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Rettet das Trubachtal

Idyllisch: Das Trubachtal zwischen Oberzaunsbach und Schweinthal. Rechts vom Bachlauf soll die Straße verlaufen, die weiter hinten die Trubach überqueren würde. Foto: Ulrich Graser
Die Auseinandersetzung um die neue Trubachtalbrücke bei Oberzaunsbach hat gerade erst begonnen. Sie könnte noch heftig werden (Bilderstory). Jahrelang schon diskutieren Kreisräte im Verkehrsausschuss über das Thema: Wie gehen wir mit der unangenehmen Tatsache um, dass die Kreisstraße zwischen Unter- und Oberzaunsbach immer maroder wird? Was tun mit der fast schon einsturzgefährdeten Brücke in Unterzaunsbach?
Weil Kreisräte keine Verkehrsplaner sind und auch keine sein können, hat das Landratsamt zwei Ingenieurbüros mit Planungen beauftragt: Macht euch mal Gedanken. Landrat Glauber hat sich im Gespräch mit mir vehement gegen den wohl von verschiedenen Seiten erhobenen Vorwurf gewehrt, da seien Gefälligkeitsgutachten erstellt worden. Das nehme ich ihm auch ab.
Ich stelle mir das eher so vor: Verkehrsplaner nehmen sich erst einmal Karten vor. Da zeichnen sie Striche ein. Dann gehen sie in die Landschaft (man hört aus dem Ort, dass da mal welche waren und gefragt haben, ob sie das Terrain betreten dürfen) und überprüfen, ob die Striche mit der Wirklichkeit in Deckung zu bringen sind. Dann rechnen sie die Kosten aus.
In den Gutachten, so weit sie dem Verkehrsausschuss vorgelegen haben, wurden auch die naturschutzfachlichen Argumente gegeneinander gestellt. Dabei fällt auf: Die nun beschlossene Variante schneidet in der Beurteilung der Lebensraumverluste von Tieren, beim Artenschutz von Fledermäusen und Vögeln, beim Vogelschutz nach Natura 2000 und in der Beschreibung der Beeinträchtigungen in Flora und Fauna durchweg schlechter ab als die Variante “Ausbau der bestehenden Kreisstraße” (Null-Variante). Das schreiben die Planer auch: “Bedingt durch ihre Lage innerhalb des FFH- und Vogelschutzgebietes sowie aufgrund der Notwendigkeit einer zusätzlichen Trubach-Querung wird Variante 3 jedoch höhere naturschutzfachliche Anforderungen an den technischen Entwurf stellen als die Nullvariante.” Unter dem Strich jedoch steht bei beiden Varianten: Genehmigungsfähigkeit erreichbar.
Diese letzten zwei Wörter, dazu die Prognose, dass die Variante 3 auch noch billiger komme, hat im Kreisverkehrsausschuss für die Politiker den Ausschlag für ihre Zustimmung gegeben. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ebensowenig kann ich nachvollziehen, dass die Einmündung der Kreisstraße bei der Brauerei Meister so gefährlich sein soll, wie der Landrat und einige Kreispolitiker meinen. Ich hatte als Autofahrer dort noch nie Schwierigkeiten. Wer schon brenzlige Situationen an dieser Stelle erlebt hat, möge sich bitte melden.
Und selbst wenn es so wäre, würde es sich aus meiner Sicht lohnen, einen anderen Ausweg zu suchen als den, eines der idyllischsten Fleckchen des Trubachtales mit einer Straße und Brücke zu verhunzen, dem Eisvogel die Jagdgründe zu beschneiden und die Talaue mit einem Asphaltband zu zerschneiden, mit allen Konsequenzen.
Am Montagabend im Gasthaus Hofmann in Oberzaunsbach war die Stimmung eindeutig. Kunststück. Der Bund Naturschutz hatte ja schon dazu eingeladen, eine Bürgerinitiative zu gründen, da wird schon keiner kommen, der anderer Meinung ist. Aber ich habe mich umgehört: Die Empörung über das Vorgehen ist wirklich riesig. Man muss das verstehen. Die uralte Straße zwischen Ober- und Unterzaunsbach würde einfach so gekappt, auf die Ebene eines Wirtschaftsweges herabgestuft, verengt und der Gemeinde zum Unterhalt überlassen. Ich soll ruhig schreiben, meinte ein älterer Herr, dass die landwirtschaftlichen Geräte, etwa die Mähdrescher, auch immer größer werden. Die kommen mit so einem kleinen Weg dann gar nicht mehr zurecht, sagte er.
