Frostzeiten, Frustzeiten

Blick aus dem Bürofenster bei minus 11 Grad Celsius.
Heute war meine alte Bekannte, Frau S., wieder mal da. Ich habe sie zuvor schon länger nicht gesehen. Um genau zu sein: Mehr als zwei Wochen war sie fort. Zunächst vermisste ich sie nicht, das gebe ich zu. Nach einiger Zeit aber schon. Da ist mir erst mal klar geworden, was ich eigentlich schon längst wusste: Dass es ohne sie nicht geht. Weder für mich noch für alle anderen Menschen. Es wäre ständig bitterkalt und wir würden trübsinnig, wenn Frau S. sich komplett verabschieden würde.
Die Berliner haben genau mitgezählt: … 11 Tage, 12 Tage, 13 Tage, 14 Tage, 15 Tage, 16 Tage war sie weg. Die Sonne hatte sich natürlich nicht ganz verabschiedet – das weiß ich wohl, liebe Planetenforscher – sonst hätten wir ja im Dunklen leben müssen. Aber man konnte sie durch den grauen Himmel hindurch nicht erkennen. Seit fast 50 Jahren soll das hier nicht mehr so lange am Stück vorgekommen sein.
Dass man trotzdem gerade in den vergangenen Tagen immer wieder Menschen mit Sonnenbrille sehen konnte, hat rein gar nichts zu sagen. Da war ja Modewoche in Berlin und manche der Herren Modezaren machen den Eindruck, als ob sie aus Coolness ihre Sonnenbrille nicht einmal nachts im Bett ablegen würden.
Obwohl heute die Sonne wieder aufgetaucht ist, blieb es trotzdem bei bis zu minus 11 Grad Celsius. Der Schnee auf der Bürgersteigen tritt sich immer mehr fest und hat die halbe Hauptstadt inzwischen in eine Art Eislaufbahn verwandelt. Betagte, nicht mehr so ganz standsichere Menschen, Fuß- und Beinkranke können seit der Neujahrsnacht im Grunde kaum noch guten Gewissens aus dem Haus, so glatt ist es. Das geht aber natürlich nicht, weil irgendwann die Vorräte aus sind. Und so bewegen sie sich im Tempo von etwa einem Stundenkilometer vorwärts, die Armen.
Besserung ist nicht in Sicht. Frostzeiten, Frustzeiten.

Die Spree - nach dem Besuch des Eisbrechers.

3 Kommentare
Hallo Uli, ich nehme alle Jammerei zurück angesichts Eures Schicksals in Nürnberg. Ein wesentlicher Unterschied bleibt aber: Wenn ich mich recht erinnere, sind die fränkischen Hausbesitzer sehr viel zuverlässigere Gehsteigvomeisbefreier als die Berliner. Denen scheint es wurst zu sein, die manchen oft gar nichts.
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@Harald Baumer: Da geht es euch in Berlin ja noch richtig gut mit der Sonne. In der Region Nürnberg hat sich Frau S. bis zum 20. Januar gerade einmal 0,4 Stunden gezeigt. Manch einer fragt sich schon, wie er wieder zu guter Stimmung kommen soll. Hier einige Möglichkeiten zur Auswahl: http://vote.nordbayern.de/nn/index.asp?q=669