Posts Tagged ‘Fränkische Schweiz’

Januar 15th, 2013

Ein Igensdorfer mit EBSer Kennzeichen: super!

Egal wo du wohnst, du kannst dein Kennzeichen aus verschiedenen Alternativen wählen. Foto: dpa

Die “Liberalisierung” der Vergabe von Autokennzeichen ist einfach spitze. Ich weiß gar nicht, wie ich Bund und Land ausreichend danken soll. Es ist doch einfach spitzenklasse, dass ein Ebermannstädter sein Auto nun wieder als Auto aus EBS kennzeichnen kann. Mal abgesehen von den drei Buchstaben und dem damit zusammenhängenden, natürlich völlig vorurteilsbeladenen und nicht zutreffenden Ruf: Ist sie nicht superduper, diese Re-Regionalisierung? Diese lokale Identität, diese kfz-technische Selbstvergewisserung der eigenen Herkunft?

Obwohl, so eindeutig ist die Sache dann doch nicht. Wenn ich einem EBS auf der Straße begegne, kann ich gar nicht sicher sein, dass die Karosse wirklich aus EBS kommt. Könnte auch ein Hollfelder sein, oder ein Heiligenstadter, ein Waischenfelder oder – horribile dictu!, wie die Lateiner gerne sagen – ein Igensdorfer. Ja, richtig, ein Igensdorfer. Vielleicht auch ein Eggolsheimer. Denn egal wo du wohnst: Wenn ein Landkreis beschlossen hat, alle Kennzeichen auszugeben, die es früher mal auf seinem heutigen Kreisgebiet gegeben hat, dann kannst du wohnen wo du willst und dir trotzdem aufs Auto ein Wunschkennzeichen montieren lassen.

Ein Igensdorfer fährt dann vielleicht EBS spazieren, weil ihm das Wiesentstädtchen gefällt. Ein Großengseer, also für die Jüngeren: ein Bewohner des Ortes Großengsee (mit Strahlenfels, St. Helena und Unternaifermühle), ehemals Landkreis Forchheim, jetzt Nürnberger Land – also ein Großengseer könnte mit FO glücklich werden, ein Wichsensteiner mit PEG, mit EBS oder vielleicht doch mit FO, ganz wie es ihm/ihr gefällt.

So sieht sie also aus. Die große Verwaltungs- und Gebietsreform der 70er Jahre. Willkommen zurück in der Kleinstaaterei. Schon streben ja auch viele Gemeinden aus den Verwaltungsgemeinschaften mit ihren Nachbarorten heraus, weil ihnen die schon im Dreißigjährigen Krieg nicht gepasst haben. Da will ich jetzt auch wieder hin, im globalen Maßstab aber. Her mit den Kleinststaaten, Rittergütern und Fürstbistümern. Und jeder Ministaat, und sei er nicht größer als ein Ponyhof, bekommt sein eigenes Kennzeichen, jawoll!

Oktober 18th, 2012

Tatort: Mord in den Kasematten?

Der Franken-Tatort kommt - nur wo spielt er? Fotos: WDR, Linke, Schnackig

Der Franken-Tatort kommt - nur wo spielt er? Fotos: WDR, Linke, Schnackig

Noch ist Zeit für Träumereien: Der Franken-Tatort kommt, so viel ist klar. Aber wo er stattfindet und wer als Kommissar ermittelt, das alles steht nicht fest. Viele Forchheimer lassen ihrer Fantasie deshalb freien Lauf. Mord an einer Erlanger Kunsthistorie-Studentin, die einem alten Geheimnis in den Forchheimer Kasematten auf der Spur ist? Hausmeister Nullinger oder Horst Kummeth als Kommissar? Das alles wird vorgeschlagen. Haben auch Sie eine kreative Idee für Spielort, Schauspieler oder Handlung?

In der Redaktion freuen wir uns auf Ihre Antworten – ob als Kommentar unter diesen Blog-Eintrag oder per E-Mail an nn-forchheim-redaktion@pressenetz.de. Die besten Ideen veröffentlichen wir in einem Artikel in der Printausgabe der Nordbayerischen Nachrichten.

Juli 26th, 2012

Qualitätsoffensive in der vermeintlichen “Billigregion”

Fränkische Idylle auf dem Keller: zu billig? Foto: Günter Distler

Update: Die Diskussion geht weiter, in allen Medien: In der Zeitung, im Video, im Fernsehen.

 

Seit gut einem halben Jahr amtiert Sandra Schneider als Chefin der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz. Von Anfang an hat sie keinen Zweifel daran gelassen, was sie mit dieser unserer Region erreichen will: mehr Qualität durch mehr Investition. Woher soll das Geld für die Investition kommen? Genau: Durch höhere Preise. Höhere Preise lassen sich aber nur durchsetzen, wenn man höhere Qualität bietet. Und so weiter.

