Berlins verwunschenste Ecke

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Wenn man zur richtigen Zeit hierher kommt, dann ist man fast alleine und kann sich fast ein wenig wie die preußischen Könige vergangener Jahrhunderte fühlen. Denn die haben einige Zeit lang die verwunschene Pfaueninsel im Südwesten Berlins besucht, wenn sie mal ein paar Tage lang mit ihrer Familie oder engsten Freunden ungestört sein wollten. Ungestört hieß natürlich nicht, dass nicht wenigstens eine Köchin, ein Leibbursche und einige andere Angestellte dabei gewesen wären.

Die Pfaueninsel ist nicht allzu groß. Wer einigermaßen gut zu Fuß ist, hat sie in 15 bis 20 Minuten der Länge nach durchwandert. Aber es gibt hier trotzdem einiges zu sehen: ein Schloss, ganz aus Holz gebaut, einen landwirtschaftlichen Betrieb im Stil vergangener Jahrhunderte, ein Gästehaus, einen aufwändig verkleideten Jagdunterstand, ein Tempelchen und ein Fährhaus. Letzteres ist wichtig, weil die Insel nur mit einer Fähre erreicht werden kann.
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Um das Eiland ranken sich einige Geschichten. Ein Alchimist hatte eine Hütte im Wald, experimentierte mit der Glas- und vielleicht auch mit der Goldherstellung. Sogar der König kam gelegentlich zu Besuch. Ein anderer König, Friedrich Wilhelm II., verbrachte hier die Zeit mit seiner Geliebten Wilhelmine Enke. Und über lange Zeit lebte eine zwergenhafte Hofdame hier, deren Schicksal (mit sehr viel Phantasie angereichert) in dem Roman „Pfaueninsel“ von Thomas Hettche beschrieben ist.
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Mir selbst gefällt es am besten, ohne konkretes Ziel über die Insel zu stromern, Brotzeit auf einer Wiese zu machen, am besten noch ein gutes Buch dabei zu haben. Hier – und wirklich nur hier – kann man eine in Deutschland wahrscheinlich einzigartige Geräuschkulisse erleben: die Mischung aus Pfauenschreien (es gibt mindestens 20 von ihnen hier) und Flugzeugmotoren (zum Glück aus großer Höhe und nicht sehr störend). Von Berlin-Mitte aus dauert es übrigens mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur knapp eine Stunde bis auf die Insel.

Ach ja, die Eingangsfrage ist noch nicht geklärt. Wann kommt man denn am besten auf die Pfaueninsel? Zu empfehlen ist die Vor- oder Nachsaison (bis Mai und ab Oktober) oder aber auch in der Hauptsaison, dann aber wenn möglich unter der Woche gleich am Morgen oder am Nachmittag. Da ist es am ruhigsten.