„Das neue Berlin“ – Ich kann es nicht mehr hören

revolution 008

Beim ersten Mal horchte ich noch ganz neugierig auf. Es dürfte etwa zehn Jahre zurückliegen, da wurde in einigen Medien ziemlich aufgeregt mitgeteilt, dass die deutsche Hauptstadt ihre besten Zeiten hinter sich habe. Maler, Musiker und das übrige hippe Volk seien längst von Berlin aus unterwegs nach Leipzig. Bald würden ihnen auch die übrigen Mitläufer folgen. In „das neue Berlin“ eben. Weiter lesen

Bitte, Berliner, bellt!

Im Laufe meines bisherigen Lebens hatte ich das Vergnügen, fünf deutsche Kleinvölker näher kennen zu lernen: die Oberpfälzer (da bin ich aufgewachsen), die Württemberger (da habe ich studiert), die Mittelfranken (da habe ich lange Zeit gearbeitet), die Hamburger (da reiste ich der Liebe wegen hin) und die Berliner (da lebe ich seit einigen Jahren). Lediglich einem von diesen fünf Völkern wird ständig unterstellt, es sei frech, vorlaut und aus Prinzip unhöflich zu Fremden. Richtig geraten: Das sind die Berliner.

Doch diese Behauptung ist falsch, der Vorwurf ungerecht. Auch wenn es noch so oft wiederholt wird. Ich muss es wissen, denn ich habe schließlich den Vergleich. Summa summarum bin ich in der Hauptstadt nicht anders behandelt worden als in der Oberpfalz, in Württemberg, in Hamburg und in Mittelfranken. Das heißt, mal mehr und mal weniger freundlich. In Wirtschaften, Ordnungsämtern, Linienbussen. Statistisch relevante Unterschiede gibt es nicht.

Trotzdem meint neuerdings die Berliner Obrigkeit, ihre Bürger dressieren zu müssen wie einst die Jacobs Sisters ihre Pudel. Immer sollen die Hauptstädter Pfötchen geben und niemals irgendwelche Fremden anbellen. “Mit Herz und Schnauze” heißt die gerade erst vorgestellte, 200.000 Euro teure Werbekampagne. Polizisten, Busfahrern, Straßenkehrern wird eine Anstecknadel mit einem “Info-I” verpasst, was bedeuten soll, dass sie jeder ansprechen darf, der eine Auskunft braucht.

Auch ich dürfte mir so ein Herz-Schnauze-Ding abholen, wenn ich wollte. Will ich aber nicht, denn ich bin ohne Anstecker höflich zu den Menschen. Oder nicht. Je nach Stimmungslage. Vom Bürgermeister lasse ich mir das schon gar nicht vorschreiben. “Coming soon: das freundlichere Berlin” heißt es auf einer der Postkarten, die im Moment verteilt werden. Coming now: das Ende des Weblog-Eintrags. Because of being angry.