HF3: Die Rückkehr des Biests

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Was haben uns diese 76 Minuten 42 Sekunden ein weiteres Mal gelehrt? Welch großartiger Sport dieses Eishockey ist. Und sonst? Tiefen Respekt vor jedem einzelnen Spieler. Also auch vor Brandon Prust. Und auch vor Tyler Haskins. Das Schauspiel, das uns diese Männer alle zwei, drei Tage bieten, ist in seiner emotionalen Wucht durch nichts zu übertreffen. Für solche Spiele braucht es Hilfsbegriffe wie „Krimi“ und „Thriller“ – und doch ist keines dieser Worte stark genug, um auszudrücken, welche Kraft 76 Minuten und 42 Sekunden Eishockey haben können. „Liebe“ ist noch so ein oftmals vorschnell verwendeter und im Sport noch dazu unpassender Begriff. Doch wie soll man nennen, was am Ende immer bleibt für dieses Spiel? (Keine Sorge, nach dem Klick wird es weniger schwülstig) Weiter lesen

Die großen Zehn (und eine neue Verlosung)

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Eine solche Liste ohne Johnny Craighead? Ohne Daryl Coldwell? Ohne Andrej Mezin? Ein weiterer Beweis dafür, dass die Männer schon längst nicht mehr auf Tiger starren. Ist ja auch nur schwer möglich aus dem VIP-Raum. Und überhaupt: Was soll das sein, eine Sonne Bingold? Weiter lesen

Spiel vier: Sieh mal, Tyler, da liegt der Puck

Sportfoto Zink/Matthias Winter

Sportfoto Zink/Matthias Winter

Ein Stehplatz in einem Playoff-Heimspiel in Nürnberg: 18 Euro. Ein Stehplatz in einem Playoff-Heimspiel in Wolfsburg: 21 Euro. Zu sehen, wie David Steckel in all seiner Liebenswürdigkeit dem kurze Zeit etwas verloren wirkenden Tyler Haskins zeigt, wo genau der Puck liegt, nachdem ihn Sasa Martinovic zum 5:4 ins Tor des EHC Wolfsburg geschossen hat: unbezahlbar. Weiter lesen

Spiel eins: Playoff-Pause

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Es sind wohl noch immer Playoffs. Zumindest behauptet das die Deutsche Eishockey-Liga. Es fühlt sich aber nicht mehr an wie Playoffs. Stimmung wie einst beim Wurmbergpokal und eine Nürnberger Mannschaft, die schon irgendwie wollte, aber wohl nicht mehr konnte, die auf auf dieses 2:6 aber immerhin völlig unbeeindruckt reagierte. Der Höhepunkt des Tages verrät alles über diesen unerfreulichen Ausflug nach Wolfsburg: Wir waren in Pissen. Weiter lesen

Spiel vier: Sergio wer?

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Eigentlich haben am Eingang heute die Jungs gefehlt, die sich so furchtbar hart finden, dass sie Vodka aus Flaschen trinken. Die, die die Baseballcaps mit dem Schirm seitlich auf den Kopf setzen, die, die die XXL-Footballtrikots tragen, die Hosen in der Größe von Günter Strack und obendrein verkehrt herum, die, die einen Arm aus dem Ärmel hängen lassen, die, die die nicht gehen, sondern Schlendern und sofort die Fäuste sprechen lassen, wenn man es wagt, den Blick in den ihrer Freundin zu richten. Ja, genau, die Jungs eben, die wir alle kennen von den Autoscootern dieser Welt, die Rächer aller Schulabbrecher, die das Gymnasiastenblut fließen lassen. Die Arena am Kurt-Leucht-Weg, sie war heute ein Autoscooter, einer, in dem es alle paar Sekunden krachte und schepperte. Aber es waren keine lächerlichen Plastikwagen mit Gummilippen, es waren große, starke, Thomas Sabo Ice Tigers, die aus Iserlohn nach zehn Minuten bereits jeglichen Mut herausgecrashed hatten, als kämen sie vom Seilersee-Gymnasium und hätten nicht nur in die Richtung der Frauen Oblinger, Segal, Steckel geblickt, sondern es gewagt, ihnen auf den Hintern zu starren. Das Ergebnis dieser 60 Minuten Kirmeshockey war verheerend für die Gäste: 7:1 (2:0, 2:0, 3:1) – und Iserlohn steht bereits am Abgrund des Playoff-Berges. (Ein gemeinsames Blogwerk von Christoph Benesch und Sebastian Böhm) Weiter lesen

