Der „Nürnberger Werther“: 1200 mal gestorben, kein Ende in Sicht

Es begann vor fast zwei Jahrzehnten in einem Klassenzimmer des Nürnberger Dürer-Gymasiums – und es wurde ein internationaler Erfolg. Das kann man von der „Werther“-Inszenierung des Schauspielers Philipp Hochmair und des Regisseurs Nicolas Stemann getrost behaupten, ohne den Mund zu voll zu nehmen. Sie wurde unter anderem in Paris, im Kaukasus, am Wiener Burgtheater und in Serbien aufgeführt. Nun hat der Monolog um Liebesleid und Selbstmord des jungen Rechtspraktikanten Werther auch die bekannteste Bühne Deutschlands erreicht. Weiter lesen

Wenn die Berliner „mit viel Knusper“ essen

Die Sache mit den Bratwürsten gestaltete sich etwas schwierig. Vor der Eröffnung des Berliner Bratwursthäusle, die jetzt eineinhalb Jahre zurückliegt, hatte man sich gerade vom namensgebenden Gericht des Gasthauses viel versprochen. Das müsste doch bei den Hauptstädtern gut ankommen, lautete die Vermutung. Besonders dann, wenn die Würste auf einem verglasten Showgrill mitten im Gastraum brutzeln.

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Der Nürnberger bleibt gern daheim

Die gebürtigen Berliner sind in ihrer Stadt schon lange nicht mehr die Hausherren. Sie stellen nur noch knapp die Hälfte der 3,6 Millionen Einwohner. Der Rest sind Zuwanderer aus Deutschland und aus dem Rest der Welt. Das erklärt auch, warum der Berliner Dialekt gar nicht mehr so oft zu hören ist. Weiter lesen

Wie man mit 1,5 Trachten und Schuhgröße 46 punkten kann

Broschüren und Flyer als Werbemittel gibt es schon genug auf der Welt, dachte sich die bayerische SPD-Landesgruppe im Bundestag. Sie hat nun eine andere Methode gefunden, um Namen, Fotos und Daten ihrer Abgeordneten unter das Volk zu bringen: als Quartettspiel.

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Selbstversuch: Für 15 Euro mit dem Fernbus von Berlin nach Nürnberg

Die Reise beginnt mit einer Schrecksekunde. Ich bin pünktlich am Berliner Busbahnhof nahe dem Funkturm, habe meine Fahrkarte dabei und führe nicht mehr als die maximal erlaubten drei Gepäckstücke mit mir. Aber nirgendwo auf den Hinweistafeln steht mein Zielort. Frankfurt ist zu lesen, Hamburg, Bremen, ja sogar Saarbrücken. Aber kein Nürnberg. Ist die Verbindung gestrichen? Habe ich für den falschen Tag gebucht? Weiter lesen

Die Sehnsucht nach Holzofenbrot und Leberwurst


Zu den härtesten Prüfungen, denen der nach Berlin ausgewanderte Franke ausgesetzt ist, zählt die Nahrungsmittelbeschaffung. Holzofenbrot, Brezen, Blut- und Leberwurst und Bratwürste werden zwar in etlichen Geschäften der Hauptstadt angeboten, aber… Weiter lesen

Der Hauch der Geschichte

Sieht aus wie ein 65 Jahre altes Stück Papier, ist ein 65 Jahre altes Stück Papier – und doch sehr viel mehr. Heute habe ich zum ersten Mal die Original-Anklageschrift der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse gesehen. Das gute Stück ist so wertvoll bzw. empfindlich, dass man es nur mit Handschuhen anfassen darf. Normalerweise ist es in der Bibliothek des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag verwahrt.

Begegnet ist mir die Anklageschrift am Berliner Kammergericht. Bei einer Veranstaltung, in der für das Nürnberger Memorium geworben wurde – die neue Erinnerungsstätte für die Kriegsverbrecherprozesse. Es handelt sich dabei um ein kleines Museum mit Einblick in den Original-Gerichtssaal, in dem von November 1945 an verhandelt worden war. Unter anderem gegen Hermann Göring, Rudolf Heß, Julius Streicher und Joachim von Ribbentrop.

