Rasten und Rollen

Michaeliskirchweih

Noch drei Mal schlafen. Dann beginnt endlich Fürths fünfte Jahreszeit. Zwischen Rathaus und Freiheit herrscht längst Trubel. Der Aufbau der Kärwa, die Einrichtung der Buden und die Installation der Fahrgeschäfte ist in vollem Gange. Die unermüdlichen Helfer nutzen gerade eine kurze Pause, um selbst einmal durchzuschnaufen. Den perfekten Platz dafür haben sie gefunden: Hier wird schon bald die “Rollende Metzgerei” dafür sorgen, dass auch die Kirchweihbesucher bei Kräften bleiben.

Die Häcksler legen los

Garten im Herbst

Gärtner sind glücklicher. Warum? Das verrät zum Beispiel Claudia Wendt in den Fürther Nachrichten: “Der Herbst ist gekommen und das Häckseln beginnt“. Die 54-Jährige hegt und pflegt eine  kreativ geplante Wohlfühlparzelle in der Fürther Kleingartenanlage “Sonnenhügel”. Insider sprechen von der Anlage übrigens als “Fürther Riviera”. Statt Badetücher und Pool-Liegen sind dort im Herbst allerdings eher Häcksler en vogue.

Alle Neune für einen

Marco Stiepermann

Einer für alle. Alle für einen. Ein Motto, mit dem es schon für die drei Musketiere prima gelaufen ist. Erstaunlicherweise waren die drei Haudegen in Wahrheit allerdings immer zu viert unterwegs. Ein Phänomen, das jetzt auch in Fürth zu bestaunen war. Sogar neun Mal tauchte die 23 von Kleeblatt-Neuzugang Marco Stiepermann in der Altstadt auf. Der Zehnte im Bunde hatte zuvor im Spiel gegen Kaiserslautern in der 57. Minuten mit seinem Tor den Ausgleich geschafft. Damit hat der 23-jährige Stiepermann nicht zuletzt sein ausgeprägtes Gefühl für das perfekte Timing bewiesen – immerhin waren seine Kumpels und die Familie im passenden Outfit extra aus Dortmund angereist und bekamen nun prompt Grund zu jubeln.

Die gut gelaunten Dortmunder bewiesen so übrigens gleich ihr Talent zum gönnen können. Die Borussia musste schließlich am Abend eine 0 : 2 Niederlage gegen Mainz hinnehmen. Feiern in Fürth wird da fast zu Balsam. . .

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Gelb geklebt an der Ronhofer Seenplatte

Ankleben verboten

Ist es nicht schön, wenn man nicht viele Worte machen muss, weil ein treffender Name alles sagt? Nehmen wir das Weinfest. Das ist zum Weinen. Umbenennung überflüssig. In Sachen Kino empfiehlt sich in Fürth derzeit freilich von Lichtspielhaus zu sprechen. Warum? Weil auf dem Grundstück für den geplanten Neubau in der Gebhardtstraße im Augenblick allenfalls Lichtspiele zu beobachten sind.

Eine Spur übereifrig erscheint dagegen der Aufkleber an jenem in jeder Beziehung eindeutigen Exemplar eines Fürther Briefkastens. Ankleben verboten? Einwerfen erlaubt? Geht klar.

Nicht ganz so offensichtlich ist dagegen die Lage nach dem wasserreichen Gewitter in der Alten Reutstraße. Erstaunlicherweise gewinnt hier der Begriff “Verkehrsinsel” eine ganz neue Bedeutung. g

Farblose Abende

Friedrichstraße res

Es ist vorbei. Und auf einmal sind die Abend so, nun ja, unverplant. Die Fahnen, die Nagellackflaschen in Schwarz, Rot und Gold, das können wir alles wegpacken. Nur Emil, der Dackel von gegenüber, flitzt noch immer stolz mit einem dreifarbigen Halsband rum. Weltmeister steht drauf. Nur so zur Erinnerung. Als wenn wir das vergessen könnten.

Bis es ab 2. August mit dem Kleeblatt wieder rund läuft, bleibt uns eigentlich nur eines übrig: Wir sorgen dafür, dass Emil was Hübsches in Weiß-Grün bekommt und lassen uns die Sonne ein bisschen auf den Kopf scheinen.

Die Dame in der Friedrichstraße macht vor, wie’s geht.

Guido und der Kartoffelsalat

Umfrage

Gut, dass wir nicht abergläubisch sind. Wir ziehen einfach nur zu jedem Spiel unserer Jungs dasselbe T-Shirt an, schmücken das Wohnzimmer mit dem alten Poster von Guido Buchwald (der hat schließlich 1990 im Finale Maradona so wunderbar entzaubert)  und verlangen, dass Wienerle mit Kartoffelsalat auf dem Tisch stehen. Dann wird alles gut. Weil das schon immer so war.

