Da sage noch einmal jemand, Latein sei eine „tote“ Sprache. Inzwischen kann man als Tourist sogar im Buchhandel einen „Kauderwelsch“-Sprachführer für unterwegs kaufen. Da erfährt man dann, wie jemand auf Lateinisch angemacht werden sollte („Te cognoscere velim.“; „Ich möchte Dich kennen lernen.“) oder wie Tankstelle („taberna benzinaria“) und Fastfood („fercula prompta“) heißen. Für einen Besuch in der deutschen Hauptstadt empfiehlt sich künftig – womöglich – die Kenntnis dieser Wörter. Denn ausgerechnet hier, wo der Süden der Republik gerne die totale Bildungswüste vermutet, erlebt diese Sprache einen ungeahnten Aufschwung. Mit 22.903 Schülern liegt Latein hinter Englisch (254.900) und Französisch (55.832) auf Platz drei – noch vor Russisch, Italienisch, Polnisch.
Die Sprache von Cicero und Caesar hat einen großen Vorsprung vor dem Vierten – dem Spanischen. Das lernten im September 2010 nur 16.166 Jugendliche. Die Kritiker des Lateinischen hätten das noch vor einigen Jahren nicht gedacht. Da ging man davon aus, dass sich die Angelegenheit über kurz oder lang von selbst erledigen werde. Wer wolle schon eine Sprache lernen, mit der man nirgendwo etwas anfangen könne, hieß es. Die Argumente für Latein sind gar nicht so neu, man kennt sie von der Diskussion an bayerischen Gymnasien. Das logische Denken und das Gespür für die Grammatik würden dadurch geschult, heißt es immer wieder. Und Berliner Schüler versichern, dass die heutigen Lehrbücher nicht mehr solche tödlich langweiligen Werke seien wie früher. Im Gegenteil: „Das ist fast wie ein Krimi“, sagte eine Sechstklässlerin der Reporterin einer Lokalzeitung.
Dass die Sprache im Trend liegt, beweist nicht nur das Interesse der Jugendlichen in der Hauptstadt. Auch andernorts rührt sich einiges. Radio Bremen sendet einmal im Monat Nachrichten auf Lateinisch, in Chatrooms im Internet tauschen sich Halbwüchsige inzwischen in dieser „Geheimsprache“ aus und Kinofilme wie „Invictus“ von Clint Eastwood machen die römische Antike erst recht populär. Wer weiß, vielleicht wird man in ferner Zukunft mit der „ferrivia subterranea“ (U-Bahn) durch Berlin fahren und im „voratrina“ (Schnellimbiss) an der Friedrichstraße einen „magnus maccius“ (Big Mäc) verspeisen.
Wenn man genau hinschaut, dann kann man eine Menge Gemeinsamkeiten zwischen Politikern und Schulkindern entdecken. Beide Gruppen warten am Freitagmittag sehnlichst darauf, dass die Sitzungs- bzw. Schulwoche endlich vorbei ist und sie nach Hause dürfen. Die einen mit dem Flieger von Berlin in den Heimatwahlkreis, die anderen mit dem Rad nach Hause zu Mama. Auch die Nebenbeschäftigungen unter der Bank im Plenarsaal des Bundestages ähneln manchmal den Verhältnissen in einem Klassenzimmer: Der eine tippt SMS, der andere liest eine Zeitschrift und wieder andere ratschen miteinander. Und manchmal schimpft der Lehrer, äh… Präsident, dass die Rasselbande etwas leiser sein soll.
In einem aber unterscheiden sich Schüler und Politiker gewaltig. Wenn es darum geht, wer vorne sitzen darf. Bei Schülern setzt in der Regel zu Schuljahresbeginn sofort ein Fluchtreflex ein. Hätten sie das Sagen, gäbe es nur letzte Bankreihen. Bei Politikern ist es genau anders herum. Sie wollen alle ganz nach vorne. Da wird man bei Fernsehübertragungen gesehen, da ist man wichtig. Deswegen würden manche für einen reservierten Platz in der ersten Reihe gerne monatlich einige 100 Euro Miete bezahlen. Geht aber nicht, denn diese Sitze lassen sich die Chefs nicht nehmen.
Gerade konnte man wieder studieren, wie erbittert um die Plätze in der ersten Reihe des Bundestages gestritten wurde. Es gibt nur eine beschränkte Zahl davon, nämlich 15, weil sich die Sitzreihen erst nach hinten weiten. Aber wie sollten die aufgeteilt werden? Die arme SPD, ohnehin schon geschlagen genug, hat nur noch drei dieser begehrten Plätze erhalten, während die (bei weitem nicht doppelt so starke) Union sechs davon besetzen darf. Das hat der so genannte “Vorältestenrat” so beschlossen. Für die drei kleineren Parteien gibt es jeweils zwei Logenplätze. Wollen wir hoffen, dass es in den kommenden vier Jahren in dieser Manege wenigstens vieles zu bestaunen gibt.
“Magnus maccius” statt “Big Mäc”. So gebildet sind die jungen Berliner!
Da sage noch einmal jemand, Latein sei eine „tote“ Sprache. Inzwischen kann man als Tourist sogar im Buchhandel einen „Kauderwelsch“-Sprachführer für unterwegs kaufen. Da erfährt man dann, wie jemand auf Lateinisch angemacht werden sollte („Te cognoscere velim.“; „Ich möchte Dich kennen lernen.“) oder wie Tankstelle („taberna benzinaria“) und Fastfood („fercula prompta“) heißen. Für einen Besuch in der deutschen Hauptstadt empfiehlt sich künftig – womöglich – die Kenntnis dieser Wörter. Denn ausgerechnet hier, wo der Süden der Republik gerne die totale Bildungswüste vermutet, erlebt diese Sprache einen ungeahnten Aufschwung. Mit 22.903 Schülern liegt Latein hinter Englisch (254.900) und Französisch (55.832) auf Platz drei – noch vor Russisch, Italienisch, Polnisch.
Die Sprache von Cicero und Caesar hat einen großen Vorsprung vor dem Vierten – dem Spanischen. Das lernten im September 2010 nur 16.166 Jugendliche. Die Kritiker des Lateinischen hätten das noch vor einigen Jahren nicht gedacht. Da ging man davon aus, dass sich die Angelegenheit über kurz oder lang von selbst erledigen werde. Wer wolle schon eine Sprache lernen, mit der man nirgendwo etwas anfangen könne, hieß es. Die Argumente für Latein sind gar nicht so neu, man kennt sie von der Diskussion an bayerischen Gymnasien. Das logische Denken und das Gespür für die Grammatik würden dadurch geschult, heißt es immer wieder. Und Berliner Schüler versichern, dass die heutigen Lehrbücher nicht mehr solche tödlich langweiligen Werke seien wie früher. Im Gegenteil: „Das ist fast wie ein Krimi“, sagte eine Sechstklässlerin der Reporterin einer Lokalzeitung.
Dass die Sprache im Trend liegt, beweist nicht nur das Interesse der Jugendlichen in der Hauptstadt. Auch andernorts rührt sich einiges. Radio Bremen sendet einmal im Monat Nachrichten auf Lateinisch, in Chatrooms im Internet tauschen sich Halbwüchsige inzwischen in dieser „Geheimsprache“ aus und Kinofilme wie „Invictus“ von Clint Eastwood machen die römische Antike erst recht populär. Wer weiß, vielleicht wird man in ferner Zukunft mit der „ferrivia subterranea“ (U-Bahn) durch Berlin fahren und im „voratrina“ (Schnellimbiss) an der Friedrichstraße einen „magnus maccius“ (Big Mäc) verspeisen.