Die Milch macht’s

Feuerwehr und Wasser – das gehört zusammen wie Sankt Florian und Löschschaum, Ölbinder und B-Rohr, Blaulicht und Martinshorn. Warum sollte man sich also wundern, wenn auf dem Parkplatz eines Supermarkts hinter dem Fürther Bahnhof ein Tanklöschfahrzeug vorfährt, dem zwei Besatzungsmitglieder entsteigen, die leichthändig eine Tasche mit sechs leeren Wasserflaschen zum Pfandautomaten tragen? Weiter lesen

Daumen hoch

Adel schmückt ungemein und lässt die Kasse klingeln. Siehe Prinz Willi, dem vor kurzem rund zwei Milliarden Menschen weltweit dabei zusahen, als er zu seiner Kate die magischen Worte „I will“ sprach. Lukrativ erschien die Hochzeits-Show angesichts der unsäglich hässlichen Tassen, Teller und Wimpel, die an die dankbar zahlenden Untertanen gebracht wurden.

Was der englische König in spe mit Fürth zu tun hat? Leider – rein pekuniär betrachtet – nicht viel. Und doch lässt sich jetzt ein gewisses Potential erkennen: Im Stadttheater. Das liegt in der Königstraße, was als Zeichen gewertet werden darf. Wer in seinem Inneren zwischen rotsamtigen Polstern, goldigen Ornamenten und einem Heer von Putten nach einer Königsloge sucht, wird allerdings nicht fündig. Königs kamen bislang nicht vorbei.

Doch nun gibt es im Stadttheater gekrönte, äh, nein, nicht Häupter. Daumen. Gekrönte Daumen. Eine Idee von Intendant Werner Müller fürs Foto zum neuen Sommerferienprogramm des Stadttheaters mit dem schönen Namen „Hamlet & Co“.

Der unglückliche Dänenprinz („Bereit sein ist alles“) sollte mehr noch als Englands Willi als Vorbild dienen. Nicht nur, dass an Hamlet eine gewisse Bescheidenheit überzeugt – auch die Fürther Krone war in kundiger Bastelarbeit aus goldigem Papier gefertigt. Vor allem aber hat der Däne immer einen passenden Spruch („Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“).

Da sich mit Bescheidenheit allein  schwerlich der Kontostand steigern lässt, sei trotzdem eine Anleihe in England erlaubt: Druckt Tassen! Mit Müllers gekröntem Daumen! Vielleicht noch ein paar Wimpel dazu. Und Teller.

Wäre doch gelacht, wenn die Fans das Zeug nicht ebenso hemmungslos shoppen wie die englischen Hochzeits-Devotionalien. Und sollte uns jemand fragen, warum die gekrönten Fürther Tassen so viel schicker sein werden als Will’s schütteres Haupt und Kates angestrengtes Lächeln – dann verweisen wir sanft auf Hamlet.

Der Rest ist Schweigen.