Psssssst! Hier geht es um Spione.

Versteht sich von selbst: neugierige Blicke am Eingang des Spy-Museums

Eigentlich dürfte es so etwas gar nicht geben. Spionen ist es am liebsten, wenn niemand über sie redet und wenn sie niemand sieht. Da ist es schon ein gewisser Widerspruch, dass in Berlin ein Spy-Museum eröffnet hat. Es hat sich ganz und gar der Geschichte und dem Alltag der Spionage verschrieben – eine höchst verschwiegenen Tätigkeit.

Das Museum selbst macht, logischerweise, ganz und gar kein Geheimnis um sich. Es will ja auch möglichst viele Besucher haben. Deswegen wird überall in der Stadt dafür geworben und über dem Eingang steht in großen Lettern gleich zwei Mal geschrieben, worum es hier geht: „Spy-Museum“. Spionieren ist eben international, da kommt man mit Deutsch nicht weit.

Agenten gab es quasi schon immer. Schon der griechische Historiker Herodot berichtete vor 2500 Jahren von einem Täuscher namens Zopyros. Er soll sich selbst verstümmelt haben (unter anderem die Ohren abgeschnitten), um im Auftrag der Perser Zugang zum belagerten Babylon zu erhalten. Dann hat er, der Legende nach, seine Gastgeber bei der erstbesten Gelegenheit verraten.

Das Spionagemuseum von außen: Hier ist gar nichts geheim.

Wie das ganz genau war mit Zopyros, das weiß natürlich keiner. Vielleicht steckt viel Phantasie in den Erzählungen, so wie beim bekannteste Spion der Geschichte: James Bond. Den gab es nie, er ist eine Erfindung des Schriftstellers Ian Fleming. Und doch hat er unser aller Agentenbild mit schnellen Autos, schönen Frauen, raffinierten Waffen und chauvinistischen Sprüchen unauslöschbar geprägt.

Im Berliner Spy-Museum werden auf rund 3000 Quadratmetern mehr als 1000 Ausstellungsstücke gezeigt, das reicht vom Chiffriersystem Julius Cäsars bis zu den neuzeitlichen Whistleblowern wie Edward Snowden, der bekannt machte, wie sehr der amerikanische Geheimdienst NSA uns alle ausspioniert hat.

Der Besucher lernt widerwärtige Geheimdienstmethoden kennen, die er sich wohl im Traum nicht vorgestellt hätte. So wird in dem Museum unter anderem erläutert, dass die Stasi, die ihr Hauptquartier in Berlin hatte, sogar die Köpergerüche von Dissidenten archivierte, um sie im Bedarfsfalle mit Hilfe von Hunden jagen zu können. Auf einer digitalen Wand ist zu sehen, wo überall in Berlin während des Kalten Krieges ein Unterschlupf von West- oder Ost-Spionen befand.

Faszinierend sind die interaktiven Stationen des Museums. Man kann zum Beispiel wie ein Top-Spion einen Tunnel durchqueren, der durch Laserstrahlen alarmgesichert ist. Anschließend erfährt der Absolvent, wie gut er im Vergleich mit anderen Agenten (vulgo: Besuchern) war. Und man wird allerorten gefilmt – von unzähligen Überwachungskameras. Die Leitung des Hauses versichert hoch und heilig: Nichts davon wird gespeichert. Auch das Museumscafé hat sich übrigens dem Motto des Hauses angepasst. Deswegen werden hier Leibgerichte von berühmten Spionen serviert.

Spy-Museum, Leipziger Platz 9 (nahe Potsdamer Platz), 10117 Berlin, geöffnet täglich von 10 bis 20 Uhr, Eintrittspreis 18 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro).