Da werdet Ihr in den nächsten Tagen Augen machen: Ab sofort bin ich sozusagen die Klimaschutz-Botschafterin der Metropolregion. Auf Plakatwänden oder Buswartehäuschen erinnere ich daran, dass Klimaschutz nicht irgendwo im Amazonas-Delta, sondern vor Ort stattfinden muss.
Gut, gezeigt wird ein Jugendbildnis. Auf dem Bild bin ich sechs Wochen jünger als jetzt. Und meine Pfoten stehen auf einer Linie mit der “Südpolregion”, wo ja bekanntlich noch weniger Eisbären leben als im Nürnberger Tiergarten. Aber das sind Kleinigkeiten. Ich sehe, wie ein Journalist bemerkte, genauso nachdenklich aus wie Euer Alt-Bundeskanzler Gerhard Schörder auf seinem Nachts-im-Kanzleramt-Plakat. Und das macht mich doch glaubwürdig.
Auch klar, so richtig ernstzunehmen wäre ich mit meiner Botschaft, wenn ich ganz und gar eindeutig ein Kind dieser Region wäre. Und woran erkennt man den/die Franken? Am Essen. Sollte ich also auf Bratwurst und Schäufele umsteigen?
Mein Tiergartendirektor hält das für gesundheitlich unbedenklich. Ich würde allerdings, meint er, einen mächtigen Durst bekommen. Zweifel, dass ich Eure Spezialitäten stehenlassen würde, hat er jedenfalls nicht. Ich könnte Bratwurst und Schäufele auch gebraten fressen. Allerdings fehlen da wichtige Nährstoffe, die rohes Fleisch noch hat. Nein, nicht die eiweißhaltigen Würmer. Im Tiergarten gibt’s doch kein Gammelfleisch.
Also: Falls es im Zuge der Werbekampagne der Metropolregion ein drittes Poster gibt, werde ich der Gastronomie der Metropolregion gerne den Gefallen tun, und mich für die Fotografen auf einen Teller Bratwürste stürzen. Ob Sauerkraut dabei sein soll, möchte ich erst nach einer Überprüfung der Statik meines Eisbärenstalls entscheiden. Es entstehen da ja unweigerlich, naja ihr wisst schon – es kann halt laut sein und vibrieren.
Vorerst widme ich mich vor allem meiner aktuellen Leibspeise: Bananen und Weintrauben. Wie ich darauf komme, wo solches Obst doch am Nordpol niemals wächst? Das müsstet Ihr doch inzwischen gelernt haben. Ich, Eisbärin, bin vererbungstechnisch ein Braunbär-Mädchen, das sich auf schneereiche Gebiete spezialisiert hat. Näher erkläre ich das jetzt aber nicht mehr.
(Foto: Eduard Weigert)