Fürth, wie es flaniert und telefoniert

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Heinrich Lotters Fotos sind ein Schatz – und immer für eine Überraschung gut. Zwischen 1900 und 1940 drückte er unzählige Male auf den Auslöser, während er durch Fürth flanierte. Seine Bilder sind heute im Stadtarchiv untergebracht. Auch die Aufnahme von den vier unternehmungslustigen Freundinnen, die nicht nur die blütenweiße Eleganz eines längst vergangenen Sommers vorführen, sondern beweisen, dass Fürth schon immer ganz weit vor lag. Oder hat die junge Frau rechts nicht etwa eindeutig ein Smartphone in der Hand, mit dem sie gerade telefoniert?

Ja. Schon gut. Kann gar nicht sein. Aber beweis‘ doch erst mal einer das Gegenteil.

 

Der Optimismus trug Orange

StadtmuseumEs war einmal eine Zeit, da freuten sich alle auf Post aus Fürth. Zweimal im Jahr erschien der Quelle-Katalog und verkündete nicht zuletzt, was modisch Sache war. Orange-kariert, zum Beispiel, oder Quietschgrün. In den 70ern scheute nachweislich keiner vor Farbe zurück. Der Mann von Welt legte sich den Hemdkragen lässig über die Schulter und machte sich zuvorkommend an der Jacke seiner Begleiterin zu schaffen.

„Erst mal sehen, was Quelle hat“ wurde 2009 schmerzlich Geschichte. Noch bis 14. Februar ist im Fürther Stadtmuseum die sehenswerte Sonderausstellung „Die Quelle – Fürther Versandhandel aus fünf Jahrzehnten“ geöffnet. An optimistischere Zeiten erinnert dort zum Beispiel eine Hör-Station mit dem Original-Quelle-Song, der 1993 für Kunden in der Telefon-Warteschleife abgespielt wurde: „Warum gibt es keinen Mann, den ich mir bestellen kann?“, fragt die Sängerin neckisch. Eine Jacken-Trägerin?

Bei dieser Nachfrage musste aber selbst die Versandhaus-Legende aus Fürth passen.

Foto: Hans-Joachim Winckler

Haarige Sache

Achtung FrisörWer aufgepasst hat, als die Verkehrszeichen dran kamen, der weiß sicher noch: Dreiecke mit rotem Rand weisen auf Gefahren hin. Das bringt uns zum Grübeln. Denn was will uns dieses ansprechend gestaltete Signal in der Fürther Friedrichstraße sagen?

Mit vermehrtem Haarflug ist zu rechnen? Achtung Punker, die Irokesenbürste wird gestutzt? Wir wissen es nicht, bleiben aber dran. . .

Foto: Hans-Joachim Winckler

Neues am laufenden Band

SimbaEs ist mal wieder kurz vor Spielwarenmesse. Bevor ab Mittwoch in Nürnberg die Puppen tanzen und die Teddys steppen, gab es in Fürth bei Simba Toys eine Präsentation der Neuheiten. Was hier, nun ja, wie am Schnürchen läuft, wird sich in der Nachbarstadt dem Fachpublikum vorstellen – wobei man über die Kennerschaft dieses Kreises wunderbar streiten könnte. Kinder dürfen die Messehallen nämlich nicht besuchen. Eine Regelung, die sicher pädagogisch als äußerst wertvoll gelten darf. Aber schade ist es irgendwie schon. Da ist das Schlaraffenland einmal so nah. . .

Foto: Hans-Joachim Winckler

Wer sieht die einsame Elsbeth?

160119_hjw_citycenter07Steht ein Zwergflusspferd allein am blauen Teich und wartet. . . klingt wie ein Witz, ist aber keiner. Elsbeth, so heißt das anmutige Bronzetier, ist einsam. Ein Gefühl, das sie mit dem City Center teilen mag. Wie es ist, verlassen zu sein, wissen wohl beide. Aber, so lehrt es das Lexikon, Zwergflusspferde sind passionierte Einzelgänger.

Was zwei Schlüsse zulässt. Erstens fühlt sich Elsbeth also möglicherweise sauwohl so ganz auf sich gestellt. Und zweitens? Täte dem City Center ein anderes Wappentier gut.

Foto: Hans-Joachim Winckler

Hauptsache von Pappe

andersherum denkenKleiner Test: Wohin gehören ausgediente Pappkartons? Korrekt, blaue Tonne ist eine gute Antwort. Aber: Bis 23. Januar gibt es in Fürth eine Alternative. Vor dem Stadttheater und am Drei-Herren-Brunnen in der Fußgängerzone wurden diese schmucken Kästen aufgestellt, die in diesen Tagen alles schlucken, was zuvor als Verpackungsschachtel für Nudeln, Waschmittel, Creme und Co. diente. Vorausgesetzt, das Ding ist von Pappe.

