Der „Nürnberger Werther“: 1200 mal gestorben, kein Ende in Sicht

Es begann vor fast zwei Jahrzehnten in einem Klassenzimmer des Nürnberger Dürer-Gymasiums – und es wurde ein internationaler Erfolg. Das kann man von der „Werther“-Inszenierung des Schauspielers Philipp Hochmair und des Regisseurs Nicolas Stemann getrost behaupten, ohne den Mund zu voll zu nehmen. Sie wurde unter anderem in Paris, im Kaukasus, am Wiener Burgtheater und in Serbien aufgeführt. Nun hat der Monolog um Liebesleid und Selbstmord des jungen Rechtspraktikanten Werther auch die bekannteste Bühne Deutschlands erreicht. Weiter lesen

Eine Neuverpflichtung für den FC Bode Berlin?

Im Profi-Fußball sind 600.000 Euro gar nicht so viel Geld. Ein Führungsspieler in der Zweiten Liga kann angeblich ein Jahresgehalt in dieser Höhe verdienen, wenn er gut verhandelt. Für ein Museum ist diese Summe aus eigener Kraft kaum aufzubringen. Dabei würde man in Berlin sehr gerne eine Spitzenkraft aus Frankreich dauerhaft verpflichten. Der kleine Prinz (siehe Foto) wurde von dem Hofbildhauer Germain Pilon um das Jahr 1555 geschaffen. Die Büste stellt höchstwahrscheinlich den späteren französischen König Heinrich III. dar. Es handelt sich um ein Meisterwerk der Renaissance.

Momentan ist der schöne Knabe im Besitz eines englischen Kunsthändlers. Der Berliner Kaiser Friedrich-Museumsverein versucht, Spenden in Höhe von 625.000 Euro für den Kauf zu sammeln. Damit die Besucher des Bode-Museums (auf der Museumsinsel) mitbekommen, was ihnen entgehen würde, wenn das Geld nicht zusammen kommt,  ist die Figur jetzt schon mal probehalber dort ausgestellt. Unmittelbar daneben steht eine Spendenbüchse. Im Gegensatz zum Fußballer hat der Prinz einen großen Vorteil: Er kann Jahrzehnte und Jahrhunderte eingesetzt werden und wird sich wohl kaum als Fehlkauf erweisen.

 

 

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Erst stehen, dann sehen: Gerhard Richter

Gerhard Richter: Erst stehen, dann sehen

Man muss kein großer Experte sein, um es zu wissen: Die Ausstellung „Panorama“ zum Lebenswerk Gerhard Richters in der Neuen Nationalgalerie wird in Berlin das Kunstereignis des Jahres sein. Schon an den ersten Tagen stehen Besucher eine Stunde vor der Öffnung mit Thermohose und heißem Kaffee auf dem etwas zugigen Platz vor der Nationalgalerie. Zum eigentlichen Kartenkauf gibt´s dann im Keller die zweite Schlange. Beim Katalogkauf die dritte… Doch es lohnt sich. So viele Werke am Stück – darunter fast alle seine Ikonen wie die „Kerze“, „Onkel Rudi“, „Ema (Akt auf einer Treppe)“ und die abstrakten Bilder – wird man nicht mehr so schnell zu sehen bekommen. Interessant ist die Hängung: nicht chronologisch, sondern alt neben neu, Gegenständliches neben komplizierten Farbschichtungen. Marschbefehl!

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Momentan lohnt sich ein Besuch im Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwartskunst in Berlin, ganz besonders.  Tomás Saraceno stellt dort seine „Cloud Cities“ aus. Wolkenstädte. Das sind seltsame Gebilde, riesige Ballons, von spinnwebartigen Strukturen umgeben. Sie füllen die Eingangshalle des Hamburger Bahnhofs. Einige der Objekte sind sogar begehbar – eine Art künstlerische Hüpfburg. In sieben Metern Höhe kann man sich fallen lassen, durch nichts anderes als durchsichtige Folie und Luft vom Boden getrennt. Und was soll das Ganze? Der Künstler Saraceno will uns vor Augen führen, wie Menschen in Zukunft möglicherweise leben werden, wie die Zukunft der Städte aussehen könnte. Schwebende Wohneinheiten, einzelne Waben, die sich zu Siedlungen zusammenschließen – so etwa stellt sich der Argentinier das vor. Und ganz nebenbei habe ich in der Ausstellung einen der schönsten Sätze gelesen, die mir jemals im Zusammenhang mit Kunst begegnet sind. In einem Faltblatt für die Besucher heißt es: „Bitte betreten Sie das Kunstwerk nur, wenn Sie sich wohl fühlen.“

 