Eine Spur abergläubisch sind allenfalls die Statistiker, die zum Beispiel nachgerechnet haben, dass der vierte Stern bislang immer exakt 24 Jahre nach dem dritten errungen wurde (Italien, Brasilien).

Tipps, um dem Glück heute Nacht ein klein bisschen auf die Sprünge zu helfen, gibt es hier: “Augen zu, Glückskäppi auf und Daumen fest gedrückt”

Bestrickender Sommer

Kirchenplatz Fürth

Hurra. Es ist Sommer. Zweifel ausgeschlossen. Denn das Tier ist aufgetaucht. Nur zur Erinnerung. Zur warmen Jahreszeit gehört unabdingbar ein Lebewesen, das a) gefährlich und/oder niedlich ist. Vor allem aber b) für längere Zeit untertaucht. Wer erinnert sich nicht gerne an Kaiman Sammy oder Kuh Yvonne? Jetzt ist es wieder passiert. Im Dechsendorfer Weiher, genauer am südlichen Rand des Kleinen Bischofsweihers, ward eine Schnappschildkröte gesehen. Immerhin soll sie rund fünfzig Zentimeter groß sein.

Dass das flüchtige Biest mit der beeindruckenden Kauleiste prompt Suárez benannt wurde, wundert nicht. Die Würdigung des bissfesten WM-Spielers aus Uruguay war nachgerade zwingend. Verwunderlich dagegen, dass Fürth den Kürzeren zieht. Dabei ist am Kirchenplatz bereits vor einiger Zeit ein Wesen aufgetaucht, das bestrickenden Charme entwickelt. Seine Frisur spricht für sich. Wir werden es Jogi nennen.

Soll Suárez doch den Schnabel fletschen.

Lernen für Fans

G Fußball macht Schule. In der Grundschule am Kirchenplatz zum Beispiel. Da laufen auch Schulleiterin Claudia Meier-Niklis und Kollegin Regine Hofmann im perfekten Outfit im Klassenzimmer ein. Die Schülerinnen und Schüler achten auf Details. Nagellack in Schwarz-Rot-Gold wird von den kleinen Fans begeistert aufgenommen. Selbst der Stoff hat plötzlich etwas Spielerisches. “Wir haben immer einen Satz des Tages”, verrät Claudia Meier-Niklis. In der Deutsch-Lerngruppe von Regine Hofmann hieß der hoffnungsvoll zum Viertelfinale: “Heute schießt der Stürmer mit dem rechten Fuß den Ball in das Tor.”

Da sagen wir doch: Ja, bitte. Tu das.

Aber vorher bitte die Namenwörter unterstreichen. Mit Lineal.

Gemeinsam blöken tut gut

Katja

Manchmal muss es ein Feldversuch sein. Die Frage, ob sich Fußball mit Frauen besser guckt oder ob Männer in solchen Momenten lieber unter sich bleiben, ist jetzt für Fürth beantwortet: “Mädelsabend oder Männerrunde – Wer jubelt besser?”

Wie es aussieht, wenn Frau eine Fußballwette gewinnt, zeigt hier übrigens Katja Scharditzky. Die Wirtin des “Fifties Inn” in der Königstraße bewies Sachverstand und tippte richtig. Ein Punkt geht aber auch an die Männerrunde in der Bar. Die brachte die Frage nach der Geschlechterverteilung vor dem Fernseher auf einen treffsicheren Nenner: “Gemeinsam blöken tut gut.”

Illusionen mit Müller

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Es gibt Tage, da ist alles möglich. Da überlegt man ernsthaft, ob man den Sohn nicht umbenennen will, weil Müller plötzlich der einzig wahre Vorname zu sein scheint.

Bevor es dazu kommt, empfiehlt sich ein Blick in die Kofferfabrik in der Langen Straße. Da prangt die ultimative Ermahnung knapp über Augenhöhe und empfiehlt: „Use your Illusion too.“ Aufgewühlten Englischlehrern mag an dieser Stelle ein Kamillentee helfen, wir dagegen sind beeindruckt und übersetzen mit leichter Hand: „Gebrauche auch deine Einbildungskraft.“

Klingt jetzt nicht ganz so handlich (lenkt aber den Blick von den Guns N’Roses, die dem Titel vor ziemlich langer Zeit auch eine Chance gaben). Bilden wir uns also jetzt einfach mal ein, wir könnten in die Zukunft schauen. Und wir sehen – die Fürther Freiheit. Es ist der 13. Juli. Die Fürther feiern. . .

Müller ist ein schöner Vorname.