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Bekenntnisse eines Kino-Hassers
Darf man das überhaupt sagen? Dass einen Kino kaum interessiert. Ich traue mich mal, obwohl ich quasi nur Bekannte habe, die Viertel-, Halb- oder Vollcineasten sind. Für sie ist natürlich die Berlinale das, was für mich ein Besuch bei einem Wiener Zuckerbäcker ist. Leckerleckerlecker!
Ob ich es mag oder nicht, spielt sowieso keine Rolle. In Berlin wird nur noch über die Berlinale geredet. Ach was, geredet: Es hängen Berlinale-Fahnen herum, es gibt Berlinale-Brötchen und eine Zeitung hat ihren Kulturteil gleich in Berlinale umbenannt. Unzählig die Rückblicke, die in den vergangenen Tagen gedruckt, gesendet und ins Internet gestellt wurden. Schlichtweg deswegen, weil es aktuell noch nichts zu berichten gab. Nun kenne ich, unfreiwillig, jeden Regisseur mit Vor- und Nachnamen, der in den vergangenen 60 Jahren auch nur mal daran gedacht hat, die Filmfestspiele zu besuchen.
Mein Gott, was für ein Banause. Mag das Kino nicht. War 2008 in keinem und in den Jahren 2009 und 2010 jeweils nur in einem Kinofilm, wie er uns auch noch ungefragt aufdrängen muss. Das werden jetzt die geneigten Leserinnen und Leser denken. Recht haben sie. Trotzdem schaue ich mir auch in Zukunft lieber Tänzer, Musiker und Schauspieler an, die direkt vor mir stehen und in diesem Moment auftreten und alles verpatzen oder großartig sein können. Aber ich gönne selbstverständlich den Kinobesuchern ihren Spaß. Ich wünsche sogar der Berlinale einen guten Verlauf, wie unsere Politiker bei solchen Anlässen zu sagen pflegen.
Ach ja, einer spricht dann doch noch für mich. Das ist Thomas Mann. Er lässt seine Hauptperson im “Zauberberg”, Hans Castorp, ein Bioskop-Theater besuchen, einen Vorläufer unseres Kinos. Und da heißt es dann:
“Wenn aber das letzte Flimmerbild einer Szenenfolge wegzuckte, im Saale das Licht aufging und das Feld der Visionen als leere Tafel vor der Menge stand, so konnte es nicht einmal Beifall geben. Niemand war da, dem man durch Applaus hätte danken, den man für seine Kunstleistung hätte hervorrufen können. (…) Das Schweigen der Menge nach der Illusion hatte etwas Nervloses und Widerwärtiges. Die Hände lagen ohnmächtig vor dem Nichts.”