VF6: Die Wiedergeburt

Foto: Zink/Matthias Winter

Rob Wilson war noch immer verwundert. Dieser große Kanadier, der seine Sätze immer mit „you know what?“ einleitet und dessen Stimme dabei stets klingt, wie Lemmy Kilmisters Stimme an schlechten Tagen, war der Meinung, am Freitag ein dominantes Playoff-Spiel seiner Mannschaft gesehen zu haben – bis ihm Fans und Edelfans direkt und indirekt erklärten, wie schlecht seine Ice Tigers doch eigentlich gespielt hatten. Und so stand er immer noch kopfschüttelnd vor dem Curt-Frenzel-Stadion, kurz nachdem er dieser ständig an seiner Eishockey-Mannschaft zweifelnden Stadt mit seiner famosen Mannschaft ein einzigartiges Erlebnis geschenkt hatte. Aber vielleicht war die Lehre aus Spiel sechs für alle Motzer und Nörgler, für alle Schwarzseher und Playoff-Fans, vor allem aber für alle, die das Spiel lieben, die an ihre Mannschaft glauben, bis irgendwo ein Dame beträchtlichen Umfangs das Singen anfängt, und die seit Jahren unter dieser Negativstimmung leiden, die die Playoffs der Ice Tigers seit jeher prägt, vielleicht war diese Lehre wichtiger als das Geschenk, am Dienstag erstmals ein Spiel sieben erleben zu dürfen. Wobei, liebe Freunde: Spiel sieben! Wie geil, bitte verzeiht mir das, ist das denn? Weiter lesen

1/52: Jetzt mal langsam

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Außer einer unheimlich heimlichen Vorliebe für den Synthie-Pop der 80er Jahren eint uns nicht viel. Trotzdem unterhalte ich mich schon immer gerne mit diesem unverwechselbaren Spielerberater, der mir heute einen Abriss der Nürnberger Nachrichten unter die Nase hielt. Über das nominell schwache Augsburger Torhüterduo hatte ich da geschrieben, wohlgemerkt „nominell“. In dem Gespräch danach (er redete ohne Satzzeichen, ich nickte immer mal wieder) aber offenbarte sich etwas, was mir zu diesem Zeitpunkt des Jahres leider völlig fremd ist. Der Spielerberater war auf eine ganz unschuldige und beneidenswerte Weise nervös. Er gestand das auch unverhohlen ein. Seinen Klienten JF Boutin bei dessen DEL-Debüt zu beobachten, versetzte diesen erfahrenen Eishockey-Menschen in eine beinahe kindliche Aufgeregtheit. Nach dem Spiel war er, abgesehen von Tray Tuomie und Boutin selbst, einer der zufriedensten Menschen in der Arena. Und so beginnt diese Blog-Saison mit Empathie für den Gegner. Interessant.

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Spiel 33: Schützenfest mit Yabba, dem Hutten

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Hier ist der Beweis: Wayne Hynes hat weder aus Versehen den Twistman noch Pucki verschluckt (Foto: Sportfoto Zink/JüRa).

 

Die drei besten Gags auf Kosten von Wayne Hynes gibt es zum Feiertagsbeitrag dieses Blog geschenkt: Wayne Hynes ist der erste Mensch, der auf Kunsteis einbricht. Dave Chambers verbringt Weihnachten nicht in Kanada, er wurde von Wayne Hynes aufgegessen. Und, mein Favorit: Wayne Hynes ist einer der wenigen Berufssportler, die es geschafft haben, ihr Gewicht nach Beendigung ihrer Karriere zu halten. Ja, das ist respektlos. Aber der Ex-Mnnhmr Hynes war schon als Spieler kein Sympathieträger, in Nürnberg wird er das wohl auch als Trainer nicht mehr (sollten die Erfahrungen vertrauenswürdiger Freunde dieses Blogs allgemeingültig sein). Abgesehen davon sollte man die besten (ohnehin geklauten) Gags dieses Textes zur Vervielfältigung der Visits gleich zu Beginn verfeuert werden (witziger wird es nach dem Sprung allerdings nicht mehr). Weiter lesen

Spiel 29: Keine Ansteckungsgefahr (Update)

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Engel waren vor der Kabine gelandet. Nicht etwa jene süßen Eishockeyspielerkinder, nein, richtige Engel in roten, offensichtlich zu warmen Kleidern, grauen UGG-Boots  und mit weißen Flügelchen auf dem Rücken. Dann stand da noch diese junge Fernsehfrau mit einer Kamera in der Hand und einem Helm auf dem Kopf, die aus derart großem Abstand auf Leo Pföderl eindialektierte, dass man befürchten musste, auch der junge Tölzer Mauersohn hätte Mumps. Wie skuril das alles war, wird Paul Reinprecht erst zu Hause in Kanada feststellen, wenn er sich das Video ansieht, das er mit seinem iPhone 6 aufgenommen hat. Die Erkenntnis, dass der Eishockey-Gott einen Vater hat, war dann allerdings auch der Höhepunkt dieses Abends. Weiter lesen

Spiel 27: Echt jetzt, Tommer?