Also: Aus Gründen des Natur- und Artenschutzes wie des Schutzes des einmaligen Landschaftsbildes verbietet sich aus meiner Sicht die Lösung mit der Talquerung. Es wäre ein weiterer Puzzlestein zur Verschandelung der Landschaft. Einer der nicht sein muss, weil die Argumente der Befürworter einfach nicht überzeugen. Mich jedenfalls nicht. Wer anderer Meinung ist, soll ruhig die Kommentarfunktion nutzen, ich bin gespannt.
Windräder führen zu seltsamen Frontstellungen
In der jüngsten Sitzung des Kreistages konnte der Beobachter beinahe glauben, am Forchheimer Streckerplatz müsse die Energiewende ganz Deutschlands entschieden werden. Dermaßen grundsätzlich war eine Reihe von Redebeiträgen angelegt. Dabei ergaben sich plötzlich ganz komische Konstellationen.
Was mir vor allem auffiel, auch schon in den vorausgehenden Ausschuss-Sitzungen: Die CSU im Landkreis steht nicht wirklich zur von oben ausgerufenen Energiewende. Oder sie steht vielleicht schon dazu, lässt aber ihren Fraktionssprecher Peter Eismann aus Eggolsheim so tun, als stünde sie nicht dazu. So genau lässt sich das nicht sagen. Eismann hat erkennbar riesige Probleme, den Bau von Windkraftanlagen an sich zu begrüßen.
Ich kann gut den Standpunkt nachvollziehen, der heißt: Bitte keine Windräder vor sensibler landschaftlicher Kulisse. Aber wer A sagt muss auch B sagen. Wer sich für diese Form des ästhetischen Landschaftsschutzes einsetzt, der muss auch bei anderer Gelegenheit konsequent bleiben. Zum Beispiel wenn es um die Zerstörung des Naturraums im Trubachtal bei Oberzaunsbach geht.
Wenn es um die Aufstellung von Windrädern geht, die zweifelsohne das Landschaftsbild verändern, haben Grüne, SPD und Freie Wähler keine oder nur wenige Bedenken. Sie ordnen das Landschaftsbild im Zweifel der übergeordneten Aufgabe “weg von der Atomkraft” unter. Die Vorgabe des Regionalen Planungsverbandes, Landschaftsschutzgebiete von Windrad-Standorten auszunehmen, ist als goldene Brücke zu sehen. Im Zweifelsfall zählt die Vorgabe der Staatsregierung aus CSU und FDP. Und die lautet: Bauanträge für Windräder in Landschaftsschutzgebieten sind im Einzelfall zu prüfen.
Auf der anderen Seite steht die CSU, die sich auf den Standpunkt stellt: In Bayern sind doch ohnehin schon so viele Windkraftstandorte beantragt worden, dass es auf uns gar nicht mehr ankommt. Also am besten wir weisen überhaupt keine Standorte aus. Und wenn es schon sein muss, dann nicht in Kasberg. Das ist, mit Verlaub, das St. Florians-Prinzip in reinster Form. Und mich stört ganz besonders, dass diese Argumentation auch aus dem Mund des Landtagsabgeordneten Eduard Nöth (CSU) kommt. Die von ihm getragene Staatsregierung, der von ihm gewählte Ministerpräsident hat die Energiewende zur Chefsache gemacht, hat die ehrgeizigsten Ziele ausgerufen, schilt die – auch von ihm getragene – Bundesregierung wegen ihrer angeblichen Untätigkeit in Sachen Energiewende. Und da stellt sich der Abgeordnete hin und sagt: Woanders wird genug getan, wir müssen doch gar nichts mehr machen.
Dieselben, die sich bei Windrädern um das Landschaftsbild sorgen, haben noch nie Einwände gegen die fußnägelaufstellenden 380-KV-Stromleitungen quer durch die Fränkische erhoben. Sie sehen kein Problem darin (auch die Freien Wähler übrigens nicht), den Talraum der Trubach bei Oberzaunsbach mit seinen höchst sensiblen Schutzräumen mit einer Straßenbrücke zu zerstören (Ausnahme: Michael Hofmann). Sie haben kein Problem damit, in Streitberg eine Teilfläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszulösen, damit sie zu Bauland gemacht werden kann (ebenfalls mit den Freien Wählern).
Speziell Peter Eismann wirkt in den Windkraft-Debatten, als wäre er nicht mit ganzem Herzen dabei. Windkraft ja, das muss ja irgendwie sein. Aber bitte doch erst einmal alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen… Dazu hält er angebliche Vertragsentwürfe in die Luft, die kein anderer kennt und raunt, hiermit würden 300 Meter hohe Windräder bei Kasberg gebaut. Was will er damit sagen? Wo sind die harten Fakten? Wo sind die Namen? Soll er doch die Karten auf den Tisch legen, dann kann man darüber diskutieren. Ich habe den Eindruck: Eismann argumentiert wie ferngesteuert. Als habe ihm jemand anderer das Manuskript geschrieben.
