HF1: La Mannschaft

Eishockey ist ein einfaches Spiel: 40 Männer jagen einer Hartgummischeibe hinterher – und immer, wenn es wichtig wird, gewinnt Wolfsburg. Gary Lineker soll das vor einem Jahr als Beobachter der Halbfinalserie zwischen den Ice Tigers und den Grizzlies (man schreibt es: GrizzlIEs, ihr Grizzlys) eingefallen sein. Vielleicht war es aber auch ganz anders. Ein Jahr später hat sich die Prominenz erst für Spiel drei der Serie angesagt (Goldmann, Buschmann, Ehemann und Schwelmann), der Auftakt aber hat die alten Klischees schon einmal widerlegt. Und wie immer ist die Frage nach einem solchen 5:1: War Nürnberg nun so stark oder Wolfsburg so zurückhaltend? Weiter lesen

VF3: „Meinst du das ernst?“

Foto: Matthias Winter/Sportfoto Zink

Es ist nicht davon auszugehen, dass der knuddlige Typ vom Radio wusste, wie gefährlich ihm dieser Mann mit dem eisigen Blick wirklich werden konnte. Aber er ahnte schon, dass seine Mami wieder einmal im falschen Moment angerufen hatte. Michael Stewart, der sämtliche Strafbankwärter zwischen Las Vegas und Villach beim Vornamen kennt, hatte jedenfalls gerade begonnen, sich darüber auszulassen, dass wohl niemand gedacht hätte, dass wir alle an diesem Sonntagnachmittag bereits im ersten Drittel fünf Tore sehen würden, da klingelte ein Telefon. Und zum ersten Mal in dieser Serie bekam man auch weit abseits der Eisflächen einen Eindruck davon, wie sehr die Beteiligten während der Playoffs unter Druck stehen. „Meinst du das ernst?“, fragte also Augsburgs Cheftrainer mit jener Grabesstimme, mit der er einst die härtesten Jungs der AHL, IHL, DEL und EBEL zum Tanz aufgefordert hatte, in die Ecke des Pressekonferenzraums, wo sich ein junger Journalist dafür verfluchte, sein Handy nicht lautlos gestellt zu haben. Für den Blick, mit dem er den bemitleidenswerten Störenfried danach noch mehrmals zu verfluchen versuchte, hätte Stewart einst vorsorglich schon zwei Minuten bekommen. Und auch da galt wieder, was die Kollegen von Telekom Eishockey treffend in einen Hashtag gestanzt hatten: Playoffs sind die #geilsteZeit. Gerade nach einem so wechselhaften zweiten Sieg in einem engen Playoff-Viertelfinale. Weiter lesen

Das Zeugnis, die Nachlese

Wie immer gilt, allzu ernst sollte man das nicht nehmen. Und: Spaß macht es trotzdem. Vielen Dank allen, die sich beteiligt haben, es ist jedes Jahr ein Fest, diese liebevollen Texte zu lesen. Zumindest aus der DEL kenne ich das kein zweites Mal. Wer klickt, weiß, wie die Fans die Thomas Sabo Ice Tigers nach der Hälfte der Saison beurteilen. Weiter lesen

27/52: Von Augsburg bis Zeugnis

img_0247

Über den positiven Einfluss von DEL-Spielen auf die Gesellschaft wurde bislang viel zu selten geschrieben. Wo, wenn nicht hier, sollen wir das nachholen? Man stelle sich also vor, all die Menschen (Männer), die an diesem Sonntagnachmittag den Schiedsrichtern all ihren Hass und ihre generelle Unzufriedenheit entgegengespien hatten, wären nicht in den Genuss dieser kollektiven Schreitherapie gekommen? Wo hätten sie sich abreagieren können, natürlich auf Facebook – im besten Fall. So durften sie zufrieden sein, mit sich und ihrer überlegenen Sicht auf das Spiel und nach dem 3:2 gegen den Augsburger EV ein wenig vielleicht auch mit ihrer Mannschaft. Weiter lesen