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Vom Gewächshaus zum Gerichtssaal: Nirgends sind wir vor den Musen sicher

Letzthin wurden im berühmten Berliner Kriminalgericht Moabit Arien gesungen. Ich war zehn Jahre meines Lebens Gerichtsreporter, deswegen ist es mir nicht grundsätzlich fremd, wenn in Prozessen Arien gesungen werden. Im konkreten Fall waren es allerdings richtige Opernarien von Händel und nicht solche von reuigen Sündern. Ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Kunst immer neue Räume erobert. Wenn ich daran denke, wo ich alleine in Berlin schon überall Kultur konsumiert habe – ein Streichquartett im Botanischen Garten (siehe Foto), eine „Zauberflöte“ im noch nicht fertig gestellten U-Bahnhof Bundestag (unten), ein Gefangenentheater auf der  Museumsinsel, der Rundfunkchor im Techno-Club, das Dokudrama im Tanzcafe…  Was mir noch fehlt, ist ein Sinfonieorchester in der Achterbahn. Vielleicht erbarmt sich ja mal jemand.

 

Die schönsten Frauen der Welt sind jetzt in Berlin zu Besuch

Sie tragen klangvolle Namen wie Simonetta Vespucci (rechts) oder Cecilia Gallerani (mitte). Sie sind wahre Schönheiten. Und das schon seit 500 Jahren. In der Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ im Berliner Bode-Museum sind zwar mindestens ebenso viele Frauen wie Männer zu sehen. Doch die dargestellten Männer sind häufig nur mächtig, nicht aber schön anzusehen. Die Werke stammen unter anderem aus New York, Mailand und Florenz. Sie werden so gut wie nie ausgeliehen. Es dürfte die Ausstellung des Jahres werden. Als ich eine Stunde vor der Kassenöffnung dorthin kam, warteten schon etwa 500 Menschen. Und das am ersten Tag. Es wird ähnlich sein wie bei „MoMa“, den Franzosen und Frida Kahlo. Bis 20. November werden ganztägig Interessierte in der Warteschlange halb um die Museumsinsel herum stehen. Um es gleich zu sagen: Es lohnt sich. In den abgedunkelten Räumen begegnen uns nicht nur kunstgeschichtliche Meisterwerke, sondern beinahe lebendige Menschen. Sie blicken uns an, sie schauen vornehm über uns hinweg, sie sind in sich versunken. Wer nicht warten will, ehe er zu den Renaissance-Menschen vorgelassen wird, der kann sich für 30 Euro mit einem Vip-Ticket den sofortigen Einlass erkaufen. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage der Staatlichen Museen zu Berlin.

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Phantasiegärtlein mit edlen Körpern

Nicht nachmachen, liebe Kinder!

„Wie kann man nur so einen Unfall bauen?“ Das fragen sich derzeit viele Berlin-Touristen, die am ehemaligen Postfuhramt in der Oranienburger Straße vorüber gehen. Dort liegt ein Auto mit den Reifen nach oben auf einer Treppe. Sieht fast wie ein Käfer aus, der hilflos mit der Rückseite auf dem Boden liegt und seine Beine in die Luft streckt. Hätten wir es wirklich mit einem Unfall zu tun, dann müsste der Fahrer einen beachtenswerten Salto hingelegt haben. So ist es aber nicht. Der Pkw, ein Golf II, ist mit viel Aufwand genau dort platziert worden und wirbt für eine Ausstellung im Postfuhramt (c/o Berlin). Das Auto gehörte dem Fotografen Sascha Weidner, bis vor kurzem fuhr er es noch. Nun erklingen aus seinem Inneren traurige Abschiedslieder. Sascha Weidner, in dessen fotografischem Werk Autos eine große Rolle spielen, wollte auf diese Weise seinem treuen Fahrzeug Adieu sagen. Die Lieder ließ er seine Freunde aussuchen. Sie durften sagen, was sie hören wollten, wenn ihre letzten 15 Minuten angebrochen wären.

Was spricht dagegen, mit der Badehose in die Oper zu gehen?

Das wichtigste Argument zuerst: Es ist für einen Kulturgenuss selbstverständlich nicht entscheidend, ob man ihn in der Badehose, im Arztkittel oder im dunklen Anzug mit Krawatte erlebt. Könnte ich Maria Callas oder Pablo Casals live singen bzw. spielen hören, dann würde ich notfalls auch eine Pappnase aufsetzen oder einen Wickelrock anziehen, wenn es nur auf diese Weise möglich wäre.

