Jetzt zählen die Berliner schon die Tage. Aus den ehemals drei Flughäfen Tempelhof (+2008), Tegel und Schönefeld wird einer. Am 3. Juni startet auf dem neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg (“Willy Brandt”) der Flugbetrieb. Zunächst wird mit etwa 25 Millionen Passagieren pro Jahr gerechnet. Ich war schon mal auf der Baustelle und habe mich umgesehen.
Es war nicht immer klar gewesen, dass der Flughafen Berlin-Brandenburg International nach dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister, Bundeskanzler, Friedensnobelpreisträger und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt benannt werden würde. Es gab auch andere ernst zu nehmende Kandidaten mit Berlin-Bezug.
Die Debatte dreht sich um 120 Quadratmeter. Das ist eigentlich nichts im Vergleich zur gigantischen Gesamtfläche des künftigen Großflughafens Berlin-Brandenburg, könnte man meinen. Aber in Wahrheit geht es um mehr als 120 Quadratmeter. Nämlich um die Frage, welche Rolle die christliche Religion bei uns in Deutschland im öffentlichen Leben noch spielen soll.
Konkret heißt das: Steht Protestanten und Katholiken auf dem Flughafen “Willy Brandt” eine Kapelle zu, die man auch als solche erkennt, zum Beispiel an einem Kreuz, oder nicht? Die Betreiber haben den heutzutage üblichen (Aus-)Weg gewählt. Man dachte daran, die 120 Quadratmeter zu einem “Raum der Stille” zu erklären. Darin sollten sich alle Weltreligionen und möglichst auch noch alle Atheisten und Agnostiker zum… – ja, wozu eigentlich? – versammeln. Zu irgendetwas unverbindlichem sicher, an dem bestimmt niemand Anstoß nehmen würde.
Den Kirchen hätte man es großzügig überlassen, mit Pfarrern und Mitarbeitern die Betreuung dieses Raumes zu übernehmen. Aber eben bitte möglichst unkenntlich. Dazu haben das katholische Erzbistum und die evangelische Landeskirche von Berlin-Brandenburg erst mal Nein gesagt. Wenn schon, dann wollen sie sich auch klar zu ihrem Glauben bekennen und nach ihren Riten beten dürfen. Gegen eine Teilung der Fläche, damit auch andere Religionsgemeinschaften zu ihrem Recht kommen, hätten sie nichts einzuwenden.
Die Kirchen wehren sich dagegen, dass man in ihnen nicht mehr sieht als geistlich verbrämte Fluggastbetreuer. Es ist ihnen eben nicht egal, ob man betet, schweigt, Steinkreise zieht oder einfach nur an ”jenes höhere Wesen, das wir verehren” (Heinrich Böll, “Dr. Murkes gesammeltes Schweigen”) denkt. Den Kapellen-Streit werden wir in abgewandelter Form in Zukunft öfter erleben – und zwar nicht nur in Berlin, wo zwei Drittel aller Menschen bereits keiner christlichen Kirche mehr angehören.
Wo (vielleicht irgendwann mal) 25 Millionen Menschen abheben: der Großflughafen Berlin-Brandenburg
Jetzt zählen die Berliner schon die Tage. Aus den ehemals drei Flughäfen Tempelhof (+2008), Tegel und Schönefeld wird einer. Am 3. Juni startet auf dem neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg (“Willy Brandt”) der Flugbetrieb. Zunächst wird mit etwa 25 Millionen Passagieren pro Jahr gerechnet. Ich war schon mal auf der Baustelle und habe mich umgesehen.