Der „Nürnberger Werther“: 1200 mal gestorben, kein Ende in Sicht

Es begann vor fast zwei Jahrzehnten in einem Klassenzimmer des Nürnberger Dürer-Gymasiums – und es wurde ein internationaler Erfolg. Das kann man von der „Werther“-Inszenierung des Schauspielers Philipp Hochmair und des Regisseurs Nicolas Stemann getrost behaupten, ohne den Mund zu voll zu nehmen. Sie wurde unter anderem in Paris, im Kaukasus, am Wiener Burgtheater und in Serbien aufgeführt. Nun hat der Monolog um Liebesleid und Selbstmord des jungen Rechtspraktikanten Werther auch die bekannteste Bühne Deutschlands erreicht. Weiter lesen

Elf Ausflüge in ein Berlin, wie es keiner kennt

DAS PARADIESGÄRTLEIN IM WESTEND

DER FROMME LADEN IN SCHÖNEBERG

DIE STRANDBAR IN MOABIT

DAS TEEHAUS IM TIERGARTEN

DIE BÄREN IN MITTE

DIE TORTEN IN FRIEDENAU

DER WASCHSALON IN MOABIT

DIE MARKTHALLE IN MOABIT

DIE THEATERKANTINE IN MITTE

DAS KAFFEEHAUS IN TIERGARTEN

DAS ZUCKERMUSEUM IM WEDDING

 

Der Tag, an dem ich zwei Päpsten begegnete

Das wird wohl so schnell nicht mehr vorkommen – um 16.30 Uhr dem einen Papst zuhören, um 21.30 Uhr dem anderen. Möglich war das nur durch einen Trick. Der erste, nämlich Benedikt XVI. (84), der im Bundestag redete, war selbstverständlich der echte Papst. Beim zweiten handelte es sich nur um einen Schauspieler. Doch Michael Rehberg (73) gibt am Berliner Ensemble schon länger den Papst, als Joseph Ratzinger im Amt ist. Seit zehn Jahren tritt er in Rolf Hochhuths „christlicher Tragödie“ mit dem Titel „Der Stellvertreter“ als Pius XII. auf. Ein ergreifendes Stück übrigens, in dem das Schweigen dieses Papstes zum Holocaust thematisiert wird. Die meisten kennen Michael Rehberg wahrscheinlich aus dem Fernsehen. Dort spielte er den Bischof in „Pfarrer Braun“.

Der Papst ist ins Theater eingeladen, wird aber nicht kommen

Der Papst ist in Berlin. Falls er morgen abend noch Zeit hat, liegt eine Theaterkarte für ihn an der Kasse des Berliner Ensemble bereit. Höchstpersönlich hinterlegt vom Intendanten. Als Claus Peymann wusste, wann Benedikt XVI. in der Hauptstadt sein würde, hat er das 48 Jahre alte Stück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth speziell für diesen Abend auf den Spielplan gesetzt. Es setzt sich kritisch mit der Rolle des Weltkriegs-Papstes Pius XII. auseinander und veranlasste Bundeskanzler Helmut Kohl zu der peinlichen Aktion, sich 1986 bei einem Besuch im Vatikan sich dafür zu entschuldigen. In Wahrheit kann es gar nicht genug Stücke geben, die die traurige Rolle der katholischen (und noch viel mehr der evangelischen) Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus behandeln – und vielleicht ganz nach Schiller und Brecht dafür sorgen, dass die Menschen etwas daraus lernen. „Eure Heiligkeit“, redet Claus Peymann den Papst in seinem offenen Brief an und ist so gar nicht der Provokateur, als den man ihn kennt. Dem Intendanten ist natürlich klar, dass ein Besuch von Benedikt XVI. in seinem Hause nie und nimmer erfolgen wird, weder spontan noch nicht spontan. Am Ende des Briefs schreibt er: „Mögen Sie bitte die Tatsache, daß wir am 22. September im Berliner Ensemble Rolf Hochhuths ´Der Stellvertreter´ spielen werden, als Zeichen nehmen, dass auch ein Theater Anteil nehmen kann an Ihrem Besuch in unserer Stadt.“