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Hilfe, ich bin eingeschneit!
Spuren im Schnee vor dem Schloss Bellevue
Jemand, der aus Bayern kommt, gilt in Berlin automatisch als extrem winterfest. Mit genetisch eingebautem Entfroster. Da kann er machen, was er will. Man unterstellt ihm stets, eine Mischung aus Gebirgsschütze, Slalomweltmeister und Alpenvereinsvorsitzendem zu sein sowie heimlich zu Hause Lederhosen zu tragen.
Bisher habe ich darüber immer milde gelächelt. Manchmal, wenn ich gerade die Nerven dafür hatte, dann erklärte ich meinen Gesprächspartnern, dass es – zum Beispiel – in Franken mehr Ingenieure und Informatiker als Wilderer und Bergvagabunden gibt. Dass sich die Zahl der Skihütten in und um Nürnberg in überschaubaren Grenzen hält.
Seit einigen Tagen sage ich das alles nicht mehr. Denn wir sind in Berlin zum ersten Mal seit langer Zeit eingeschneit. Ja, eingeschneit. Das bedeutet eine durchschnittliche Schneehöhe von etwa ein bis zwei Zentimetern. Und zwar jeweils genau zehn Minuten lang, bis die Großstadt das alles wieder weggeschmolzen hat.
Trotzdem führen sich die Hauptstädter derzeit auf, als ob es sich um einen Jahrhundertwinter in Garmisch-Partenkirchen handeln würde. Sie fahren mit dem Auto nur noch im Schritttempo (Winterreifen besitzt sowieso keiner). In den Schuhgeschäften verkaufen sich Spikes zum Anschnallen bestens. Und alle paar Minuten wird im Radio durchgesagt, dass man um Himmels Willen die Eisschicht prüfen soll, bevor man ein Gewässer betritt. Oder es am besten gleich bleiben lässt.
Wenn ich all das beobachte, komme ich mir tatsächlich vor, als ob ich selbst auf einer Almhütte groß geworden und dem Wasmeiers Markus regelmäßig auf den Skiern davongefahren wäre. Dabei weiß ich lediglich, dass der Schnee nicht beißt und irgendwann auch wieder Frühling sein wird.