Wenn der Wahl-O-Mat verrückt spielt

Wenn man erstaunliche Antworten im Wahl-O-Mat erhalten will, dann muss man etwas tun, was selten jemand tut – nämlich seine eigenen Einstellungen nicht mit der von CDU/CSU, SPD, Grünen, FDP oder Linken vergleichen lassen, sondern mit der PARTEI von Martin Sonneborn.

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Wowereit und die drei Zwerge: ein politisches Märchen aus der Hauptstadt

In wenigen Tagen wählt die Hauptstadt ein neues Abgeordnetenhaus – und dieses wiederum ein paar Wochen später einen neuen Regierenden Bürgermeister. Der wird – tätärätä, Überraschung! – Klaus Wowereit heißen. Denn die komplette Konkurrenz ist von der Bildfläche verschwunden bzw. leidet unter einer schlimmen politischen Verzwergung.

Erstens, die CDU: Eigentlich sollte sie ja traditionell den Herausforderer stellen, als zweitgrößte Volkspartei und vor allem als die Partei, deren Ehrenmitglied Eberhard Diepgen mit einer Amtszeit von 16 Jahren den Bürgermeister-Rekord hält (bis 2001). Doch niemand, nicht einmal die CDU selbst, kann sich auch nur entfernt vorstellen, dass der Kandidat Frank Henkel es schaffen könnte. Es gibt außer der Drei-Prozent-Partei FDP nicht einen einzigen Partner, der mit ihm regieren möchte.

Zweitens, die Linken: Seit zehn Jahren sind sie mit dem braven Wowereit-Stellvertreter Harald Wolf der Juniorpartner der SPD. Und sie geben bei jeder Gelegenheit zu, dass sie das gerne bleiben möchten. Den Kampf um Platz eins aufzunehmen, wäre von Anfang an chancenlos gewesen. Deswegen hat man es auch nie versucht.

Drittens, die Grünen: Bis vor einem halben Jahr traute man Renate Künast zu, das Rote Rathaus zu eroben. Dann machte sie inhaltliche und strategische Fehler und verabschiedete sich vor kurzem bei einem Fernsehduell indirekt von ihrem Anspruch, Bürgermeisterin werden zu können. Hat man auch noch nicht oft erlebt, dass jemand schon vor Schließung der Wahllokale aufgibt.

Nun ist Klaus Wowereit allein zu Haus´ und fühlt sich wie der Hans im Glück im Märchen. Er langweilt sich wahrscheinlich bis zum Wahlsonntag tödlich. Die spannendste Frage für uns Wähler ist nicht, wer gewinnt, sondern die, was die SPD eigentlich mit ihrem Slogan „Berlin verstehen“ meint (siehe Foto oben).

Eben noch am Straßenrand, nun schon auf dem Wahlplakat

Wahlplakate können völlig zeitlos sein. Das beweist die SPD im derzeitigen Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus, wo ein gewisser Herr Wowereit relativ sinnfrei zusammen mit Alten, Kindern und Migranten gezeigt wird. Wahlplakate können aber auch – vermeintlich – hochaktuell sein. Damit hat es die CDU versucht, die nun ein brennendes Auto zeigt. Eines von den 530 angezündeten bzw. durch Flammen beschädigten Autos in diesem Jahr. Doch kaum begann die CDU mit ihrer Plakatserie, da hörten die Pkw-Brände auf und wurden sogar zwei mutmaßliche Täter erwischt. Nun wirkt die Aktion ein wenig gestrig. So kann es gehen, wenn man brandaktuell sein will.

In Berlin darf man am Kiosk über den Bürgermeister abstimmen

Es dürfte sich auch außerhalb Berlins herumgesprochen haben, dass am 18. September in der Hauptstadt gewählt wird. Weniger bekannt ist: Die Bürger haben schon vor diesem Tag die Wahl – nämlich am Zeitungskiosk. Das Magazin „Zitty“ ist in der aktuellen Ausgabe gleichzeitig mit zwei Titeln erschienen. Einmal blickt uns der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit an, das andere Mal seine Konkurrentin Renate Künast. Der Leser darf entscheiden, zu welcher Ausgabe er greift. Über den Zwischenstand bei diesem Wahlbarometer soll auf der Homepage von Zitty regelmäßig informiert werden. So gut wie die Krake Paul wird dieses Orakel bestimmt auch sein.

Igitt, Touristen! Igitt, Parkett!

Das Wahlprogramm der Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg hat inzwischen bundesweit für einiges Aufsehen gesorgt. Besonders zwei Passagen (unten die Screenshots) sind bemerkenswert. Erstens der Plan, das Parkettverlegen in Mietwohnungen zu verhindern – mit aktiver Bürgerbeteiligung. Die Parkettverleger sollen dem Amt gemeldet werden!  Zweitens die Einschränkung der Hotel- bzw. Hostel-Bauten im Bezirk. Und das in einer Stadt, die wie kaum eine andere in Deutschland vom Tourismus lebt. Gleichzeitig ist man sich aber offensichtlich nicht ganz sicher, was man von den Urlaubern will, denn es ist auch an eine finanzielle Abgabe von ihrer Seite gedacht. Die kann aber nur bezahlen, wer überhaupt kommt – und ein Hotel findet.

Mal was neues: 100 Lösungen für 50 Cent

Man kann nicht gerade behaupten, dass es der Berliner CDU besonders gut ginge. Die jüngste Umfrage (Forsa) sah sie mit 19 Prozent klar hinter der SPD (30) und den Grünen (24). Umso interessanter ist ein Versuch, den die Christdemokraten im Wahlkampf für das Abgeordnetenhaus unternehmen: Sie verkaufen ihr Wahlprogramm („100 Lösungen für Berlin“). Es ist an über 1000 Berliner Kiosken für 50 Cent erhältlich. Das ist deswegen erstaunlich, weil der Bürger zum Wahlprogramm normalerweise ein Verhältnis hat wie der Vampir zum Knoblauch. Er meidet es. Er will es in der Regel an Infoständen nicht einmal geschenkt haben. Wenn er es doch einmal gnadenhalber mitnimmt, dann landet es in der nächsten Papiertonne. Und nun wird es also verkauft. Der Mann im Zeitschriftenladen sagt, er habe außer mir noch keinen erlebt, der es verlangt hätte. Immerhin: Das Geld ist nicht für die CDU, sondern ausschließlich für die Kioskbetreiber. Wer das Programm kostenlos will, der kann es entweder im Internet herunterladen oder in der Geschäftsstelle der Partei abholen. Nachdem aber schon die Berliner Kurzstrecken-Fahrkarte 1,40 Euro kostet…

Wenn Sie diesen Text gelesen haben, wissen Sie, wen Sie wählen müssen. Oder auch nicht.

Was wäscht eigentlich weißer als weiß? Was gibt es morgens um halbzehn in Deutschland? Und was trinken nette Menschen? Die Werbung hat uns dazu erzogen, auf jede dieser Fragen eine Antwort zu wissen. Nicht ganz so erfolgreich scheinen derzeit die Berliner Parteien mit ihren Slogans zu sein. Sie sagen einem nämlich im Grunde gar nichts und sind untereinander austauschbar. Ich habe heute mal Sprüche von Wahlplakaten für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 18. September abfotografiert. Raten Sie mal, was von welcher Partei stammt! Eine ist gleich zwei Mal vertreten. Gemeinerweise habe ich die Farben ausgelöscht und zeige alles nur in Schwarzweiß. Die Antwort finden Sie unten im Kommentar zum diesem Blog-Beitrag.