Archiv der Kategorie ‘Ebermannstadt’
So einfach wie ein Handyvertrag

Dies ist noch die reguläre zehnte Klasse - eine "Einführungsklasse" am Gymnasium Fränkische Schweiz ist geplant. Foto: Ralf Rödel
Und da dachte man immer es sei schwierig, einen passenden Handy-Vertrag zu finden. Die Wahl des richtigen Schultypus ist für Eltern und für Kinder eine enorme Herausforderung. Wobei von Letztgenannten, gerade dem Grundschulalter entwachsen, noch gar keine vernünftige Entscheidung zu erwarten ist. “Ich will dahin, wo mein Freund Lukas auch hingeht”, heißt es da. Oder diese Schule wird gegenüber jener bevorzugt, weil da doch das Mittagessen besser ist.
Und bei den Eltern vertiefen sich derweil die Sorgenfalten weil man doch das Beste für sein Kind will. Aber was zum Geier ist das bloß? Verzweiflung macht sich breit. Es geht doch um die Zukunft unserer Kinder, die uns gegenwärtig am wichtigsten zu sein scheint.
Nach der Schulzeit ist man schlauer. “Meine Eltern hätten mich eigentlich aufs Gymnasium schicken müssen.” Oder: “Ich war nie ein Gymnasiast. Meine praktischen Fähigkeiten wären auf der Realschule viel besser zur Geltung gekommen.” Ein Kind an der falschen Schule – und sei sie noch so gut - kann ins Stolpern kommen, als laufe es mit schlecht sitzenden Schuhen durch die Gegend.
Da aber vorher keiner weiß, wie sich das Kind entwickelt, wo die Stärken und Schwächen liegen, ist es doch zu begrüßen, wenn der Umstieg erleichtert wird. Die Einführungsklasse, wie sie jetzt am Forchheimer Herder-Gymnasium und am Gymnasium Fränkische Schweiz in Ebermannstadt kommen soll, ist da als Mittel geeignet. Auch um den Druck aus den Grundschulen rauszunehmen, wo besorgte Eltern sich mit Mitte der ersten Klasse fragen, ob es wohl fürs Gymnasium reichen wird. Weniger Sackgassen, mehr Abzweigungen bringen Entspannung. Im Idealfall ist der Wechsel dann so einfach wie bei einem Handy-Vertrag . . .
Und noch einen Supermarkt?
Seit Monaten wird das geplante Bauvorhaben für einen neuen Einkaufsmarkt am Stadtrand von Ebermannstadt heiß diskutiert. Der Stadtrat hat die Pläne zwar mit großer Mehrheit abgesegnet, doch viele Bürgerinnen und Bürger halten das Bauprojekt, das im Gebiet Frühwiesen entstehen soll, schlichtweg für überflüssig. “Wir haben doch schon vier Supermärkte und damit genug Einkaufsmöglichkeiten”, sagten die meisten Leute, als ich eine Umfrage zu dem Thema machte. Und in der Tat: Die bestehenden Supermärkte Aldi, Rewe, Netto und Penny, dazu noch einige Metzger und Bäcker sollten doch genügend Waren und Auswahl haben, um die rund 6800 Einwohner der Stadt versorgen zu können.
Doch Bürgermeister Franz Josef Kraus und ein Großteil der Stadträte fürchten, dass die Verbraucher ihr Geld zum Globus nach Forchheim tragen, wenn nicht auch noch am westlichen Stadtrand ein weiterer Vollsortimenter die Kunden anlockt. Außerdem wäre der neue Supermarkt auch zur Nahversorgung der Bürger im Baugebiet Diesbrunnen und in Rüssenbach und Niedermirsberg notwendig, finden sie. Wichtig ist ihnen ferner, dass Edeka als Supermarkt-Betreiber, der Stadt künftig eine Pacht von über 60 000 Euro pro Jahr zahlen wird. Geld, was die Stadt dringend unbestritten brauchen kann.