Das ist alles also nicht neu. Der öffentliche Aufschrei ließ ziemlich lange auf sich warten. Erst als unsere Mitarbeiterin Stefanie Hattel aus der Versammlung des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz einige der provokativ gemeinten Aussagen Schneiders zitierte, fiel es dem breiteren Publikum

Mai 2nd, 2012

Die Bayreuther Straße: eine verkannte Entwicklungsachse

Diese Aufnahme von 2008 ist eigentlich schon wieder veraltet, so schnell verändert sich Forchheim, gerade hier in der Bayreuther Straße. Foto: Irene Lenk

Eine der wichtigsten Straßen Forchheims, die Bayreuther Straße, ist aus meiner Sicht in den letzten Jahren etwas aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Geredet und gestritten wird über Gewerbegebiete im Süden, bei Kersbach und sonstwo. Über Baugebiete in Burk, in Buckenhofen, in Kersbach. Über neue Stadtviertel mitten in der Stadt. Über den abgerissenen Kindergarten Sattlertor, das Hallenbad, das Krankenhaus…

Dabei tut sich am östlichen Aus- und Einfallstor ebenfalls seit Jahren eine Menge. Nicht nur entstehen auch hier kleinere und größere Bau- und Gewerbegebiete links und rechts der großen Magistrale. Hier gebaut wurde auch der Montessori-Kindergarten. Das “Atrium” genannte Gewerbe- und Bürozentrum auf dem ehemaligen Kreul-Gelände. Die neue Autowaschanlage (na ja, was ein Fortschritt…). Hier verschwindet ebenfalls ein Kindergarten, nämlich der von St. Johannis.  Und und und…

Außerdem quälen sich hier, auf dem der Stadt verbliebenen Ast der B 470, täglich zigtausende Autofahrer durch. Und Busse. Und jetzt kommt’s: Immer wieder ignorieren Busfahrer, die in der Früh aus der Fränkischen Schweiz hereinkommen, vollbepackt mit Schülerinnen und Schülern, die ganz normalen Fahrgäste an Haltestellen in der Bayreuther Straße. Fahren einfach vorbei. Trotz Winkens. Da kommt dann schon mal ein erboster Anruf oder eine not amusede Mail beim Nahverkehrsplaner des Landkreises an. Der sagt Besserung zu und tatsächlich funktioniert es wieder eine Weile. Dann wieder dasselbe Spiel. Ärgerlich, wenn man auf die Zug-Verbindung in den Ballungsraum angewiesen ist. Ob der Busfahrer daran denkt?

Oder die Stadtbusse, die zu manchen Zeiten (jetzt im Sommer natürlich nicht) so voll sind mit Mädels und Jungs, dass Mama und Papa angst und bang wird, ihre Kleinen noch mitfahren zu lassen. Ist die Sorge übertrieben? Wir in der NN-Redaktion bekommen zu beiden Problemen immer wieder Anrufe und Mails. Nicht alles findet den Weg in die Zeitung und manches lässt sich auch durch einige Telefonanrufe bei Entscheidungsträgern klären. Aber in der Summe bleibt der Eindruck: In der Bayreuher Straße staut sich was an.

März 7th, 2012

Der Nandu könnte der beste Freund der Fränkischen werden

Ein Nandupärchen im Münchner Zoo Hellabrunn. Auch in Neunkirchen werden die südamerikanischen Vögel gehalten. Eine gute Idee?

Ein Nandupärchen im Münchner Zoo Hellabrunn. Auch in Neunkirchen werden die südamerikanischen Vögel gehalten. Eine gute Idee?

Im Landkreis Forchheim ist der Winterschlaf beendet: Ich wache auf, weil Amsel, Fink und Lerche den Frühling herbeizwitschern. Während der Kaffee durch die Maschine läuft, überlege ich mir, ob nicht bald die ersten Störche in Forchheim oder Ebermannstadt ihre Horste in Besitz nehmen.  Ein Blick in die Zeitung: Nandus laufen im Raum  Neunkirchen um die Wette und werden von einem Emu-Besitzer eingefangen. Nandus? Emus? Tanzen die Synapsen gerade Cha-Cha-Cha in meinem Gehirn?

