Kanzleramt und Krematorium – wie passt das zusammen?

“Tag des Krematoriums” – im ersten Moment mutet das etwas seltsam an. Behörden, Firmen und Schulen haben einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür, klar. Mit Musik, Spielen und Eintopf. Aber Krematorien? In Berlin ist das seit einiger Zeit so üblich am Totensonntag. Mit der gebotenen Diskretion werden Hunderte von Besuchern durch die offiziellen Räume, aber ebenso durch das klimatisierte Sarglager, bis hin zu den Verbrennungsöfen und den Knochenmühlen geführt. Warum auch nicht? Der Ort, von dem aus sich viele von uns eines Tages mal von der Welt verabschieden, ist ja nicht gerade der uninteressanteste Ort, den man sich vorstellen kann.

Die Hauptstadt hat mit dem Krematorium am Baumschulenweg eine besonders interessante Einrichtung dieser Art zu bieten. Wer sich ihr nähert, der fühlt sich stark an das Kanzleramt in Berlin-Mitte erinnert. Nicht von ungefähr, waren doch mit Axel Schultes und Charlotte Frank dieselben Architekten am Werk. Viel Sichtbeton, in den Himmel wachsende Säulen, große Fensterfronten – bis hin zum Detail eines Rednerpultes wird eine sehr ähnliche Sprache gesprochen. Ein Glück, dass die beiden Architekten das ursprüngliche Konzept der Stadt komplett über den Haufen warfen. Sie legten Wert darauf, dass Abschiedsräume im Erdgeschoss und Verbrennungsräume im Keller mit denselben Baustoffen entworfen werden. Der Technik-Bereich, den selten jemand zu Gesicht bekommt, wirkt nicht ungepflegter und mit weniger Aufmerksamkeit gestaltet als die Repräsentationsbereiche. Die eigentlichen Kunden sehen es zwar nicht mehr, aber spielt das denn eine Rolle?  (Fotos: Baumer)

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