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September 20th, 2012

Sperrmüll ist ein ganz heißes Eisen

Anlieferung von Abfällen an der Mülldeponie in Gosberg. Die abgebildeten Autos und ihre Besitzer haben nichts mit dem Thema Sperrmüll zu tun. Archivfoto: Roland Huber

Jetzt muss ich mich mal outen: Ich habe noch nie Sperrmüll privat an der Deponie Gosberg angeliefert. Wenn wir die Sperrmüllabfuhr bemühen, was gefühlt alle zwei Jahre der Fall ist, dann hat sich über die Zeit einiges angesammelt und irgendwann muss es dann halt mal weg. Noch nie war es so dringend, dass ich das Gerümpel ins Auto laden und sofort nach Gosberg hätte bringen müssen. Zumal mein Auto dafür auch gar nicht groß genug ist.

Aber ich gebe es gerne zu: Vielen geht es hier anders. Vor allem aus dem engeren Bereich rund um die Deponie. Die Bürger aus diesem Bezirk,  so hat der Landrat festgestellt, sind die Hauptsperrmülllieferanten. Die kostenlose Anlieferung von Sperrmüll besteht sowieso erst seit 2006. Damals hat der Landkreis von der regelmäßigen Straßenabfuhr umgestellt auf Abfuhr nach Bestellung. Aus meiner Sicht ein Segen. Jetzt liegen nicht mehr tagelang ganze Straßenzüge unter Sperrmüll begraben und die Spezies der Müllgogerer, die den Berg von Unrat um viele weitere Quadratmeter verbreiterten, scheint ausgestorben zu sein.

Der Landkreis hat sich damit in seiner Systematik anderen Kommunen angeschlossen, die schon lange umgestellt hatten. Forchheim ist aber trotzdem etwas Besonderes, wie in vergleichenden Artikeln in den Nordbayerischen Nachrichten vom 21. September nachzulesen ist. Zum Beispiel bei der jährlich erlaubten Sperrmüllmenge. Im Landkreis ERH werden jedem Haushalt zehn Kubikmeter zugestanden wie auch im Landkreis Bamberg, in der Stadt Erlangen gar 20 Kubikmeter.

Dagegen sind es im Landkreis Forchheim mickerige vier Kubikmeter jährlich. Mir reicht’s, wie gesagt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, regelmäßig mehr Sperrmüll anzuhäufen. Aber natürlich gibt es immer wieder Lebenslagen, in denen einfach mehr sperriger Müll anfällt oder in denen ein sperriges Trumm sofort entsorgt werden muss. Die Abfallwirtschaftler ärgern solche Kleinstlieferungen, vor allem wenn sich die Anlieferer auch noch beschweren oder sich nicht an die Regeln halten wollen, die unter anderem vorsehen, dass der Wagen wegen jedem einzelnen Stück gewogen werden muss.

Ehrlich gesagt wundere ich mich aber darüber, wenn sich die Abfallwirtschaftler, wie ebenfalls in der Zeitung wiedergegeben, darüber wundern, dass der Hauptliefertag der Samstag ist. Da haben halt nun mal die meisten frei und können sich der Entsorgungsfrage widmen. Vielleicht sollten die Lieferzeiten auf diese Realität umgestellt werden. Samstags wird nur von 9 bis 12 Uhr angenommen. Ist doch klar, dass es da zu Staus und damit zu Stress auf beiden Seiten kommt.

