Kennzeichen „0“ – die Lizenz für rüpelhaftes Autofahren

Die „0“ im Kennzeichen macht den Unterschied aus. Wer damit im Straßenverkehr unterwegs ist, der muss sich nicht die Sorgen eines normalen Autofahrers machen. Mal eben zwei Stunden im Parkverbot stehen bleiben? Mit einem eher flotten Tempo durch die 30er Zone gefahren? Etwas zu viel Bier getrunken und nicht mehr ganz fahrtüchtig? Alles kein Problem, denn die Polizei kann gegen einen Diplomaten kaum etwas unternehmen. Sein rechtlicher Sonderstatus schützt ihn. In Berlin ist das besonders dramatisch, denn auf den Straßen der Hauptstadt sind täglich bis zu 1500 Fahrzeuge mit dem „0“er Kennzeichen unterwegs. Drei Diplomaten aus Korea setzten nach dem Besuch einer Karaoke-Bar ihren Mercedes stark alkoholisiert auf den Mittelstreifen, ein Kollege aus Katar fuhr einen Rentner an. Für deutsche Täter hätte es spürbare Strafen gegeben, hier durften die Polizisten nach einem Blick in den Diplomatenpass nicht einmal richtig ermitteln.  Einschreiten können sie ausschließlich, wenn erhebliche Gefahr im Verzuge ist. Ansonsten besteht die einzige Chance darin, die Betroffenen beim Auswärtigen Amt zu verpetzen. Nur ganz selten wird den Botschaften dann allerdings nahe gelegt, ihren Mitarbeiter in die Heimat zurückzuschicken. Als Diplomat ist man offensichtlich eine Art Mini-James-Bond – mit der Lizenz zum rüpelhaften Autofahren.