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Viele Grüße vom Friedhof! Es ist sehr schön hier.
Die Überschrift ist nicht zugespitzt und auch nicht bildhaft. Nein, sie meint genau das, was sie sagt: “Viele Grüße vom Friedhof! Es ist sehr schön hier.”
Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich nämlich (zum Glück liege ich nicht) auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin.
Dort dürfte es das deutschlandweit einzige Friedhofs-Kaffeehaus geben. Nicht irgendwo in einer Nebenstraße, 500 Meter entfernt, nein, direkt auf dem Gottesacker. Das Café hat einen etwas ungewöhnlichen Namen: “Finovo“. Das kommt von “Fin”, dem Ende, und “novo”, dem Neuen, dem Anfang. Recht passend für so einen Ort.
Berühmte Menschen liegen auf dem Matthäus-Kirchhof begraben – die Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm, der Komponist Max Bruch, der Arzt Rudolf Virchow und der Schulreformer Adolph Diesterweg.
Das Grab der Gebrüder Grimm
Aber mich interessieren das Kaffeehaus und dessen Betreiber Bernd Boßmann (gelernter Krankenpfleger, Akrobat, Schauspieler). 2005 ist ihm das leer stehende Häuschen des ehemaligen Friedhofsverwalters aufgefallen und er hat darin sein Finovo eröffnet. Möbel aus zweiter Hand, auch ein wenig Nippes lassen den Ort so erscheinen wie Omas Wohnzimmer. Hier treffen sich unterschiedlichste Menschen. Trauernde, die gleich nach der Beerdigung ihre Abschiedsfeier von Verwandten oder Freunden hier veranstalten können. Kulturbeflissene, die mal schnell bei den Gebrüdern Grimm vorbeischauen wollten. Oder auch nur Spaziergänger.
Ein spannender Versuch, die Lebenden und die Toten einander näher zu bringen, den Friedhof auch über den Pflichtbesuch zum Totensonntag und an Weihnachten hinaus zu einem Ort zu machen, an dem man sich gerne aufhält. Und gleich wird auch die vom Chef selbst gebackene Brombeer-Baiser-Torte fertig sein. Aber das nur am Rande.
Das Finovo von außen...
... und von innen mit Kaffeehausbetreiber Bernd Boßmann. Alle Fotos: Baumer/NN