Eisbär im Schatten: arme Flocke-Fans
12. Mai 2008 von Flocke
Liebe Flocke-Fans, in Eurer Haut möchte ich nicht stecken. Zum Glück macht mir die Hitze ja nicht so viel aus wie Euch. Trotzdem suche ich, wann immer es geht, den Schatten auf. Zum Beispiel hinter dem Bäumchen in meinem Freigehege. Für Euch als Zuschauer ist das natürlich suboptimal (schönes Wort, gell). Denn Ihr seht mich ja nicht.
Ich weiß genau, wie es Euch geht. Nehmen wir nur mal den heutigen Pfingstmontag (13000 Besucher, gestern 11000, am Samstag 5500). Während ich mich noch physisch und psychisch im Haus auf meinen Auftritt vorbereite, steht Ihr Euch schon draußen in der brütenden Mittagshitze die Beine in den Bauch. Die Kinder müssen vor der Sonne geschützt werden. Manchmal hat das Tiergartenpersonal ein Einsehen und bittet die Kleinen ins Tunnel des Aquaparks. Derweil machen Gerüchte die Runde. Irgendeiner weiß ja immer alles besser. Kurz vor eins heißt das jüngste Gerücht: Heute kommt Flocke später raus, sie schläft noch.
Bei denjenigen, die ihren Kopf schon eine Stunde in die Sonne gehalten haben, nur um mich zu sehen, kommt das gar nicht gut an. Vielleicht spekulieren ja die Gerüchtestreuer darauf, dass manche in den vorderen Reihen das Weite suchen.
Und dann komme ich natürlich doch pünktlich aus meinem Kabuff, zusammen mit meinem Menschen. Als erstes begebe ich mich in den Schatten, um mich langsam an die Sonne und die Hitze zu gewöhnen. Hinter dem Baum sieht mich aber kaum jemand. Als ich mich dann doch entschließe, mal einen Schritt nach vorn zu wagen, muss die erste Ladung Besucher ihren Platz schon wieder freimachen für die nächsten.
Zum Baden habe ich heute keine Lust. Ich gehe wieder in den Schatten. Das muss Euch enttäuschen, ich weiß es. Meine Menschen sagen mir immer, ich soll tun, wonach mir der Sinn steht, ich soll die Leute auf der Tribüne nicht beachten. Aber ich sag’s Euch: Ich weiß, was Ihr durchmacht. Manche Flocke-Fans reisen von weit her an. Die Kinder freuen sich schon seit Tagen und Wochen darauf, mich live erleben zu können. Und dann, wenn sie die Sonnen-Tortur ohne Stich überwunden haben, sehen sie ein Eisbärchen, das es sich im Schatten hinter dem Baum gemütlich macht, während der Pfleger tatenlos zusieht. Hart, aber ungerecht. Arme Flocke-Fans.
(Foto: Ralf Schedlbauer/Tiergarten Nürnberg)