Ich habe zwei Berliner verspeist

Gerade wollte ich ein paar Silvesterkrapfen kaufen, beim Bäcker um die Ecke. Und da ist es mir wieder mal passiert. Ich sagte leichtsinnig dahin „Bitte fünf Krapfen“. Das hat in Berlin-Moabit ungefähr die Wirkung, als ob man “ Bitte fünf Zcfgjkbvgjk“ sagen würde. Denn in der Hauptstadt kennt man keinen Krapfen nicht, wie es der Abgeordnete Josef Filser formuliert hätte. Das heißt hier „Pfannkuchen“. Ein wenig verwirrend, denn „Pfannkuchen“ bedeutet zu Hause in Bayern wiederum etwas ganz anderes.  Wer übrigens mal nach Hamburg fährt, der sollte weder „Krapfen“ noch „Pfannkuchen“ sagen, denn man wird ihn nicht verstehen. Dort heißt diese Sorte Gebäck seit jeher „Berliner“. Angeblich existieren für nahezu dieselbe Sache in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch über ein Dutzend weiterer Namen. Ich habe gerade übrigens meinen zweiten Berliner verspeist.

Im Prinzip könnte man aus der Angelegenheit ein Studienfach mit mindestens Bachelor-Abschluss machen. Die Damen und Herren Studenten könnten uns dann erklären, was genau der Unterschied zwischen Kraut-, Kirchtags- und Punschkrapfen ist. Alleine das Nebenfach Krapfen-Füllungen (Hiffenmark, Pflaumenmus, Aprikosenkonfitüre, ja gelegentlich kommen sogar Senf oder Speck vor) müsste mindestens in einem einsemestrigen Proseminar behandelt werden. Ganz zu schweigen von verwandtschaftlichen Nebenlinien wie dem Kameruner, den Ausgezogenen und den Kiechli. Es wird höchste Zeit für die Einführung der Krapfologie, Frau Schavan, wenn Sie unser Land nicht ganz zu Grunde richten wollen!

Bitte, Berliner, bellt!

Im Laufe meines bisherigen Lebens hatte ich das Vergnügen, fünf deutsche Kleinvölker näher kennen zu lernen: die Oberpfälzer (da bin ich aufgewachsen), die Württemberger (da habe ich studiert), die Mittelfranken (da habe ich lange Zeit gearbeitet), die Hamburger (da reiste ich der Liebe wegen hin) und die Berliner (da lebe ich seit einigen Jahren). Lediglich einem von diesen fünf Völkern wird ständig unterstellt, es sei frech, vorlaut und aus Prinzip unhöflich zu Fremden. Richtig geraten: Das sind die Berliner.

Doch diese Behauptung ist falsch, der Vorwurf ungerecht. Auch wenn es noch so oft wiederholt wird. Ich muss es wissen, denn ich habe schließlich den Vergleich. Summa summarum bin ich in der Hauptstadt nicht anders behandelt worden als in der Oberpfalz, in Württemberg, in Hamburg und in Mittelfranken. Das heißt, mal mehr und mal weniger freundlich. In Wirtschaften, Ordnungsämtern, Linienbussen. Statistisch relevante Unterschiede gibt es nicht.

Trotzdem meint neuerdings die Berliner Obrigkeit, ihre Bürger dressieren zu müssen wie einst die Jacobs Sisters ihre Pudel. Immer sollen die Hauptstädter Pfötchen geben und niemals irgendwelche Fremden anbellen. “Mit Herz und Schnauze” heißt die gerade erst vorgestellte, 200.000 Euro teure Werbekampagne. Polizisten, Busfahrern, Straßenkehrern wird eine Anstecknadel mit einem “Info-I” verpasst, was bedeuten soll, dass sie jeder ansprechen darf, der eine Auskunft braucht.

Auch ich dürfte mir so ein Herz-Schnauze-Ding abholen, wenn ich wollte. Will ich aber nicht, denn ich bin ohne Anstecker höflich zu den Menschen. Oder nicht. Je nach Stimmungslage. Vom Bürgermeister lasse ich mir das schon gar nicht vorschreiben. “Coming soon: das freundlichere Berlin” heißt es auf einer der Postkarten, die im Moment verteilt werden. Coming now: das Ende des Weblog-Eintrags. Because of being angry.