Sollte das Anliefern von Sperrmüll in Gosberg durch eine Gebühr unattraktiver gemacht werden? Das hat der Landrat jetzt vorgeschlagen, wie in der Freitags-Zeitung nachzulesen ist. Ich glaube ja nicht, dass sich viele davon abhalten lassen werden, trotzdem wegen jedem Trumm auf die Deponie zu fahren. Zahle ich halt meinen Fünfer (wie im Landkreis Bamberg für Mengen bis 100 Kilo) und gut is’. Wer so viel Geld hat, dass er für kleine Stücke Sperrmüll das Luxusgut Benzin verfahren kann, den schrecken fünf Euro überhaupt nicht. Und diejenigen, die unter dem Label “Sperrmüll” jeden möglichen Dreck günstig loswerden wollen, werden über eine geringe Gebühr ebenfalls nur lachen. Nein, ich glaube nicht, dass eine Regelung wie im Landkreis Bamberg das gewünschte Ziel wirklich erreichen kann. Aber die Bürger – die werden sich erst einmal ärgern, wenn sie davon hören. Ob sie nun selbst Sperrmüll nach Gosberg bringen oder nicht. Merke: (Sperr-)Müll ist, politisch gesehen, ein ganz heißes Eisen.

Februar 16th, 2012

Wie geht es weiter mit der Ortsumgehung von Gosberg?

Das ist die inzwischen veraltete Version der drei möglichen Umgehnungsvarianten der Südumgehung der B 470. Was kommt heute neu dazu?

Heute nachmittag schlägt für Gosberg eine weitere Stunde der Wahrheit: Rückt die Ortsumgehung, in welcher Form auch immer, ein Stück näher? Oder machen sich die Anlieger der Hauptstraße völlig vergebens Hoffnung auf ein wenig Entlastung?

Was auch immer das Staatliche Bauamt und der Staatssekretär Gerhard Eck ab 15.15 Uhr im Wiesenthauer Rathaus vorschlagen: Ein erheblicher Teil der davon betroffenen Bürger in Gosberg, Forchheim, Kirchehrenbach und Wiesenthau wird sich dagegen aussprechen.

Es ist schlicht nicht möglich, an dieser sensiblen Stelle des Naturraums Wiesenttal eine Bundesstraße oder auch nur eine Ortsumgehung so zu planen, dass alle zufrieden sind. Eine Bundesstraße durchs Wiesenttal wird niemals so gebaut werden, dass sie, wie von vielen Gosbergern gewünscht, “möglichst weit nach Forchheim” verschoben ist. Abgesehen davon, dass das ganze Projekt noch nicht einmal im vordringlichen Bedarf des Bundesfernstraßenplans aufgenommen ist: Bei heute kalkulierten Kosten von mindestens 22 Millionen Euro wird noch viel Wasser die Wiesent hinunterfließen, ehe ein Staatliches Bauamt den Planungsauftrag tatsächlich erhält.

In der Zwischenzeit können die Anlieger der Gosberger Hauptstraßen nur weiter stöhnen. Denn sie sind die Letzten, die von den Hunden gebissen werden. Wie mehrfach berichtet, sind sich die Gosberger selbst aber alles andere als einig, wie es am besten weitergehen sollte mit ihrem Umgehungsverkehr.

Das hellgrüne Band zeigt den Korridor für mögliche Trassen. Foto: Michael Müller

Nachtrag um 18.04 Uhr: In der Freitagsausgabe der Nordbayerischen Nachrichten steht der Bericht von der heutigen Besprechung der beteiligten Gemeindeoberhäupter in Wiesenthau. Auch eine Karte mit dem neuen Planungskorridor ist dort abgebildet. Es läuft auf eine Trassierung hinaus, die in etwa den oben gezeigten roten und orangefarbenen Linien entspricht, mit Unterschieden im Detail.

Dezember 20th, 2011

Für Gosberg gibt es keine einfache Lösung

Ortsdurchfahrt Gosberg: Die Proteste sind unübersehbar. Foto: Ulrich Graser

Forchheim, speziell der Stadtteil Burk, kann von Glück reden. Mit der Eröffnung der Westspange der so genannten Südumgehung hat insbesondere der Schwerlastverkehr aus Richtung Höchstadt die Möglichkeit, an Forchheim vorbei zu fahren. Gosberg, das 500-Seelendorf  ein paar Kilometer weiter östlich, kann davon weiter nur träumen.

