VF7: Neue Idole für Nürnberg

 

Ignorieren wir kurz, dass auch dieses Blog den Anspruch hat, eine journalistische Distanz zu den Tigern, den Panthern und dem ganzen Rest zu wahren: Diese Mannschaft ist ein Geschenk für Nürnberg. Und wer in dieser Stadt nach neuen Helden sucht, weil es dem Lieblingsclub nicht gelingen mag, Pinola und Mintal vergessen zu machen, der kann die Suche jetzt endgültig einstellen. Yasin Ehliz, die Reimer-Brüder, Marius Möchel, Brandon Prust und all die anderen, die zum inneren Kreis dieser täglich größer werdenden Ice Tigers-Familie zählen, kämpfen bis zum letzten Blutstropfen für Nürnberg. Und Rob Wilson beweist in diesen Tagen eindrucksvoll, dass er vollkommen zu Recht zum Trainer des Jahres gewählt worden ist. Aber genug der salbungsvollen Worte. Es gibt nach diesem würdigen Serienfinale noch einiges zu tun. Welch ein Glück. Weiter lesen

VF3: „Meinst du das ernst?“

Foto: Matthias Winter/Sportfoto Zink

Es ist nicht davon auszugehen, dass der knuddlige Typ vom Radio wusste, wie gefährlich ihm dieser Mann mit dem eisigen Blick wirklich werden konnte. Aber er ahnte schon, dass seine Mami wieder einmal im falschen Moment angerufen hatte. Michael Stewart, der sämtliche Strafbankwärter zwischen Las Vegas und Villach beim Vornamen kennt, hatte jedenfalls gerade begonnen, sich darüber auszulassen, dass wohl niemand gedacht hätte, dass wir alle an diesem Sonntagnachmittag bereits im ersten Drittel fünf Tore sehen würden, da klingelte ein Telefon. Und zum ersten Mal in dieser Serie bekam man auch weit abseits der Eisflächen einen Eindruck davon, wie sehr die Beteiligten während der Playoffs unter Druck stehen. „Meinst du das ernst?“, fragte also Augsburgs Cheftrainer mit jener Grabesstimme, mit der er einst die härtesten Jungs der AHL, IHL, DEL und EBEL zum Tanz aufgefordert hatte, in die Ecke des Pressekonferenzraums, wo sich ein junger Journalist dafür verfluchte, sein Handy nicht lautlos gestellt zu haben. Für den Blick, mit dem er den bemitleidenswerten Störenfried danach noch mehrmals zu verfluchen versuchte, hätte Stewart einst vorsorglich schon zwei Minuten bekommen. Und auch da galt wieder, was die Kollegen von Telekom Eishockey treffend in einen Hashtag gestanzt hatten: Playoffs sind die #geilsteZeit. Gerade nach einem so wechselhaften zweiten Sieg in einem engen Playoff-Viertelfinale. Weiter lesen

Viertelfinale, Spiel eins: Geht Bäume anschreien

Foto: Zink/Matthias Winter

Der Mann, den sie „die Rasierklinge“ nannten, schien ratlos zu sein. Benoit Laporte musste das nicht spielen, er saß ja nur mit einem Journalisten in seinem überdimensionierten Büro, indem die Ice Tigers von heute ihre Videositzungen abhalten. Laporte schien also ratlos zu sein, weniger ob der zwei Playoff-Spiele, die seine Mannschaft gerade vergeigt hatte. Laporte verstand einfach nicht, warum die Ice Tigers in dieser Stadt schon aufgegeben wurden, er vermisste die Zuversicht, die gute Stimmung im Umfeld und war entsetzt darüber, dass die Ice Tigers von ihren eigenen Fans ausgepfiffen wurden. Nach dem 2:3 in Hannover war er um sieben Uhr laufen gegangen, „um ein paar Bäume anzuschreien“. Vier Spiele später hatte sich seine Mannschaft fürs Halbfinale qualifiziert. Ja, Nürnberg hat eine Geschichte des Versagens im Viertelfinale, in Nürnberg aber hat man nun auch schon des öfteren erlebt, um was es in den Playoffs geht. Mag sein, dass auch Spiel zwei an Augsburg geht, entschieden ist deshalb noch lange nichts. Und gerade das ist doch großartig nach einem etwas ernüchternden 1:4 zum Auftakt. Weiter lesen

51/52: 300 (DREIHUNDERT)

Zwölf Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem Greg Poss alleine auf der Eisfläche seine Stimme erbeben ließ, um auch die Arena beben zu lassen. Das 1:6 gegen Wolfsburg ließ danach allerdings seltsamerweise so überhaupt keine Playoff-Stimmung aufkommen. Dagegen war dieses 6:4 gegen Bremerhaven genau das, was der Doktor den Thomas Sabo Ice Tigers verschrieben hat: Unangenehmer Gegner, viele Tore, eines davon für die Geschichtsbücher, Riesenstimmung. Der Panther kann kommen. Weiter lesen