Foto: Roland Fengler

Foto: Roland Fengler

Als Jeff Tomlinson schon durch die Türe verschwunden war, stellte er ihm noch eine Frage. Und selbst als den Schreiberlingen um ihn herum danach keine Frage mehr einfallen wollte, machte Tray Tuomie keine Anstalten seinen Arbeitstag zu beenden. Der Trainer der Ice Tigers hatte noch Redebedarf. Vielleicht wartete er auch darauf, dass ihm jemand zuflüsterte, dass doch noch alles gut werden wird. Doch diesen Gefallen konnte ihm nach diesem 1:3 gegen Berlin niemand guten Gewissens erbringen. Weiter lesen

Spiel 24: Die Aumüller-Pirouette

Foto: Sportfoto Zink/MaWi

Foto: Sportfoto Zink/MaWi

Die Zamboni fuhr nach dem herrlich bunten Kids Hockey Day aufs Eis, Martin Jiranek und Tray Tuomie aber wollten nicht weichen. Nürnbergs Sportdirektor und Nürnbergs Cheftrainer unterhielten sich so entspannt, als sei ihnen das nur auf dem Eis möglich, sie lachten, diskutierten, wedelten mit ihren Schlägern, deuteten auf imaginäre Spieler und stellten imaginäre Spielszenen nach. Und um sie herum drehte die Zamboni ihre Kreise. Acht Tage sind seitdem vergangen, am Abend zuvor hatten ihre Ice Tigers im unwirtlichen Wolfsburg immerhin einen Punkt geholt. Es schien, als würden sich Jiranek und Tuomie endlich auf ein paar ruhige Tage mit den Ice Tigers freuen. Tja. Weiter lesen

Spiel 20: #Haskinsgate reloaded

Dienstagabend, 23:29 Uhr: Ehefrau und Kinder schlafen friedlich – in einem anderen Regierungsbezirk. Ich könnte also mit Check Noris, dem aufstrebenden Stern auf dem Nürnberger Hobby-Eishockey-Himmel, über das (kleine) Arena-Eis dilettieren fliegen oder mich ordentlich abschießen (wozu bei meinem Trainingszustand nicht mehr als die Investition in zwei Bier notwendig wäre). Stattdessen sitze ich hier, im Hintergrund läuft Clerks (best hockey movie ever), neben dem Laptop stehen zwei Bier, und muss mir etwas einfallen zu einem Abend, dessen trauriger Höhepunkt die Entdeckung von Michael Eierschmalz nach einer Expedition durch www.eliteprospects.com war und an dessen Ende der Cheftrainer der Ice Tigers Daniel Piechaczek eine Entschuldigung schuldet. Das nennt man Pflichtbewusstsein. Oder Dummheit. Weiter lesen

Spiel 19: Remember Wayne Gretzky!

dutzendChristian Gerum war spät dran. Reemt Pyka, Herberts Vasiljevs und Francois Sills standen wahrscheinlich schon auf dem Eis, da radelte der Verteidiger in seinem weißen Schöller-Trikot und Hochwasserhosen noch den Dutzendteich entlang – langsam aber stetig dem dramtischen Sonnenuntergang über der Kongresshalle entgegen. Mit der schönen Erkenntnis, dass es in Nürnberg noch immer Fans gibt, die in einem Gerum-Trikot zum Eishockey gehen und der vagen Hoffnung auf die Wiederbelebung dieses Gefühls aus den Anfangstagen der DEL, ging dieser Nachmittag los. Er endete mit der Erkenntnis, dass Arbeitssieg nicht immer ein Euphemismus für miesen Sport sein muss. Manchmal ist ein Arbeitssieg tatsächlich ein hart erarbeiteter Sieg. Weiter lesen

Spiel 16: Tiere, Tore, Sensationen

Die Schiedsrichter, die Funktionäre, die Fans, das Spiel an sich, die eigene Wahrnehmung, hab ich schon die Schiedsrichter erwähnt?, Linienrichter, natürlich der Modus, ja, die Playoffs – in der Deutschen Eishockey-Liga wird man von allem und jedem ständig und andauernd enttäuscht. Nur auf Mnnhm, also die Spiele gegen Mnnhm, kann man sich immer verlassen. Auch Spiel 107 bot Checks (zumindest ein paar), Tiere (Adler, Eistiger), Tore (eins zu viel), Fehlentscheidungen (wenige, aber entscheidende) und, jawohl, Sensationen: Weiter lesen

Spiel 14: Tilt!

Ruth aus der 6b hat sich gemeldet. Sie ist glücklich mit einem Sonderschulpädagogen aus Rüsselbach verheiratet, hat zwei wunderbare Kinder, die Oboe und Indiaca spielen und vor allem will sie in diesem Eishockey-Umfeld nicht mehr erwähnt werden. Genau, Ruth, Schluss mit lustig, keine Brausekrieger, kein Husarengolf, kein Reinprechtchen, ja, vor allem kein Reinprechtchen mehr. Jetzt wird wieder verkrampft und viel zu hart auf die Tastatur geklopft. Wir rufen die Krise aus. Jetzt. Sofort. Nach dem nächsten Klick. (Oder vielleicht doch erst in einer Woche) Weiter lesen