Spiel zwei: Fünf Dellen in der Bande

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Dafür spielen sie das ganze Jahr, sagen sie. Aber wer denkt an Roman Horlamus, der sich dieses ganze Jahr durch die Republik tickert? Wer denkt an die Fanreporter, die dem Pressesprecher in Kleinstwagen hinterherfahren? Und wer denkt an die Fans, die das ganze Jahr über ihre seltsame Sportart mit ihrem seltsamen Modus und ihren seltsamen Riten gegenüber Freunden, Verwandten und Kollegen verteidigen müssen? Playoffs, dafür geben sie ihr Geld aus, dafür arbeiten, leben und leiden sie alle. Playoffs, das ist ihre Zeit im Jahr. Nur dann nimmt das Fußballland Notiz von ihrer Sportart, nur dann macht dieser ganze Blödsinn endlich Sinn. Das 4:2 geht immerhin als kleine Entschädigung durch. Playoffs aber sollten so viel mehr sein als 60 Minuten hartes Eishockey. Achja, die sieben Blogger sind tot (und leben nur in der URL weiter). Es leben die Männer, die auf Tiger starren.

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Spiel 49: Noch darf sich das Pferd schonen

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Ist es jetzt bedauerlich Gimli, Sohn von Gloin, den noch immer endlässigen Sascha Goc oder, ja, warum denn nicht, auch Matt Pelech nicht mehr sehen zu dürfen? Oder muss man sich mit den Thomas Sabo Ice Tigers freuen, dass sie sowohl in der greisen Punkterunde als auch in der schönsten Zeit des Jahres nicht mehr gegen die Schwenninger Wild Wings spielen müssen? Egal. Wichtig an diesem 4:2 war ja ohnehin nur, dass der Joker wieder aus voller Überzeugung grinsen kann. Weiter lesen

Spiel 44: War doch klar!

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Foto: Roland Fengler

Gut haben sie ausgesehen in ihren fleckigen Unterhemden, mit ihren Vokuhila-Haarschnitten, unter ihren Schweißbändern, die an diesem Abend längst kapituliert hatten, in ihren Ballonseide-Säcken, hinter ihren grellen Sonnenbrillen und eben sonst so allem, was die Muttis an einem Sonntagmorgen in Crakau, Benrad oder Bockum aus dem Schrank kramen. Aber erst nach dem Eintauchen in diese kleine grölende Gruppe junger Männer war mir klar, warum sie von Beamten in täuschend echten SEK-Kostümen bewacht worden waren. Die Gäste-Fans sahen nach dem 1:3 für Krefelder noch immer großartig aus, hatten dabei einen Dunst entwickelt, der Hyänen ganz wild gemacht hätte. Wenn du also denkst, es kann gar nicht schlimmer kommen als dieses 1:3 gegen den Tabellenletzten – dann kommt dir dessen ausdünstender Gaudiwurm in 80er-Jahre-Optik entgegen. Entsprechend schlecht gelaunt geht es nach dem Klick weiter. Weiter lesen

Spiel 37: Nummer 263

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Ja, darf man denn das? Wir müssen das erst einmal mal im offiziellen Regelwerk der IIHF nachlesen. Ja, zugegeben, sie wertet uns, diese unrasierten, ungepflegten, schlecht angezogenen selbsternannten Eishockey-Journalisten, optisch natürlich ungemein auf. Und so ein klein wenig Charme tut uns auch gut. Dieser Reporterin von (SSNHD und) jenem Radiosender, der aus der mir unbekannten geilsten Stadt der Welt berichtet, mangelt es auch wirklich nicht an Selbstbewusstsein. Sonst hätte sie das kaum gewagt: Anna Noé hat bei der Pressekonferenz nach dem 5:3 gegen den EV Landshut die Hamburg Freezers doch tatsächlich eine Frage gestellt. Aber, nein, davon darf man sich nicht inspirieren lassen. Sonst klickt doch jetzt überhaupt niemand mehr auf Weiter lesen.

Die Fakten: 37 Spiele, 61 Punkte, 117:107 Tore – Platz fünf.

