Die Sehnsucht nach Holzofenbrot und Leberwurst


Zu den härtesten Prüfungen, denen der nach Berlin ausgewanderte Franke ausgesetzt ist, zählt die Nahrungsmittelbeschaffung. Holzofenbrot, Brezen, Blut- und Leberwurst und Bratwürste werden zwar in etlichen Geschäften der Hauptstadt angeboten, aber…
…sie schmecken leider häufig nicht nach dem, was ihr Name verspricht, sondern es handelt sich um matte und lätschige Kopien.

Unter den Exilierten gibt es deswegen regelrechte Tauschbörsen. Wer über´s Wochenende in die Heimat fährt, der wird – zum Beispiel – von den Freunden dazu verdonnert, eine Halbjahresration von Bratwürsten mitzubringen. Um die Kühlkette nicht zu lange zu unterbrechen, muss die Autofahrt vor allem in den Sommermonaten möglichst ohne Unterbrechungen absolviert werden. Das hat ein Trink- und Essverbot vor und während der Reise zur Folge. Auch nicht schön.

Es gibt aber in Berlin auch einen festen Anlaufpunkt, den die meisten Zugewanderten früher oder später ansteuern. Das ist die „Fränkische Botschaft“ im Stadtteil Schöneberg (Hohenstaufenstraße 64). Hier werden fast all die Produkte angeboten, die man sonst mühsam auf eigene Faust importieren muss. Friedrich Zapp und Mona Kastner, die Betreiber des Ladens, sind 2007 in die Hauptstadt gekommen. Beide stammen aus Bamberg. Die Geschäftsidee ergab sich wie von selbst. „Wir haben einfach das Essen vermisst“, sagt Mona Kastner.

Es fing klein an, mit einer Handvoll Produkte, die das Paar von der eigenen Wohnung aus vertrieb. Bis heute sind über 100 verschiedene Lebensmittel und über 40 Biersorten daraus geworden. Alleine 28 fränkische Metzger dienen als Lieferanten, denn man will von jedem nur das beste haben, also von dem einem die Gelbwurst und vom dem anderen die Pfefferbeißer. Aus Nürnberg kommen, wie sollte es anders sein, die Lebkuchen, die Stadtwurst und ein paar andere Produkte.

Die Kunden sind zu 80 Prozent Franken, aber gelegentlich auch Berliner, die im Urlaub auf den Geschmack gekommen sind. Täglich treffen Warenlieferungen aus Mittel-, Ober- und Unterfranken in Schöneberg an und etwa alle vier Wochen fahren die Ladeninhaber selbst in den Süden, um die Kontakte zu pflegen und Neues auszuprobieren.

Was bekommen die Ladeninhaber am häufigsten von ihren Kunden zu hören? Dass sie endlich mal wieder gutes Brot essen wollen. Berlin hat für seine Größe (3,4 Millionen Einwohner) erstaunlich wenige Bäcker und Metzger zu bieten, insbesondere nur vergleichsweise wenige kleine Handwerksbetriebe. Den Löwenanteil des Geschäfts bestreiten Filialisten. Und wenn schon mal feine Produkte in alter Handwerkstradition angeboten werden, dann in Szeneläden mit Mondpreisen.

Zum Lokalkolorit, das in der Hohenstaufenstraße vermittelt wird, gehören auch Fahnen mit dem rot-weißen Frankenrechen, ein Club-Kalender an der Wand sowie T-Shirts und Sticker mit patriotischen Sprüchen. Und auf einer Schiefertafel wird den Kunden in Kreideschrift etwas gewünscht, was zufällig hereingeschneite Berliner auf Anhieb gar nicht verstehen dürften: „Aan Gud´n!“

Wer übrigens mehr über Nahrungsmittel, Kochen und Essen erfahren will, der ist hier bestens aufgehoben: Aus meinem Kochtopf