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Im Kellerwald der Ahnungslosen
Es gibt einen Wald bei Forchheim, da findet das schönste Volksfest Frankens statt. Das behaupten ich jetzt hier mal, auch wenn die Erlanger müde lächeln mögen. Ich war auch schon auf dem Berg! Kann also mitreden. Außerhalb von den zehn tollen Tagen Annafest ist es der größte Biergarten Bayerns und das ist diesmal sogar belegbar. Mehr Sitzplätze pro Einwohner hat keine Stadt in Bayern – die meisten haben ja nicht mal einen ordentlichen Biergarten.
Forchheim hat aber rund 30 Keller und alle liegen nebeneinander. Das ist toll, da gehen aber auch alle Probleme los. Denn irgendwie tun sich die vielen kleinen Pächter – sagen wir mal – oft etwas schwer. Es soll seit Tagen angekündigte Schönwetter-Wochenenden geben – und trotzdem geht die Stadtwurst aus. Es soll Toiletten geben, die einem das “Wildpinkeln” recht nahe legen. Und es soll Gäste gegeben haben, die um 22.45 Uhr kein Bier mehr bekommen haben – angeblich weil es “die Stadt” nicht erlaube. Reiner Unsinn.
Die Folge: Die Forchheimer suchen in Scharen die Bierkeller der Umgebung auf. Um nicht in den Verdacht zu kommen, von denen ein Freibier rausholen zu wollen, werden keine Namen genannt. Aber ein Ausflug Richtung Westen zum Beispiel soll sich lohnen.
Da meckert der Bauausschuss des Stadtrates dann jüngst trefflich über die Zustände im Kellerwald bei einer Besichtigungstour. Dabei hat ungefähr die Hälfte der Räte und Rätinnen den Schwarzbauten beim Entstehen zugesehen – privat halt mit einem Seidla in der Hand.
Es ist wie immer in der Stadtpolitik Forchheims: Wo kein Konzept ist, da herrscht irgendwann Durcheinander. Das ist im Straßenverkehr der Innenstadt nicht anders als im Kellerwald. Gegen die Verhunzung der einmaligen Bierkeller der Stadt muss mutig vorgegangen werden. Den Mut kann man sich ja notfalls antrinken. Oder die Stadt setzt einfach die Satzung um, die sie selbst erlassen hat.
Dorferneuerung: Unangenehme Überraschung für die Anwohner

Weniger Asphalt, mehr Grün: Der Dorfplatz in Lilling in der Vision der Planer. Illustration: Stadtplanerin Brigitte Sesselmann
Für die Büger von Lilling und Sollenberg dürfte es eigentlich ein schöner Abend gewesen sein: Sie waren extra in den Gräfenberger Stadtrat gekommen, um den Stadtplanern und ihrer Vision von schöneren und vor allem grüneren Ortsteilen zu lauschen. Anschließend stimmten auch noch die Stadträte den Maßnahmen der lang geplanten Dorferneuerung zu. Die unangenehmen Entscheidungen fielen erst später – als von den interessierten Bürgern längst keiner mehr da war.
Die Stadt Gräfenberg, das ist bekannt, geht seit Jahren finanziell auf dem Zahnfleisch. Auch im nun beschlossenen Haushalt 2012 sind neue Kredite in einer Million Euro Höhe geplant. Große Sprünge sind da nicht möglich. Und dass eine Investition wie die Dorferneuerung, wenn sie auch stark bezuschusst wird, weh tut und notfalls auf den Prüfstand muss, ist nur verständlich.
So war es die SPD-Fraktion, die es – nach Vorstellung der geplanten Maßnahmen – auf sich nahm und die Kostenfrage stellte. “Wir stehen hinter der Dorferneuerung, aber diese Zahlen können wir nicht nachvollziehen“, so SPD-Rat Hans-Jürgen Nekolla. Gemeint waren die im Finanzplan vorgesehenen Ausgaben von 250 000 Euro im Jahr 2013 (davon würde die Hälfte über Ausbaubeiträge der Anwohner zurückfließen), 90 000 Euro im Jahr darauf und 50 000 Euro 2015. Bisher sei immer die Rede von 50 000 Euro im Jahr gewesen, so Nekolla. Die Bürger saßen zu diesem Zeitpunkt noch auf den Zuhörerbänken, eine Entscheidung im Rat über die finanziellen Aspekte blieb aber aus.
