Sie können den Kommentaren zu diesem Posting über diesen RSS 2.0-Feed folgen.
Sie können einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback von Ihrer eigenen Seite setzen.
Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen.

Wenn Du nicht mehr in Deine Kneipe darfst, weil Brad Pitt dort sitzt
Es fängt ganz harmlos an. Mit einem Brief, der mit Tesafilm an der Haustüre oder auf dem schwarzen Brett im Flur befestigt ist. „Verehrte Anwohner“ heißt es da in sehr unterwürfigem Tonfall – und meistens ahnt man schon, was dann kommen wird. Es finden wieder mal Dreharbeiten statt. Das kann ein Berliner, wenn er Pech hat, in seiner Straße fünf bis sechs Mal pro Jahr erleben.
Nur beim ersten Mal freut man sich noch darüber. Denn da überwiegt die romantische Vorstellung, dass die eigene Nachbarschaft, der geliebte Kiez, für wert befunden wird, im Fernsehen oder im Kino gezeigt zu werden. Manche hoffen vielleicht sogar, dass sie ganz nebenbei zu einer Statistenrolle kommen, wenn sie das Haus verlassen oder zum Fenster hinausschauen.
Die Wahrheit sieht anders aus. Zunächst werdenTage zuvor weiträumig Halteverbotsschilder aufgestellt. Nun sind aber meistens dort, wo gerne gedreht wird, zum Beispiel in Berlin-Mitte, die Parkplätze sowieso schon knapp. Es fehlen also auf einen Schlag weitere zehn bis 20 wertvolle Parkplätze. Anschließend rücken die Monster-Trucks an. Einer für die technische Ausrüstung, einer für Schminke und Garderobe, einer mit der mobilen Kantine. Um diese Riesen herum muss man als Anwohner Slalom laufen.
An einen Gastauftritt (und vielleicht die Entdeckung als Filmschauspieler) ist nicht zu denken. Denn die Nachbarschaft wird von Ordnungskräften weiträumig vertrieben, wenn die eigentlichen Aufnahmen beginnen. Das versteht sich von selbst, denn meistens sind wir Anwohner für diesen speziellen Film falsch angezogen. Oder zu jung, zu alt, zu deutsch, zu ausländisch, zu reich, zu arm.
Selbst die letzte Hoffnung, die uns noch bleibt, nämlich die eigene Umgebung später mal ausführlich im Kino sehen zu können, wird zerstört. Von den drei Tagen Dreharbeiten bleiben meistens nur ein paar Sekunden im Film übrig, so dass man kaum sagen könnte, an welchem Ort das ganze überhaupt spielt.
Im schlimmsten Falle rauben einem der Kinofilm, die Seifenoper oder der Krimi sogar die Lieblingskneipe. Solche Örtlichkeiten sind bei Regisseuren sehr begehrt. Sie müssen ja auch Ess- und Trinkenszenen drehen und mieten darum für ein, zwei Tage komplette Lokale an. Das ist nicht ganz billig, weil dem Wirt die Verluste ersetzt werden müssen. Aber richtig hart ist es für den Stammgast, der, nachdem er sein Auto einen halben Kilometer weit entfernt parken musste, noch nicht einmal sein gewohntes Bier erhält. An seiner Stellen sitzen dann, das kann durchaus vorkommen, Tom Cruise oder Brad Pitt.