Dahinter steckt eine groß angelegte Aktion, an der sich in Fürth zum Beispiel Stadttheater und kunst galerie beteiligen. Unter dem Titel „Anders herum denken“ sollen im Großraum altgediente Ideen gegen den Strich gebürstet werden. Zahlreiche Impulse, Vorträge oder Aufführungen dienen dabei als Inspiration.

Was das mit den gesammelten Pappschachteln zu tun hat? Eine ganze Menge. Die Macher von „Anders herum denken“ wollen aus dem eingeworfenen Verpackungsmüll „Gesellschaftskunst“ machen. Wie das aussieht, kann ab 16. Januar in der kunst galerie fürth erforscht werden. Wer mag, darf sich dann sogar ein Ausstellungsstück einpacken. Der Preis dafür? Eine Idee oder ein Gedanke. Am liebsten frisch und unverbraucht.

Foto: Hans-Joachim Winckler

 

Küssen verboten

Prinz und PrinzessinWer hat eigentlich das Märchen in die Welt gesetzt, dass Frösche dank Küssen zu Prinzen werden können? Die Brüder Grimm waren es nicht. Bei denen wird die Prinzessin handgreiflich – und wirft die verwünschte Amphibie mit aller Kraft gegen die nächste Wand. Mit Erfolg übrigens.

Die Technik verbietet sich bei den gekrönten Häupter hier, die im Sozialkaufhaus in der Schickedanzstraße auf den nächsten fabelhaften Einsatz warten. Stichwort: akute Bruchgefahr. Leider scheinen sich die beiden Teichbewohner nicht recht grün zu sein.

Wetten, dass sie denkt: „Sei kein Frosch.“

Während ihm auf die Stirn geschrieben steht: „Ich mach‘ die Fliege.“

Märchenhaft ist anders.

 

Foto: Hans-Joachim Winckler

 

 

Gelassen ins neue Jahr

IMG_20151212_095822Gar nicht so einfach, in diesen Tagen bella Figura zu machen. Die üppige Weihnachtsdeko ist beinahe abgesungen und kurz davor, zurück in Schachteln und Kartons zu wandern. Die Gans, die Plätzchen und der Stollen liegen schwer im Magen.

Unser Held hier im Gebrauchtwarenhof in Bislohe hat sich für eine Verschnaufpause entschieden. Wie weise. Wir wissen  nicht, ob er auf seine Socken wartet. Oder auf einen schwungvollen Start ins neue Jahr. So oder so sind wir uns sicher: In Sachen Gelassenheit wird er uns 2016 ein Vorbild sein.

Foto: Marvin Rempe

Oh, Tannenbaum im Kreisverkehr

Weihnachtsbaum im KreisverkehrWas macht eine Tanne zum Christbaum? Der Schmuck? Die Länge? Oder der gute Wille? Wie auch immer. Wir erklären hiermit die Miniatur-Ausgabe, die den Kreisel an der Kreuzung Ronhofer Hauptstraße/Seeacker Straße schmückt, zum Weihnachtsbaum der Herzen. Immerhin zieren ihn nach letzter Zählung sechs daumengroße Kugeln. Der Kleine weckt außerdem Erinnerungen daran, dass es einst so etwas wie Schnee im Dezember gab.

Vor allem aber strahlt die Minimaldeko etwas ungemein Entspanntes aus. In diesem Sinne: Schöne Feiertage.

Foto: Hans-Joachim Winckler

 

 

 

 

Die Spur der Elche

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Wir vermuten mal ganz stark, dass kein Kind mehr von „Einer Muh, einer Mäh, einer Täterätätä“ träumt. Wenn doch – auf dem Mittelalter Markt auf der Fürther Freiheit gibt es Kundige, die können auf Anfrage wahrscheinlich jedem die Didgeridoo-Töne beibringen.

Doch während die meisten von uns noch leise „Morgen Kinder wird’s was geben“ summen, hat Gaby Wohlrab ihr ganz persönliches Weihnachts-Wunder-Geschenk bekommen. Die Fürther Fantasy-Autorin hat den zweiten Band ihrer Reihe fertiggestellt. Doch 500 Exemplare von „Eldorin – Der Erbe des Königreichs“ verschwanden auf dem Weg von der Druckerei in Dänemark nach Fürth spurlos. „Gesucht wurde sogar in Schweden“, sagt Gaby Wohlrab, der man wenig Hoffnung machte, dass die Bücher wieder auftauchen könnten. Doch genau das ist jetzt passiert.

Sie sind da. Mit langer Verspätung und – mit Abdrücken von Hufen auf einigen Titelseiten. Elche, vermutet die Autorin. Oder doch ein Gruß von Rudolf, dem rotnasigen Rentier?

Foto: Hans-Joachim Winckler

Eldorin – Der Erbe des Königreichs