Und jetzt das Aber: Seit einigen Jahren fällt mir an den Berliner Häusern auf, dass die Kleidung mancher Opern- und Theaterbesucher immer freizeitmäßiger, gelegentlich sogar richtig schäbig ausfällt. Das ist ausdrücklich keine Geldfrage, meine ich. Eine dunkle Hose und ein Hemd haben sicher auch ärmere Menschen. Es müssen ja keine teuren Anzüge oder Lackschuhe sein. Außerdem beobachte ich gerade die Legeren oft dabei, wie sie am Pausenbuffet kräftig zuschlagen. Das spricht eindeutig gegen finanzielle Engpässe.

Es muss einen anderen Grund haben, dass etwa fünf Prozent der Theaterbesucher uns in offenen Treckingsandalen ihre Fußnägel zeigen, dass sie Shorts wie am Badestrand tragen und dass sie das älteste verfügbare geringelte T-Shirt aus dem Schrank holen. Wollen sie uns beweisen, dass ihnen Kleidung egal ist? Dass ihnen alles egal ist? Dass sie sich für ihre Krampfadern nicht schämen? Ich weiß es nicht und bitte um Aufklärung.

Bedauerlich ist es jedenfalls für diejenigen Kulturfreunde, die sich extra hübsch machen für ihren Opernabend. Die damit auch zeigen, dass diese Veranstaltung für sie etwas anderes ist als als der Alltag oder als der Besuch im Strandbad. Und die dann vor und nach der Vorstellung sowie in den Pausen nackte Männerbeine betrachten dürfen. Die Fotos oben und unten habe ich übrigens bei einer Aufführung von „Elektra“ an der Staatsoper im Schiller-Theater gemacht.

100 Jahre Max Frisch. Ein Schweizer, der sich in die Stadt Berlin verliebte.

Heute ist der 100. Geburtstag des Schriftstellers Max Frisch. Wie so viele andere Künstler verbrachte der Schweizer einige Jahre seines Lebens in Berlin, genauer: in der Sarrazinstraße 8 in Friedenau (Fotos). Dort traf er sich mit Günter Grass, Uwe Johnson, Jurek Becker. Gesprächspartner, wie er sie sonst nirgendwo auf so engem Raum – nämlich im Literatenviertel Friedenau – hätte finden können. Max Frisch war begeistert von der Stadt. Einige Zitate über Berlin aus seinen Werken:

„Grunewald, Krumme Lanke, Schlachtensee, Wannsee, eine Landschaft, die mich schon heute … mit sicherem Heimweh erfüllt. Was ist es? Die Kiefern im Sand, der Himmel zwischen den Kiefern, die Luft, die spröde Weite – jedenfalls  fühle ich mich unbändig wohl, man kennt sich selber nicht, oft versteige ich mich zu der fixen Idee, dass ich in dieser Luft ein ganz anderer, ein durchaus fröhlicher und sprühender Kerl geworden wäre.“

„Die Wohnung liegt in der Flugschneise Tempelhof; die Flugzeuge kommen niedrig, sodass es im Hinterhof dröhnt … dazwischen Stille,  Friedenau ….Genau die Art von Wohnung, die wir in Zürich vergeblich gesucht haben: einfach, aber mit hohen Zimmern. So sind wir denn in Berlin.“

„Wenn in Berlin ein Tapezierer fragt: Sind Sie denn der Schriftsteller? so sehe ich, daß mein Ja ihn erfreut. Der Mann (…) begrüßt es, dass ich einen Vorhang aufmachen lasse in Berlin, und macht seine Arbeit besonders gut. Man wird verwöhnt.“

Wohin der Berliner fährt, wenn er mal in Büchern baden will

Das brandenburgische und das mecklenburgische Hinterland schätzt der Berliner in der Regel nur wegen der Natur, denn die Kultur hat er ja schließlich selber zu bieten. Doch es gibt einige Ausnahmen. Das Bücherhotel in Groß Breesen, eineinhalb Stunden Autofahrt von der Hauptstadt entfernt, zählt dazu. Hier übernachtet der Gast inmitten von 300.000, manche sagen sogar: 400.000 Büchern. Genau gezählt hat das noch niemand. Auf den Zimmern, am Fensterbrett, im Eingangsbereich – überall haben Bücher ihren Platz. Man darf sie lesen, natürlich. Und auch nach Hause mitnehmen. Dann muss man allerdings für jedes mitgenommene Exemplar zwei andere hier lassen. Die Sammlung soll wachsen! Ein Ordnungsprinzip gibt es nicht. Zweifelhaftes wie „Die Jungfrau im Lavendel“ findet sich neben Herders philosophischen Vorlesungen. Lustig: Selbst die Hinweisschilder im Hotel sind Bücher. So wurde zum Beispiel das oben gezeigte Schild „Empfang“ aus einer Geschichte des Kommunismus hergestellt. Später Rache an Ulbricht, Honecker und Konsorten?