Ich habe zwei Berliner verspeist

Gerade wollte ich ein paar Silvesterkrapfen kaufen, beim Bäcker um die Ecke. Und da ist es mir wieder mal passiert. Ich sagte leichtsinnig dahin “Bitte fünf Krapfen”. Das hat in Berlin-Moabit ungefähr die Wirkung, als ob man ” Bitte fünf Zcfgjkbvgjk” sagen würde. Denn in der Hauptstadt kennt man keinen Krapfen nicht, wie es der Abgeordnete Josef Filser formuliert hätte. Das heißt hier “Pfannkuchen”. Ein wenig verwirrend, denn “Pfannkuchen” bedeutet zu Hause in Bayern wiederum etwas ganz anderes.  Wer übrigens mal nach Hamburg fährt, der sollte weder “Krapfen” noch “Pfannkuchen” sagen, denn man wird ihn nicht verstehen. Dort heißt diese Sorte Gebäck seit jeher “Berliner”. Angeblich existieren für nahezu dieselbe Sache in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch über ein Dutzend weiterer Namen. Ich habe gerade übrigens meinen zweiten Berliner verspeist.

Im Prinzip könnte man aus der Angelegenheit ein Studienfach mit mindestens Bachelor-Abschluss machen. Die Damen und Herren Studenten könnten uns dann erklären, was genau der Unterschied zwischen Kraut-, Kirchtags- und Punschkrapfen ist. Alleine das Nebenfach Krapfen-Füllungen (Hiffenmark, Pflaumenmus, Aprikosenkonfitüre, ja gelegentlich kommen sogar Senf oder Speck vor) müsste mindestens in einem einsemestrigen Proseminar behandelt werden. Ganz zu schweigen von verwandtschaftlichen Nebenlinien wie dem Kameruner, den Ausgezogenen und den Kiechli. Es wird höchste Zeit für die Einführung der Krapfologie, Frau Schavan, wenn Sie unser Land nicht ganz zu Grunde richten wollen!

22 Kommentare in “Ich habe zwei Berliner verspeist

22 Comments
  1. Ja, genau. Probieren sie mal in der Hauptstadt Blaukraut zu bestellen oder ein Pfund gelbe Rüben zu kaufen. Besonders beim Blaukraut erntet man schallendes Gelächter.

  2. Hallo,

    gibt es hier in diesem verdammten Berlin auch mit Hiffenmark gefüllte Krapfen? Ich finde immer nur diese ekeligen “Mehrfrucht” Dinger, noch dazu auch noch sowas von feinporig und fest, bah!

    Wäre über einen Tipp sehr erfreut!

    Gruß aus Charlottenburg (ehemaliger Würzburger)

    Peter

  3. Tja aber seit dem Rinderwahnsinn ist doch das Verwenden von Mark-Knochen verboten oder? Oder wie erklärt man dem Berliner das Hiffenmark? ;-) Und lieber Harald, es steht ja immer noch “a Schwartlessen aus” und des gibt’s sicher in Berlin auch nicht unter diesem Namen, oder?
    Thomas

  4. Lieber Thomas, wie Du dank der langen Reaktionszeit merkst – ich war im Urlaub. Nicht in Franken, sondern in Kroatien, wo ich bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,5 km/h vom Laufband im Hotel stürzte, als ich von Köhlers Rücktritt erfuhr. Mit Schwartlessen weiß der Berliner Nullkommanichts anzufangen. Wir aber schon, hoffentlich bald…

  5. Hallo Thomas, warum sollen denn die Berliner etwas über Hiffenmark wissen, wenn ihr doch keinen Bregen kennt?
    Am Anfang hießen die Dinger doch Berliner Pfannkuchen. Das “Berliner” haben sich die Berliner dann gespart.
    Ist doch ganz praktisch.

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