Montag, Mai 17th, 2010 von Harald Baumer

Lady Gaga kam kurz nach mir

Der Berghain ist ein sagenhafter Ort in Berlin. Er liegt, wie der Name schon sagt, an der Grenze der Stadtteile KreuzBERG und FriedrichsHAIN. Es handelt sich um einen Techno-Club. Nur für diejenigen gesagt, die da nicht so gut informiert sind. Allerdings nicht um irgendeinen Techno-Club. Bis vor einiger Zeit war es einer Umfrage zu Folge der beste Techno-Club der Welt. Das will etwas heißen, es gibt ja auch noch Städte wie New York und London.

Wie kommt man da rein? Weg eins: Man stellt sich, wenn´s blöd läuft,  ein paar Stunden in der Schlange an und erfährt, dass man doch irgenwie nicht dazu passe zu dem coolen Volk. “Strikte Türpolitik” wird das in Fachkreisen genannt. Weg zwei: Man zählt zu den wenigen Super-Stars der Welt wie etwa Lady Gaga, die gerade erst nach ihrem Auftritt in Berlin eine Nacht im Berghain durchfeierte.

Nun bin ich weder berühmt noch habe ich Lust, mich der spontanen Entscheidung eines muskelbepackten Aufsehers auszuliefern. Darum habe ich den (seltenen) Weg drei gewählt und einfach eine Eintrittskarte gekauft. Das geht normalerweise nicht – nur dann, wenn zum Beispiel der Rundfunkchor Berlin zur Aufführung eines höchst schwierigen Stücks moderner Musik (Gustav Holsts “Savitri”) in den Club einlädt.

Ich war also auch drin im Berghain, sogar noch kurz vor Lady Gaga. Ein Türsteher versicherte mir, die Musik sei heute nur etwa ein Zehntel so laut wie normal. Zum Glück. Und wie sieht´s im besten Club der Welt aus? Eine 20 Meter hohe Halle, rohe Betonwände, Eisentreppen, Zwischenebenen, viele dunkle Ecken (berüchtigt), wenig bequeme Steinsofas und eine – in diesem Falle – einzigartige Mischung aus bravem Studiosus-Publikum und  Menschen, die man auch sonst hier reinlassen würde. Erstere wirkten kaum anders, als würden sie die Pyramiden von Gizeh besichtigen. Letztere waren davon verständlicherweise etwas genervt. Aber inzwischen haben sie ja wieder ihre Ruhe. Wenn man in diesem Zusammenhang von Ruhe sprechen kann.


Kategorie: Stadtleben
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