Erst in einem der letzten Tagesordnungspunkte, der Verabschiedung des Finanzplans, wurde die Debatte erneut entfacht. Aus Rücksicht auf die Finanzlage rang sich der Rat mit knapper Mehrheit dazu durch, die Kosten doch anders zu verteilen: 145 000 (2013) und zweimal 50 000 Euro stehen nun im Finanzplan. Die Dorferneuerung dauert deshalb länger als geplant.
Für die Bürger, die seit knapp zehn Jahren an den Plänen für ein schöneres Dorf mitarbeiten, dürfte das eine böse Überraschung sein. Über die Kosten in ihrer Anwesenheit zu entscheiden, wäre der elegantere Weg gewesen.
Paradeplatz: Nun entscheidet mal schön
Kommenden Montag wird es jetzt ganz echt und wirklich ernst mit dem Paradeplatz: Bau- und Planungsausschuss des Stadtrates werden im Rathaussaal zusammengetrommelt. Dort werden den Damen und Herren die allerletzten Pläne für die Neubebauung auf der südlichen Platzseite vorgestellt. Und entscheiden sollen sie dann sofort. Denn die Zeit drängt.
Komisch: Plötzlich drängt
Bratwurst, Gletscherspalte und Adventskalender
Wie geht es weiter mit Forchheim? Die positive Nachricht zuerst: Es geht immer weiter, irgendwie. Diejenigen, die sich professionell mit der Zukunft der Stadt beschäftigen, also Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, Kommunalpolitikerinnen und -politiker und Journalistinnen und -isten (hehe, das musste jetzt sein) entsprechen in ihren Diskussionen, Entscheidungen und Berichten nicht unbedingt dem, was der gemeine Forchheimer und die gemeine Forchheimerin denken. Aber das muss ja auch nicht sein, schließlich ist vor allem die Kommunalpolitik dazu da, die Weichen für eine gute Zukunft zu stellen. Wenn das Volk mitreden darf, umso besser.
Und jetzt zur weniger guten Nachricht: Die Stadträtinnen und -räte scheinen etwas rat-los geworden zu sein. Fast schon verzweifelt verlangen sie von der Beratungsagentur CIMA einen Hinweis darauf, was sie sich für Forchheim wünschen sollen. “Bitte, liebe Fachleute, sagt uns, was wir wollen sollen.” Das ist schon ein wenig putzig. Ich gebe dem CIMA-Manager Roland Wölfel recht, wenn er darauf antwortet: “Werdet euch erst einmal selbst klar darüber, was ihr für eure Stadt eigentlich wollt.”
Tja, was wollen die Stadtmütter und -väter? Da fällt ja wohl die Antwort je nach Klientel unterschiedlich aus. Dann ist noch in Betracht zu ziehen, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden (können). Zum Beispiel drehen die relevanten Textil-Magneten (ich kann das Wort Magnet schon lang nicht mehr hören!) der Stadt noch immer eine lange Nase. Und ob wirklich eine Stadthalle gebaut werden kann? Ich habe noch nichts von einem Betreiber mit einem schlüssigen, nachhaltigen Konzept gesehen, sondern nur Wünsche gehört.
Immerhin klar ist, dass die Alte Wache zum Nürnberger Bratwursthäusle umfunktioniert wird. Klar scheint zu sein, dass in der Nachbarschaft der südliche Paradeplatz eine Gletscherspaltenarchitektur erhalten soll. Obwohl: Ich glaub’s erst, wenn es steht. Gerade für diese prominente Brache mitten in der Stadt wurde schon so viel versprochen, dass allerhöchste Vorsicht geboten ist bei allen Verlautbarungen.
Klar ist auch: Der Adventskalender steht nicht zur Disposition. Da sind sich alle einig, auch ohne externe Berater. Immerhin.



Was im Königsbad getan werden muss
Das Foyer des Königsbads ist nicht geeignet für Sehbehinderte. Foto: Roland Huber
Der jährliche Check-up fürs Königsbad steht bevor. Von Montag, 10. bis Freitag, 21. September bleibt Forchheims köstliches Nass geschlossen. Inventur und Reparatur sind angesagt. Im Königsbad muss aber nicht nur aus-, sondern auch vieles nachgebessert werden.
Die Diskussion darüber,