Doch soll man deswegen die Natur am Stadtrand opfern? Denn eines ist sicher: Was einmal planiert und zugebaut ist, wird nie mehr grüne Wiese. Naturschützer klagen daher, dass der Neubau des Supermarktes die Landschaft zerstöre, den Ortseingang verschandele und viel Kaufkraft aus der Innenstadt, in der sowieso schon viele Läden leer stehen, abziehe. Gemeinsam mit Geschäftsleuten und Anwohnern hat der örtliche Bund Naturschutz (BN) Ende des Jahres genügend Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt, so dass nun die Bewohner der Stadt bei einem Bürgerentscheid am 29. Januar selbst über das umstrittene Bauprojekt entscheiden können.
Ich hoffe nun, dass die Frauen und Männer aus Ebermannstadt dieses urdemokratische Instrument auch wirklich nutzen und ihre Stimme für oder eben auch gegen das Supermarkt-Projekt abgeben. Das Ergebnis müssen dann alle Seiten respektieren.

Ein Igensdorfer mit EBSer Kennzeichen: super!
Egal wo du wohnst, du kannst dein Kennzeichen aus verschiedenen Alternativen wählen. Foto: dpa
Die “Liberalisierung” der Vergabe von Autokennzeichen ist einfach spitze. Ich weiß gar nicht, wie ich Bund und Land ausreichend danken soll. Es ist doch einfach spitzenklasse, dass ein Ebermannstädter sein Auto nun wieder als Auto aus EBS kennzeichnen kann. Mal abgesehen von den drei Buchstaben und dem damit zusammenhängenden, natürlich völlig vorurteilsbeladenen und nicht zutreffenden Ruf: Ist sie nicht superduper, diese Re-Regionalisierung? Diese lokale Identität, diese kfz-technische Selbstvergewisserung der eigenen Herkunft?
Obwohl, so eindeutig ist die Sache dann doch nicht. Wenn ich einem EBS auf der Straße begegne, kann ich gar nicht sicher sein, dass die Karosse wirklich aus EBS kommt. Könnte auch ein Hollfelder sein, oder ein Heiligenstadter, ein Waischenfelder oder – horribile dictu!, wie die Lateiner gerne sagen – ein Igensdorfer. Ja, richtig, ein Igensdorfer. Vielleicht auch ein Eggolsheimer. Denn egal wo du wohnst: Wenn ein Landkreis beschlossen hat, alle Kennzeichen auszugeben, die es früher mal auf seinem heutigen Kreisgebiet gegeben hat, dann kannst du wohnen wo du willst und dir trotzdem aufs Auto ein Wunschkennzeichen montieren lassen.
Ein Igensdorfer fährt dann vielleicht EBS spazieren, weil ihm das Wiesentstädtchen gefällt. Ein Großengseer, also für die Jüngeren: ein Bewohner des Ortes Großengsee (mit Strahlenfels, St. Helena und Unternaifermühle), ehemals Landkreis Forchheim, jetzt Nürnberger Land – also ein Großengseer könnte mit FO glücklich werden, ein Wichsensteiner mit PEG, mit EBS oder vielleicht doch mit FO, ganz wie es ihm/ihr gefällt.
So sieht sie also aus. Die große Verwaltungs- und Gebietsreform der 70er Jahre. Willkommen zurück in der Kleinstaaterei. Schon streben ja auch viele Gemeinden aus den Verwaltungsgemeinschaften mit ihren Nachbarorten heraus, weil ihnen die schon im Dreißigjährigen Krieg nicht gepasst haben. Da will ich jetzt auch wieder hin, im globalen Maßstab aber. Her mit den Kleinststaaten, Rittergütern und Fürstbistümern. Und jeder Ministaat, und sei er nicht größer als ein Ponyhof, bekommt sein eigenes Kennzeichen, jawoll!