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In die Alte Wache ziehen bald die kleinen Nürnberger ein

Nach einem größeren Umbau werden in der Alten Wache am Paradeplatz Nürnberger Bratwürste verkauft. Foto: Beke Maisch
Als wir vor einigen Wochen darüber berichteten, dass die Nürnberger Tucher-Bräu das Rennen gemacht hat und demnächst in der Alten Wache am Forchheimer Paradeplatz Nürnberger Bratwürste verkaufen wird, da hagelte es auf der Online-Plattform einige hämische Kommentare aus hiesigen Landen.
Zum einen über die Nürnberger, ihr Bier und ihre Bratwürste. Zum anderen aber auch über die Forchheimer Brauer, die nicht auf die Ausschreibung zur Übernahme der Lokalität reagiert hätten. Nun ja. Wenn man jetzt hört, dass Stadt und Tucher eine gute halbe Million in die Hand nehmen, um das Innenleben des alten Gemäusers zeitgeisttauglich zu machen, da kann man sich schon fragen: Hätte irgendein Forchheimer Brauer so viel vorfinanzieren können?
Wir werden es nie erfahren, denn hinter die Mauern der Brauer, direkt in die Kassen, lässt sich schlecht schauen. Aber wagen wir doch mal ein Gedankenspiel: Eine Brauerei, aus Forchheim oder der näheren Umgebung – da gibt es ja genug – tut sich mit einem ortsansässigen Metzger zusammen. Dann nehmen die zwei noch einen Bäcker von hier ins Boot und überlegen sich einen gemeinsamen Plan: Wir verkaufen in bester Lage Bratwürste, Bier und noch was ganz Besonderes. Wir vermarkten die Genuss-Region Forchheim mit Hilfe von Gerstensaft, Teig- und Wurstwaren, nehmen noch etwas modern-vegetarisch-exotisches dazu, vielleicht auch noch Fruchtsäfte aus der Region, und gründen im Herzen der Stadt ein lokales Joint Venture.
Gut, wir sind hier in Forchheim, das muss berücksichtigen, wer von Kooperationen spricht. Aber mal ganz ehrlich: Die Kreativität ist da, man muss sie nur wecken wollen. Das Kapital ist nicht das größte Problem, da werden hierzulande ganz andere Klötze gebaut und Geschäfte betrieben. Nur wollen und wagen muss man es halt und die Stadt muss auch das Ihre dazu tun, damit alle an einem Strang ziehen.
Aber jetzt ist die Chance gegessen. Nun macht es halt die Tucher-Bräu. Muss ja nicht schlecht sein. Gegen Nürnberger Bratwürste ist nichts einzuwenden. Wird schon was werden. Viel Glück.
Im Kellerwald der Ahnungslosen
Besichtigung des Bauausschusses im Kellerwald. Foto: Ulrich Graser
Es gibt einen Wald bei Forchheim, da findet das schönste Volksfest Frankens statt. Das behaupten ich jetzt hier mal, auch wenn die Erlanger müde lächeln mögen. Ich war auch schon auf dem Berg! Kann also mitreden. Außerhalb von den zehn tollen Tagen Annafest ist es der größte Biergarten Bayerns und das ist diesmal sogar belegbar. Mehr Sitzplätze pro Einwohner hat keine Stadt in Bayern – die meisten haben ja nicht mal einen ordentlichen Biergarten.
Forchheim hat aber rund 30 Keller und alle liegen nebeneinander. Das ist toll, da gehen aber auch alle Probleme los. Denn irgendwie tun sich die vielen kleinen Pächter – sagen wir mal – oft etwas schwer. Es soll seit Tagen angekündigte Schönwetter-Wochenenden geben – und trotzdem geht die Stadtwurst aus. Es soll Toiletten geben, die einem das “Wildpinkeln” recht nahe legen. Und es soll Gäste gegeben haben, die um 22.45 Uhr kein Bier mehr bekommen haben – angeblich weil es “die Stadt” nicht erlaube. Reiner Unsinn.
Die Folge: Die Forchheimer suchen in Scharen die Bierkeller der Umgebung auf. Um nicht in den Verdacht zu kommen, von denen ein Freibier rausholen zu wollen, werden keine Namen genannt. Aber ein Ausflug Richtung Westen zum Beispiel soll sich lohnen.
Da meckert der Bauausschuss des Stadtrates dann jüngst trefflich über die Zustände im Kellerwald bei einer Besichtigungstour. Dabei hat ungefähr die Hälfte der Räte und Rätinnen den Schwarzbauten beim Entstehen zugesehen – privat halt mit einem Seidla in der Hand.
Es ist wie immer in der Stadtpolitik Forchheims: Wo kein Konzept ist, da herrscht irgendwann Durcheinander. Das ist im Straßenverkehr der Innenstadt nicht anders als im Kellerwald. Gegen die Verhunzung der einmaligen Bierkeller der Stadt muss mutig vorgegangen werden. Den Mut kann man sich ja notfalls antrinken. Oder die Stadt setzt einfach die Satzung um, die sie selbst erlassen hat.