Auf meinen Artikel von letzter Woche hin über die Situation in Gosberg haben sich einige Bürgerinnen telefonisch bei mir gemeldet. Das finde ich wichtig, wir haben uns auch gut unterhalten. Die Anrufer verstanden die Tendenz des Artikels als einseitig. Der Grund: Bei meinem Besuch in Gosberg und bei einigen Telefonanrufen mit relativ wahllos herausgegriffenen Ortsbewohnern machte ich die erstaunliche Erfahrung, dass keineswegs das gesamt Dorf hinter der Forderung steht, es müsse um jeden Preis eine Ortsumgehung her. Deswegen hatte ich geschrieben, dass durchaus nicht alle Gosberger eine Umgehungsstraße wünschen.

Die stärksten Befürworter der Umgehung wohnen natürlich an der Hauptdurchgangsstraße. Ihre Plakate kann nicht übersehen, wer dort entlangfährt. Ich habe nahezu alle abgelichtet und in eine Bildergalerie gestellt. Umso überraschter war ich, abweichende Meinungen zu hören. Diese werden aber jetzt von den Umgehungsbefürwortern zumindest kleingeredet als nicht besonders relevant.

Um das mal klarzustellen, und das habe ich auch den Anruferinnen gesagt: Ich kann jeden Anwohner der Hauptstraße verstehen, der gegen die wirklich unerträgliche Lärmbelastung protestiert und dafür Abhilfe fordert. Und ihr Argument wurde auch im kritisierten Artikel explizit angeführt. Aber die Vorstellung, es könnte tatsächlich eine Umgehungstrasse “möglichst weit in Richtung Forchheim” geben, halte ich ehrlich gesagt für verfehlt. Auf Forchheimer Flur sind mehrere Schutzgebiete ausgewiesen, vom Trinkwasser bis zu den Vögeln, da wird keine Bundesstraße entstehen. Und der nächste Vorschlag, eine Ortsumfahrung entlang der Bahntrasse, ist aus meiner Sicht genauso unrealistisch. Die dortigen Anwohner würden ihres Lebens nicht mehr froh und würden zurecht Sturm laufen dagegen.

Bleibt: Eine Trasse östlich von Gosberg, Richtung Dobenreuth – und die will auch niemand im Ort.

Deswegen sage ich: Eine einfache Lösung per Umgehungsstraße wird es nicht geben, schon gar nicht in absehbarer Zeit (denn das darf man nicht vergessen: Geld ist keines vorhanden im Staatssäckel).

Was statt dessen not tut ist, dass sich alle Beteiligten mal zusammenraufen und überlegen, was grundsätzlich anders gemacht werden könnte. Da müssen neue Verkehrskonzepte auf den Tisch. Ich habe keine Patentlösung. Aber ich finde den Weg über Gosberg in die Fränkische schon heute wegen der vielen Kurven einfach unattraktiv. Also sollten halt noch weitere Schikanen eingebaut werden, um all diejenigen möglichst fernzuhalten, die die Gosberger nicht am Ort haben wollen. Klar ist ja auch, dass es solchen und solchen Verkehr gibt in Gosberg: Denjenigen, der in den Läden und Wirtshäusern anhält und Geld da lässt, und denjenigen, für den die Strecke sozusagen auf dem Weg liegt. Eine deutliche Reduzierung der Verkehrsbelastung ist nur zu erreichen, wenn der unnötige Verkehr herausgehalten wird aus dem Ort. Und da vermisse ich bisher von allen Seiten konkrete und praktikable Vorschläge.

Dezember 8th, 2011

Südumgehung: Fluch oder Segen?

Blick aus Richtung Hausen auf Forchheim-Süd über die Brücke und das Spargelfeld hinweg. Foto: Irene Lenk

Ich wohne seit 20 Jahren in Forchheim und bin seit vielen Jahren als Lokaljournalist professioneller Beobachter der  Diskussion über die Südumgehung. In den 90er Jahren ging die Initiative für die Umleitung der Bundesstraße 470 vor allem von Forchheim aus, besonders von einer Bürgerinitiative, die ihre Basis im westlichen Stadtteil Burk hatte.

Über viele Jahre wurde der Südumgehung keine Chance gegeben. Denn sie war immer