Die Superlative:

Tore: 19 Patrick Reimer (Liga-Spitze gleichauf mit Krefelds Schymainski und Schwenningens Fleury)
Vorlagen: je 25, Patrick Reimer und Steven Reinprecht
Punkte: 44, Patrick Reimer (auf Platz eins in der DEL, vier Punkte vor Schwenningens Acton, der dafür allerdings sechs Spiele weniger gebraucht hat)
Plus: 10, Patrick Reimer
Minus: -11, Derek Joslin, Marc El-Sayed und Alexander Oblinger
Strafminuten: 69, Colin Fraser
Power-Play-Tore: 9, Dany Heatley
Unterzahltore: 2, David Steckel
Siegtreffer: 4, David Steckel
Schüsse: 182, Patrick Reimer (Nummer eins in der DEL vor Schwenningens Damien Fleury, 171)
Schussquote: 22 Prozent, Dany Heatley (vor Steven Reinprecht, 21%)

Das Spiel:

Immer interessant, wenn die Kopie auf das Original trifft. Groß, stark, vor allem aber groß und stark sollten die künftigen Mannschaften der Ice Tigers sein, als Martin Jiranek als Sportdirektor übernahm, so wie die Haie oder eben die Freezers. Es hat dann ein wenig gedauert, bis James und Kaufmann und die anderen Überbleibsel aus der Funkzeit aussortiert waren. Jetzt aber sieht es tatsächlich so aus, als ob da Männer gegen Männer und nicht mehr Jugendliche gegen Männer spielen, wenn sich Nürnberg und Hamburg gegenüber stehen. In der Nachbetrachtung wollte jeder der beiden Klubvertreter (Serge Aubin und Martin Jiranek) die Leistung seines Teams im ersten Drittel schlechter gesehen haben. Tatsächlich waren beide nicht so dolle. Das sollte sich auch nach dem ersten Auftritt der Zambonis nicht ändern. Das ist natürlich erneut nur eine Momentaufnahme, aber es war schon mal unterhaltsamer, wenn die Freezers hier angetreten sind. Aus Nürnberger Perspektive war das natürlich leicht zu verkraften. Erst Tyler Beskorowany brachte die Gäste ins Spiel (weshalb er von Jiranek danach auch explizit als Grund für den Sieg erwähnt wurde), ein solches Unglück wollte Sébastien Caron sofort ausgleichen. Marco Pfleger verweigerte nach seinem zweiten Treffer denn auch jegliche Regung von Jubel – wie ein Hobbyspieler, der auf das umgelegte leere Tor getroffen hat. Das 2:2 hatte man sowohl in der Entstehung als auch im Abschluss vor zehn Tagen gegen Mannheim schon einmal gesehen. Dann arbeitete Leo Pföderl ein bisschen härter als seine Gegner, das reicht schon, um auf 4:2 davonziehen. Die Freezers haben nominell das beste Torhüterduo der Liga, tatsächlich das aktuell schwächste Torhütertrio, eine erstaunlich unpräzise Offensive, an diesem Abend aber größte Probleme das eigene Wohnzimmer sauber zu halten. Das war sowohl bei Pföderls 3:2 als auch bei Steckels 4:2 sehr gut zu sehen. Der große, diesmal nicht halb so böse Wolf ärgerte die Ice Tigers noch einmal. Das Selbstbewusstsein nach drei Siegen in Folge, vor allem aber der jüngste Reifeprozess haben die Mannschaft wachsen lassen. Jiranek sieht solche Situation stets als Training für die Playoffs. Wenn es für solche Trainingsspielchen dann noch drei Punkte gibt, umso besser.

Der NN-Moment des Spiels (präsentiert vom Frundsberg Festring Mindelheim e. V.):

Was man machen muss, um von den Fans der Ice Tigers explizit gefeiert zu werden:

  • Überdurchschnittliche Leibesfülle und beeindruckenden Körperhaarwuchs vorführen, in dem man sich das Trikot über den Kopf zieht, unerlässlich ist dabei bekannte Musik, zu der man sich möglichst unrhythmisch bewegt, obgleich man das sehr besser könnte.
  • Einen Purzelbaum oder mindestens eine Rolle in Torhüterausrüstung auf dem Eis wagen.
  • Roland Aumüller sein.
  • Wie Roland Aumüller pfeifen.
  • Oder mehr Tore schießen als anderen DEL-Kollegen.

