Ein Bier zum Knutschen und zum Nacktbaden

Katharina Kurz

Katharina Kurz

Eine junge Fürtherin produziert in Berlin ein sehr angesagtes Bier. Ohne Vorkenntnisse im Brauereigeschäft hat Katharina Kurz die Marke „Brlo“ aufgebaut. Aus einer spontanen Idee heraus…

Das Lokal, in dem wir uns treffen, liegt ganz nahe am Rosa-Luxemburg-Platz. Eine spannende Gegend, denn hier tickt Berlin einerseits sehr links. Frank Castorfs Volksbühne und der Hauptsitz der Linkspartei sind in Sichtweite. Andererseits haben sich hier aber teuerste kleine Manufakturläden für Schreibwaren, Hüte, Küchengeräte niedergelassen. Katharina Kurz hat diesen Ort ausgesucht. Das „Kaschk“ ist eine Craft-Beer-Bar. Der Begriff ist in Deutschland – noch – erklärungsbedürftig. Craft-Beer meint Sorten, die nicht der Produktpalette großer Konzerne entspringen, sondern die von kleinen Brauereien auf den Markt gebracht werden, oft mit ganz besonderen Geschmacksrichtungen und in traditioneller handwerklicher Herstellung.


An einer Wandtafel im „Kaschk“ sind die Biere notiert, die es hier zu kaufen gibt. Darunter zwei Mal das Brlo. Auch dieses Wort muss man erklären. Es handelt sich um einen alten, slawischen Namen für Berlin. Ausgesprochen wird es „Berlo“. Die Flaschen sind schlank, die Etiketten sehr schlicht gehalten, das ganze sieht sehr stylish aus.  Bisher bieten Katharina Kurz und ihre beiden Mitstreiter (Christian Laase, ein Freund aus Studienzeiten, und Michael Lembke, ein Diplom-Braumeister) drei Marken an. Das eine ist der Klassiker, ein Helles. Das andere ist ein „Pale Ale“, ein Bier im englischen Stil mit fruchtigem Hopfenaroma – zweifelsohne ungewöhnlicher für deutsche Geschmäcker als das Helle, aber eben auch interessanter. Die Chefin schwärmt davon. Das dritte ist ein Dunkles namens „Porter“.


Weil es nicht schaden kann, wenn zum trendigen Bier auch eine gute Geschichte mitgeliefert wird, empfehlen die Brlo-Macher in ihrer Werbung die erste Sorte „zu Steak und Salat, zur Party im Park und zur Zigarette“. Auch „zwischendurch beim Knutschen“ eignet es sich nach Herstellerangaben. Das Pale Ale passt hingegen „zu Wild, würzigem Käse und einer kräftigen Zigarre am Kamin“. Eine zusätzliche, vermutlich eher seltene Verwendungsmöglichkeit: „Macht sich auch besonders gut beim Nacktbaden.“

Wie kommt sie als promovierte Betriebswirtin ausgerechnet dazu, eine Brauerei zu gründen? Die 31-Jährige lacht, denn das hat sie schon oft beantworten müssen. Seit sie in Australien und in Nordamerika die Craft-Beer-Bewegung kennenlernte, war sie an diesem Thema interessiert. Die Idee, „irgendwann mal was mit Bier zu machen“, ließ sie nicht mehr los. Und eines Abends, bei Gesprächen in einer Kneipe, wurde daraus eine ernst gemeinte Geschäftsidee. Natürlich verfügt Brlo noch nicht über eine Brauerei mit allem Drum und Dran. Das würde viel zu hohe Investitionen erforden. Statt dessen betreibt die junge Firma das „Gypsy-Brewing“. Das heißt, sie nutzt die Infrastruktur anderer Brauereien, um dort zu brauen. Allerdings streng nach den eigenen Regeln.

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