50/52: Leider geil

An solchen Abenden kann man nur scheitern. Iserlohn an einem Dienstagabend, der aktuelle Text für die Tageszeitung schreibt sich beinahe von alleine, mit Schlusspfiff fertig zu sein, ist da schon lange keine Herausforderung mehr. Doch dann dreht dieses Spiel in den letzten fünf Minuten durch, man versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Beim Verlassen des Pressebereichs hört man einen Fan mit großen Augen sagen: „Was für ein geiles Spiel.“ Nicht erst da erkennt man, dass der Zeitungsleser nicht wird nachfühlen können, warum dieses lange Zeit sehr, sehr durchschnittliche 5:4 vielleicht tatsächlich ganz geil war. Gut, dass man hier noch ein bisschen nachjustieren kann. Weiter lesen

43/52: Wounded Cheek

Foto: Zink/Matthias Winter

Auf dem Index der Sportredaktion der Nürnberger Nachrichten stehen zum Beispiel folgende Wörter: Sahnehäubchen, Doppelpack, i-Tüpfelchen, mitgereiste (Fans), Truppe. Oder mit Pleite und Krise zwei Wörter, die einem in der jüngsten Betrachtung der Thomas Sabo Ice Tigers schon in den Sinn hätten kommen können. Das 2:4 in Köln war keine Pleite, das 4:8 in Straubing schon. Und wie soll man jene 80 Minuten, nunja, Eishockey beschreiben, die sie zwischen Dienstag und Freitag auf Köln und Straubing verteilt hatten? Die Vier-Drittel-Krise traf es ganz gut, vor allem, weil man sich nach dem 6:1 gegen Berlin und vor dem Rückspiel um den Leberkäsegipfel ziemlich sicher sein kann, dass sie vorbei ist. Lehrreich war diese Eskalation trotzdem – hoffentlich nicht nur für die Mannschaft. Weiter lesen

40/52: „A very likeable hockey team“

Der Stadionsprecher stand alleine in der offenen Bandenrundung und wartete auf Valentin Busch. Christian Rupp hielt einen handelsüblichen Puck mit leichten Gebrauchsspuren in der Hand, einen Puck aber, der im zweiten Drittel dieses 4:1 gegen Wolfsburg im Einsatz war und deshalb für den jungen Mann mit den langen Haaren und den staunenden Augen ganz besonders. Niemand hatte Rupp den Auftrag erteilt, dem 19-Jährigen eine Freude zu machen – für ihn war das selbstverständlich. Letztlich hatte die Mannschaft ihr jüngstes Mitglied bereits mit einer an diesem Tag malträtierten Hartgummischeibe versorgt. Aber die kleine Episode zeigt, dass eine Mannschaft nicht nur aus Torhütern, Verteidigern und Stürmern besteht. Die Mannschaft der Ice Tigers ist groß. Und sie wird, auch wenn das die enttäuschende Zuschauerzahl an diesem Sonntag diesen Eindruck nicht bestätigt, immer größer. Weiter lesen

37/52: „Geschwindigkeit. Passen. Schuss.“

Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Gut, dass Rick Adduono wieder da ist. Der Trainer des Krefelder EV sagte Folgendes über das 0:5 bei den Thomas Sabo Ice Tigers: „Heute Abend war Nürnberg die beste Mannschaft: Geschwindigkeit, Passen, Schuss. Für ich hoffen, machen Playoff.“ Gut. Vielleicht gibt es doch noch ein bisschen mehr zu schreiben. Weiter lesen

36/52: Ryan Jones – Eisbeutel zum Abendessen

Foto: Zink/Matthias Winter

Entschuldigt bitte, liebe 750.000 Leser der Montagsausgabe der Nürnberger Nachrichten. Normalweise versuche ich das zu vermeiden, heute aber ist das unmöglich, für dieses Blog einen anderen Einstieg als für den Zeitungsartikel zu wählen (tatsächlich fällt mir einfach nichts mehr anderes ein): Zu schön war diese Anfahrt durch ein weißes Nürnberg, vorbei an dem Eishockey-Wimmelbild auf dem Großen Dutzendteich, vorbei an all den erwartungsfrohen Freunden der Ice Tigers, immer hinter dem radelnden Fan im Christian Gerum-Trikot her. Einen solch stimmungsvollen Eishockeynachmittag hätte ich in Nürnberg nicht für möglich gehalten. Daran konnte auch das Ergebnis, die vielen Fehler und das Ende der Siegesserie nichts ändern. Weiter lesen

32/52: Oh, Danny Boy

Foto: Zink/ThHn

Der Mann begegnet mir auf dem Weg zur Kabine der Ice Tigers. Ich kenne ihn schon lange, mindestens seit 18 Jahren, ich weiß aber nicht, wie er heißt, ob er steht oder sitzt, ob er hier mitliest und mitschreibt, weiß ich auch nicht. Und ich kann ihn dabei lange beobachten, wie er auf mich zugeht. Er trägt ein neues Fantrikot und beinahe keine Haare mehr auf dem Kopf. Er ist einer dieser vielen Fans zwischen 30 und 70, die genau wissen, wie es sich angefühlt hat, 1999 gegen Mannheim verloren zu haben, 2007 und 1996, 2003, 2005, 2009, 2011 und 2015. Trotzdem wirkt er in diesem Moment unerwartet ernst. Als wir aneinandervorbeigehen, nimmt er mich nicht wahr, aber er ballt plötzlich die Fäuste und schreit Jaaaa. So hat sich dieses 5:1 wahrscheinlich für viele Menschen in der ausverkauften Arena angefühlt. Weiter lesen