Jetzt ist´s erwiesen: Die Kanzlerin hat das Merkel-Dreieck nicht erfunden

Vor kurzem war ich für eine halbe Stunde in der Staatlichen Berliner Gemäldegalerie, Säle IV bis VI, Niederländische Malerei des 14. bis 16. Jahrhunderts. Und seitdem weiß ich es: Unsere Kanzlerin hat das berühmte Merkel-Dreieck (Fotos 2 und 4) nicht erfunden. Schon der Maler Rogier van der Weyden (1399 bis 1464) setzte es häufig ein, wie die beiden Gemäldeausschnitte (Fotos 1 und 3) beweisen.  Das Merkel-Dreieck ist also nichts anderes als eine plumpe Fälschung.

WEITERE TEXTE ZUM THEMA BUNDESTAG:

Das Parlament spricht arabisch

Das essen die Abgeordneten zu Mittag

Unsere Abgeordneten sehen Sternchen

Vor dem Bundestag tragen die Bäume ein Häkelkleid

Endlich: Bundestag mit Null-Liter-Dienstwagen

Raucher-Aquarium für Politiker

Wenn Beamte ganz hoch hinaus wollen

Wenn Minister mal müssen

 

Merkel im Urlaub. Wie man der Kanzlerin trotzdem treu bleiben kann.

Heute hat sie die berühmte Sommer-Pressekonferenz hinter sich gebracht. Morgen muss sie noch zu den Parteifreunden in Baden-Württemberg, bestimmt auch kein angenehmer Job. Doch dann ist Urlaub. Ein paar Wochen lang werden wir nichts von unserer Bundeskanzlerin sehen unf hören. Außer ein paar Aufnahmen von ihrem Auftritt bei den Wagner-Festspielen  und ein paar Urlaubsfotos aus Südtirol. Da könnte man aber genauso gut die vom letzten Jahr nehmen. Oder vom vorletzten. Oder vom vorvorletzten.

Wer trotzdem nicht auf die Kanzlerin verzichten will, für den habe ich vor kurzem in einem Erfurter Lädchen das ideale Geschenk entdeckt: die Angela-Merkel-Zitronenpresse. Mit Hilfe unserer Regierungschefin kann man aus Südfrüchten das Letzte herausholen. Wenn ich es richtig verstanden habe, war das ja auch ungefähr der Ansatz des jüngste Euro-Krisengipfels.

Endlich haben Robbie Williams und ich was gemeinsam

Er kann schön singen. Ich nicht. Bei ihm fallen die Frauen reihenweise in Ohnmacht, wenn sie ihn sehen. Bei mir nicht. Er ist mehrfacher Millionär. Ich nicht.

Wie man sieht, hielten sich die Gemeinsamkeiten zwischen mir und Robbie Williams bisher in Grenzen. Doch nun ist alles anders. Denn: Robbie Williams wohnt in Berlin. Ich wohne in Berlin. Das ist doch schon mal ein Anfang. Immerhin können das nur 3,4 Millionen Menschen von sich behaupten.

Wie oft der 36-Jährige sich nach dem Kauf einer Eigentumswohnung allerdings in unserer Hauptstadt wirklich sehen lässt, das weiß  derzeit noch keiner. Vielleicht nicht einmal er selbst. Da haben wir in der Vergangenheit schon manche Enttäuschung erlebt, weil die Stars trotz eigener Wohnung fern blieben. Für zahlreiche Boulevardmedien reichte aber  schon die Nachricht vom Immobilienkauf für Jubelarien (siehe Foto). „Hallo Robbie“, hieß es da, und „Robbie Williams ist jetzt ein Berliner“. Der gibt umgehend zurück: „Ich befinde mich in einer Art Liebesbeziehung zu Deutschland.“

Die Wohnung soll in der Nähe des Checkpoint Charlie liegen. Mehr will er nicht verraten. Nicht gerade die allerbeste Gegend, aber immerhin ist dort rund um die Uhr einiges los. Kiezmäßig liegt er als Kreuzberger klar in Führung vor mir (Moabit). Wenn er mal wissen will, wo man gut essen kann in der Stadt, soll er einfach bei mir anrufen. Wir haben jetzt ja zumindest eine Sache gemeinsam.

Falls der Kanzlerin mal langweilig ist…

Angesichts der gewaltigen Aufgaben, vor denen die Bundesregierung steht, dürfte es der Kanzlerin eigentlich niemals langweilig werden. Sollte es dennoch mal der Fall sein, so gibt es einen prima Vorschlag: Schiffe zählen. Angela Merkel muss nur auf ihren Balkon treten (rechts oben, mit der grünen Hecke als Sichtschutz) und den enormen Schiffsverkehr auf der Spree verfolgen. Wir haben es schon mal probehalber versucht und die Namen von all den Booten notiert, die binnen einer Stunde am Kanzleramt vorbei fuhren:

Trix,

Champ,

Alt Stralau,

Kreuzberg,

Eila,

Electra,

Bellevue,

Flow,

Petra,

LaBelle,

Treptow,

Spree-Prinzessin,

Rufus,

Spreekrone,

Gayliner,

Classique,

Blue neck,

Fortuna.

Party im Schloss Bellevue

Weg frei für die Gäste des Präsidenten

Wir müssen draußen bleiben: Bellevue mit Absperrband

Das Buffet ist gerade frei gegeben worden

Sommerlich angemessen gekleidet: Richard von Weizsäcker

Präsidentenlächeln

Der Neue, Christian I.

Die schöne Galathee im Schlosspark

 Housewarming bei Präsidentens. Ein paar Eindrücke vom Sommerfest im Schloss Bellevue am ersten Arbeitstag von Christian Wulff. Fotos: Baumer

Oettinger löarns wöchentlich twenty words

„Ich glaube, ich komme gut voran mit meinem Englisch. Ich kann bei jedem Gespräch, das auf Englisch geführt wird, gut mithalten.“ Jedem Menschen auf Erden, der diese Sätze ausspricht, würden wir glauben. Sofort und bedingungslos. Nur einem nicht. Und der heißt Günther Oettinger.

Der Mann hat uns nämlich schon einmal genarrt. Was das Englische betrifft, ist er ein Hochstapler. Vor etwa vier Monaten war die Rede davon, der EU-Kommissar beherrsche die englische Sprache verhandlungssicher. Und dann kam sein legendärer Auftritt in Berlin vor englischsprachigem Publikum („Wie are ohl sitting in won boat“). Heute noch ist das einer der Renner auf Youtube und, bei aller Bescheidenheit, in diesem Weblog. Hätte er sich doch lieber dolmetschen lassen, dachten wir damals, weil wir uns so für ihn schämten.

Nun  geht es angeblich voran. 10 bia 20 Wörter lernt er wöchentlich, versicherte er dem Hamburger Abendblatt. Da ist der Grundwortschatz ja immerhin schon in einem Jahr beisammen. Und so lange muss halt Europa auf Deutschland warten. Ist ja nicht so schlimm. Zumal Herr Oettinger auch noch einen Ferienkurs absolvieren und dadurch die Sache beschleunigen will.

Aber halt, erinnern wir uns doch mal kurz an unsere eigenen Ferienkurse im Ausland während der Schulzeit. Haben wir da wirklich etwas kennen gelernt außer billigem Rotwein im Baströckchen und netten Mädchen?

Warum ich kein Politiker sein möchte

Seit neun Jahren habe ich fast täglich mit Politikern zu tun. Kein Wunder, dass einen da Freunde und Bekannte gelegentlich fragen, ob es einem nicht selbst auch gefallen würde, Politiker zu sein. Klare Antwort: Nein.

Dafür gibt es viele Gründe. Einen davon hat mir Großbritanniens Premierminister Gordon Brown gerade mal wieder vor Augen geführt. Der Mann befindet sich in der Endphase des Wahlkampfs, wie man weiß. Das ist ungefähr so wie bei einem Sportler kurz vor seinem Auftrtitt bei den Olympischen Spielen. Angespannt, seit Tagen schlaflos, am Ende der Kräfte. Und da sagt er nach einem öffentlichen Auftritt – vermeintlich zurück im sicheren Dienstwagen -, dass ihn eine Bürgerin genervt habe, dass sie „eine engstirnige Frau“ sei. Mal ehrlich: Wer vo uns hat ähnliches im Job noch nicht gesagt, von einem Kunden, Anrufer, Fragesteller?