Noch eine komische Frontstellung: Die Grünen haben den Entwurf der Regionalplanung mit dem genannten Versuch einer Eingrenzung (nicht in Landschaftsschutzgebieten) akzeptiert. Hätten sie ihn abgelehnt, dann hätte es keine Mehrheit dafür gegeben. Aber in der vorausgehenden Ausschuss-Sitzung hatte Lisa Badum angedeutet, welche Haltung die Grünen eigentlich einnehmen: Wenn schon Windkraftanlagen, dann überall, im Ernstfall auch in Landschaftsschutzgebieten. Und hier stimmen sie zu 100 Prozent mit der Staatsregierung überein. O tempora, o mores!
Den Vogel abgeschossen hat der Stadt- und Kreisrat Peter Kaiser (JB). “Nur weil irgendwer irgendwann irgendeine Energiewende ausgerufen hat, müssen wir hier im Kreistag die Windräder abnicken”, sagte er wortwörtlich. Dazu werde er sich niemals hergeben. Erst neulich sei er in einer Gegend wandern gewesen, die neuerdings mit Windrädern verspargelt seien: Da gehe er nie wieder hin.
Der Meinung kann man sein. Aber mit Verlaub: Nicht irgendwer hat irgendwas willkürlich beschlossen. Sondern der Bundestag hat ein Gesetz gemacht, das sich in Paragraphen niederschlägt, zum Beispiel im Baugesetzbuch. Und darauf müssen die Kommunen reagieren, weil sie im Alltag damit konfrontiert werden, nämlich in Form von Bauanträgen. Kaiser hat mit seinen peinlichen Äußerungen in meinen Augen vor allem dokumentiert, dass er nicht gewillt ist, sich mit der Sache auseinanderzusetzen. Es ist ja auch so viel einfacher, das, was man nicht will, pauschal abzulehnen, unter Hinweis auf willkürliche Entscheidungen undefinierbarer Hinterleute…
Und eine letzte Anmerkung: Hut ab vor Hermann Greif aus Pinzberg. Der CSU-Kreisrat blieb konsequent. Er lehnte die Regionalplanung ab, weil er der Meinung ist: Die Energiewende muss von allen getragen werden. Nun ist Pinzberg mit der größten ausgewiesenen Vorrangfläche besonders betroffen. Mag sein, dass da auch dem Landwirt und oberfränkischen Bauernpräsidenten das Herz blutet. Aber seine Haltung ist nachvollziehbar: Nicht nur einige wenige sollen mit Windrädern beglückt werden, es sollte gar keine Ausnahmen geben.

Motorrad-Raser in der Fränkischen Schweiz: Berichten oder nicht?
Längst bekannt: Zwischen Hammerbühl und Geschwand wird vor allem am Wochenende gerast. Foto: Anestis Aslanidis
Die Zahl klingt unglaublich: 230 Kilometer pro Stunde seien auf der Strecke Hammerbühl-Geschwand schon möglich, hat ein Motorradfahrer dem Egloffsteiner Bürgermeister Stefan Förtsch erzählt. Einen Beweis sucht man nicht lange: Biker haben Videos von ihren Tempo-Touren ins Netz gestellt, auch besagte Straße ist mit dabei. In halsbrecherischer Geschwindigkeit rasen die Motorradfahrer die Strecke entlang, schneiden Kurven und überholen trotz Gegenverkehr.
Der Entscheidung, die Raserei in einem Artikel aufzugreifen, ging eine Diskussion in unserer Redaktion voran: Machen wir durch die Berichterstattung nicht noch mehr Biker auf “Deutschlands schönste Rennstrecke” – so formuliert es ein Anwohner – aufmerksam? Doch die Betroffenen, die direkt an der Straße wohnen, sind sich weitgehend einig: Die Strecke ist längst bekannt, deutschlandweit.
Alle Motorradfahrer an den Pranger zu stellen, darum geht es uns nicht. Der Großteil von ihnen fährt verantwortungsvoll und mit Rücksicht auf Wanderer und andere Verkehrsteilnehmer. Und die Faszination, die die Fränkische Schweiz auf die Biker ausübt, können wir nur allzu gut verstehen.
Ob ein Tempolimit die Situation an der Straße wirklich entschärft, ist fraglich. Wer sich nicht an 100 Kilometer pro Stunde hält, dem sind auch 70 egal. Gefordert ist vor allem die Polizei. Sie muss Mittel und Wege finden, die Raser zu stellen. Schon eine Polizei-Präsenz am Sonntagmorgen würde vielen von ihnen schnell den Spaß verderben.