Patrick Reimer hat in 686 DEL-Spielen 263 Treffer (0,38 Treffer pro Spiel) erzielt. Michael Wolf in 567 Spielen 262 Treffer (0,46) und Daniel Kreutzer in 1022 DEL-Spielen 261 Treffer (0,26). Und allein an diesem Freitagabend hätte der Kapitän der Ice Tigers in der ewigen Torjägerliste davonziehen können. Martin Jiranek (der in seinem 611. und letzten DEL-Spiel sein 200. Tor erzielt hat) rechnet mit 300 DEL-Treffern für Reimer, wenn auch nicht mehr in dieser Saison („dann wäre ich der glücklichste Mann“). Behält er seine aktuelle Quote (fünf Tore in fünf Spielen 2016) bei, beendet er die Punkterunde mit 278 Treffern, aber selbst mit weiteren 21 Playoff-Treffern käme er nur auf 299 Treffer – wobei man dieses „nur“ nicht zu ernst nehmen sollte. Jiranek sagte auch, dass es ganz schwer werden dürfte, Reimer diese Bestmarke wieder abzunehmen. Und als ihm Steven Reinprecht Nummer 263 so wunderbar aufgelegt hatte, schien er sich ausnahmsweise mal auch für sich selbst zu freuen.

Übertriebene Härte:

Über jede einzelne Icing-Enscheidung und die Details dieser Foul-Pfiffe sollen andere diskutierten. Aber drei kleine Strafen in der entscheidenden Phase, sind drei kleine Strafen zu viel – zumal sie von zwei Spieler abgesessen wurden, die sie auch verursacht haben (muss man in dieser Liga dazuschreiben) und die sich ob ihrer Erfahrung in dieser Phase keine Strafen mehr leisten sollten. Steven Reinprecht ist diesbezüglich noch nicht aufgefallen, David Steckel schon (wenngleich Dany Heatley und Matt Murley die Ice Tigers-Hitliste der Strafzeiten zu den ungünstigsten Zeiten anführen).

Die NN-Three Stars:

Bronze: Marc El-Sayed verließ die Kabine nach dem 5:3 zufrieden in sich reingrinsend. Genau diesen Eindruck hat er wahrscheinlich hinterlassen wollen. Seht her, es macht mir gar nichts aus, dass mich ein junger Verteidiger aus der vierten Reihe verdrängt hat. Die Schnelligkeit von Marcus Weber und Patrick Buzas tut der vierten Reihe (also Alexander Oblinger – dem aber vor allem ein Torerfolg guttun würde) gut, sagt Jiranek. Als gelungen empfinde ich diese Lösung. Die erwartete Rückkehr von Yasin Ehliz wird die Balance der Mannschaft ab dem kommenden Wochenende erneut stören. Ehliz rückt wieder an die Seite von Reinprecht und Reimer, Marco Pfleger muss wieder an die Seite von Matt Murley (sehr undankbar) und Marcus Weber darf wieder verteidigen – oder auch nicht. An offensichtliche Fehler des Garmisch-Partenkircheners kann ich mich nicht erinnern, im Falle von Marco Nowak, Derek Joslin, Kurtis Foster und Derek Joslin allerdings an sehr viele – trotzdem ist es im Zweifel Weber, der den siebten Verteidiger oder den 13. Stürmer spielen soll. Schade, immer wieder schade ist das.“

Silber: Patrick Reimer, nuff said.

Gold: Entschuldigen Sie bitte den abschließenden Exkurs. Wobei das Lied, das noch nicht einmal von ihm selbst ist, beweist, wie schnell er fremde Lieder zu den seinen gemacht hat und wie ehrfürchtig ihm alle anderen begegnen. David Bowie, wake up:

Spiel 34: Alles ist gut (bis Freitag)

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Und die wollen Deutscher Meister werden? Nee, ernsthaft jetzt, als Erstes muss der Trainer weg, kein System, kein Plan, keine Ansprache in den Werbepausen. Dann muss einer her, der den Herren Kanadiern Feuer unterm Hintern macht, am besten gleich der Alpenvulkan. Hans Zach wäre jetzt genau der richtige. Jawohl. So kann es doch nicht weitergehen, da muss gehandelt werden, sofort, bevor es zu spät ist. Herr Hopp, jetzt ist es an Ihnen, die Saison in Mannheim zu retten.

Weitere wie immer wohlformulierte Thesen zum 5:3 der Thomas Sabo gegen die Adler nach dem Klick auf „Weiter lesen“. Weiter lesen