Browns Pech, wie man inzwischen längst überall nachlesen konnte: Er hatte noch das winzige Mikro eines Fernsehsenders am Revers, als er sich so äußerte. Und prompt hieß es, damit habe er sich möglicherweise der letzten  Chance um den Wahlsieg beraubt. Denn es gilt die eiserne Regel, dass man als Politiker auch auf die abstrusesten Fragen eines Bürgers sagen muss, das sei ja nun wirklich interessant. Dass man sich selbst jederzeit beleidigen lassen muss, ohne selbst auch nur ansatzweise zurückbeleidigen zu dürfen. Dass einem selbst der kleinste Versprecher als Nachweis der totalen Unfähigkeit ausgelegt wird.

Wer möchte so einen Job? Ich jedenfalls nicht.

Wie are ohl sitting in won boat

YouTube Preview Image

Ein deutscher Politiker muss kein Englisch nicht können. Denn schließlich ist er ja ein deutscher und kein englischer Politiker. Das sage ich schon mal vorsichtshalber zu Beginn, damit nicht wieder irgend jemand behauptet, ich würde unsere Sprache gering schätzen.

Keine schlechte Idee wäre es allerdings, wenn ein Politiker, der unser Land quasi ausschließlich international vertritt, wenigstens ein bisserl Englisch könnte. Zum Beispiel ein EU-Kommissar.

Bikohs of better negosiäischns wiss si assers.

Bei Günther Oettinger habe ich da seit kurzem erhebliche Zweifel. Aber hören Sie sich selbst an, was er zum Vortrag brachte.

Änd sen ju cän bikam ä gräit Kreisis.

Viele Grüße vom Friedhof! Es ist sehr schön hier.

Die Überschrift ist nicht zugespitzt und auch nicht bildhaft. Nein, sie meint genau das, was sie sagt: „Viele Grüße vom Friedhof! Es ist sehr schön hier.“

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich nämlich (zum Glück liege ich nicht) auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin.

Dort dürfte es das deutschlandweit einzige Friedhofs-Kaffeehaus geben. Nicht irgendwo in einer Nebenstraße, 500 Meter entfernt, nein, direkt auf dem Gottesacker. Das Café hat einen etwas ungewöhnlichen Namen: „Finovo„. Das kommt von „Fin“, dem Ende, und „novo“, dem Neuen, dem Anfang. Recht passend für so einen Ort.

Berühmte Menschen liegen auf dem Matthäus-Kirchhof  begraben – die Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm, der Komponist Max Bruch, der Arzt Rudolf Virchow und der Schulreformer Adolph Diesterweg.

Das Grab der Gebrüder Grimm

Das Grab der Gebrüder Grimm

Aber mich interessieren das Kaffeehaus und dessen Betreiber Bernd Boßmann (gelernter Krankenpfleger, Akrobat, Schauspieler). 2005 ist ihm das leer stehende Häuschen des ehemaligen Friedhofsverwalters aufgefallen und er hat darin sein Finovo eröffnet. Möbel aus zweiter Hand, auch ein wenig Nippes lassen den Ort so erscheinen wie Omas Wohnzimmer. Hier treffen sich unterschiedlichste Menschen. Trauernde, die gleich nach der Beerdigung ihre Abschiedsfeier von Verwandten oder Freunden hier veranstalten können. Kulturbeflissene, die mal schnell bei den Gebrüdern Grimm vorbeischauen wollten.  Oder auch nur Spaziergänger.

Ein spannender Versuch, die Lebenden und die Toten einander näher zu bringen, den Friedhof auch über den Pflichtbesuch zum Totensonntag und an Weihnachten hinaus zu einem Ort zu machen, an dem man sich gerne aufhält. Und gleich wird auch die vom Chef selbst gebackene Brombeer-Baiser-Torte fertig sein. Aber das nur am Rande.

Das Finovo von außen...

Das Finovo von außen...

... und von innen mit Kaffeehausbetreiber Bernd Boßmann.

... und von innen mit Kaffeehausbetreiber Bernd Boßmann. Alle Fotos: Baumer/NN