Eigentlich gehören die Laufvögel

Februar 8th, 2012

“Der dudd nix, der will bloß schbilln”

Bestimmt ein ganz lieber Hund, hier im Jahr 2006 im Tierheim Nürnberg. Foto: Stefan Hippel

Kennen Sie das auch? Sie spazieren nichts Böses denkend am Kanal entlang, oder durch den Wald oder durch den Stadtpark, oder auf einem Weg in der Fränkischen Schweiz, vielleicht mit kleinen Kindern im Schlepptau, und von weitem sehen Sie schon, dass sich ein größerer Hund nähert. Oder auch ein kleinerer, vielleicht mit nicht gerade süßem Aussehen. Der Hundehalter hält seinen Hund nicht, sondern lässt ihn frei laufen, auf Sie und Ihre Kinder zu…

In dieser Situation heißt es:

Dezember 20th, 2011

Für Gosberg gibt es keine einfache Lösung

Ortsdurchfahrt Gosberg: Die Proteste sind unübersehbar. Foto: Ulrich Graser

Forchheim, speziell der Stadtteil Burk, kann von Glück reden. Mit der Eröffnung der Westspange der so genannten Südumgehung hat insbesondere der Schwerlastverkehr aus Richtung Höchstadt die Möglichkeit, an Forchheim vorbei zu fahren. Gosberg, das 500-Seelendorf  ein paar Kilometer weiter östlich, kann davon weiter nur träumen.

Auf meinen Artikel von letzter Woche hin über die Situation in Gosberg haben sich einige Bürgerinnen telefonisch bei mir gemeldet. Das finde ich wichtig, wir haben uns auch gut unterhalten. Die Anrufer verstanden die Tendenz des Artikels als einseitig. Der Grund: Bei meinem Besuch in Gosberg und bei einigen Telefonanrufen mit relativ wahllos herausgegriffenen Ortsbewohnern machte ich die erstaunliche Erfahrung, dass keineswegs das gesamt Dorf hinter der Forderung steht, es müsse um jeden Preis eine Ortsumgehung her. Deswegen hatte ich geschrieben, dass durchaus nicht alle Gosberger eine Umgehungsstraße wünschen.

Die stärksten Befürworter der Umgehung wohnen natürlich an der Hauptdurchgangsstraße. Ihre Plakate kann nicht übersehen, wer dort entlangfährt. Ich habe nahezu alle abgelichtet und in eine Bildergalerie gestellt. Umso überraschter war ich, abweichende Meinungen zu hören. Diese werden aber jetzt von den Umgehungsbefürwortern zumindest kleingeredet als nicht besonders relevant.

Um das mal klarzustellen, und das habe ich auch den Anruferinnen gesagt: Ich kann jeden Anwohner der Hauptstraße verstehen, der gegen die wirklich unerträgliche Lärmbelastung protestiert und dafür Abhilfe fordert. Und ihr Argument wurde auch im kritisierten Artikel explizit angeführt. Aber die Vorstellung, es könnte tatsächlich eine Umgehungstrasse “möglichst weit in Richtung Forchheim” geben, halte ich ehrlich gesagt für verfehlt. Auf Forchheimer Flur sind mehrere Schutzgebiete ausgewiesen, vom Trinkwasser bis zu den Vögeln, da wird keine Bundesstraße entstehen. Und der nächste Vorschlag, eine Ortsumfahrung entlang der Bahntrasse, ist aus meiner Sicht genauso unrealistisch. Die dortigen Anwohner würden ihres Lebens nicht mehr froh und würden zurecht Sturm laufen dagegen.

Bleibt: Eine Trasse östlich von Gosberg, Richtung Dobenreuth – und die will auch niemand im Ort.

Deswegen sage ich: Eine einfache Lösung per Umgehungsstraße wird es nicht geben, schon gar nicht in absehbarer Zeit (denn das darf man nicht vergessen: Geld ist keines vorhanden im Staatssäckel).

Was statt dessen not tut ist, dass sich alle Beteiligten mal zusammenraufen und überlegen, was grundsätzlich anders gemacht werden könnte. Da müssen neue Verkehrskonzepte auf den Tisch. Ich habe keine Patentlösung. Aber ich finde den Weg über Gosberg in die Fränkische schon heute wegen der vielen Kurven einfach unattraktiv. Also sollten halt noch weitere Schikanen eingebaut werden, um all diejenigen möglichst fernzuhalten, die die Gosberger nicht am Ort haben wollen. Klar ist ja auch, dass es solchen und solchen Verkehr gibt in Gosberg: Denjenigen, der in den Läden und Wirtshäusern anhält und Geld da lässt, und denjenigen, für den die Strecke sozusagen auf dem Weg liegt. Eine deutliche Reduzierung der Verkehrsbelastung ist nur zu erreichen, wenn der unnötige Verkehr herausgehalten wird aus dem Ort. Und da vermisse ich bisher von allen Seiten konkrete und praktikable Vorschläge.