8/52: Frust

img_9666

Eishockey ist teuer, heißt es. Eishockey ist eigentlich nicht bezahlen. Die Fixkosten sind zu hoch, die Einnahmen zu gering. Eishockey ist teuer. Nur wird damit nie die andere Seite berücksichtigt. Eishockey ist schließlich zunächst einmal für all jene teuer, die in eine Stehplatzkarte, zwei Bier und Drei im Weckla 30 Euro investieren. Und das öfter als 26 Mal im Jahr. Natürlich erwirbt niemand dadurch den Anspruch auf ein spektakuläres Spiel, aber jene 3583 Menschen, die nicht nur gegen Mannheim kommen, sondern eben auch gegen Fischtown, die durften sich an diesem späten Sonntagabend durchaus veralbert fühlen. (Und trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass man an dieses peinliche 2:3 im Februar nicht mehr erinnern wird.) Weiter lesen

Spiel drei: Eishockey ist, na, Sie wissen schon

Rob Wilson kam noch einmal zurück. „Guys“, begann er, „off records.“ Legt den Stift aus der Hand, beendet den Aufnahmemodus eurer Smartphones, sollte das heißen. Natürlich werde ich mich daran halten, dabei ging es für den Eishockey-Trainer nur um Vergewisserung. War seine Mannschaft gerade eben nicht zum zweiten Mal in Folge die bessere? Hatte er das so falsch wahrgenommen? Nein. Aber: So ist Eishockey eben. Und, off records: Manchmal ist Eishockey einfach Scheiße. Noch mehr tiefschürfende Playoff-Wahrheiten? Bitte sehr, die sind nur einen Klick entfernt.

Ein Satz, ein Stockschlag

  • Für die Ice Tigers spielen Reinprecht, Reimer, Heatley, Pföderl, Joslin, Klubertanz, Foster, Murley, Segal und Ehliz – trotzdem haben sie seit 280 Playoff-Minuten kein Power-Play-Tor geschossen.
  • Mit einer Power-Play-Quote ist weltweit noch nie eine Mannschaft in ein Playoff-Finale eingezogen.
  • Also, sehr wahrscheinlich.
  • Ich habe noch nie ein Spiel gesehen, in der eine Mannschaft (Nürnberg) so aktiv, zuweilen dominant war und trotzdem keine Chance hatte, ein Tor zu erzielen.
  • Ich habe selten ein Spiel gesehen, in der sich eine andere Mannschaft (Wolfsburg) so sicher sein konnte, mit einem zynischen System erfolgreich zu sein.
  • Und ich kann mich an kein Spiel erinnern, dass so schnell und zugleich so ereignislos war.
  • In der NHL waren bislang einhunderteinundachtzig Teams durch ein 0:3 vom Ausscheiden bedroht, nur vier davon gelang es, die Serie noch mit 4:3 zu gewinnen.

  • Nach drei Niederlagen vier zu Spiele zu gewinnen, halte ich in der DEL für ausgeschlossen – wenn eine Mannschaft dazu fähig ist, dann diese.
  • Es tut weh mitansehen zu müssen, wie Patrick Reimer, dieser großartige Eishockey-Spieler und nebenbei sehr pfundige Mensch, in den Playoffs an sich selbst verzweifelt.
  • David Steckel ist ein Unterzahlspezialist, Dany Heatley war ein Power-Play-Spezialist und Mark Voakes ist ein Spezialist für Empty-Netter.

Das Spiel

Wolfsburg hat einen neuen Rekord für geblockte Schüsse und unerlaubte Weitschüsse aufgestellt. Meine Quellen kann ich nicht preisgeben, soll mir doch erst einmal einer das Gegenteil beweisen. Wenn man als neutraler Beobachter nicht ein unerklärliches Faible für empty net goals hat, war das ein unerfreulicher Eishockey-Nachmittag. Für Eishockey-Zyniker war es hingegen ein großes Vergnügen. In Spiel eins hatten die Wolfsburger die mentale und körperliche Müdigkeit Nürnbergs eiskalt ausgenutzt, seitdem lassen sie die Ice Tigers anrennen und an ihrer kompakten Defensive verzweifeln. Trotzdem: Im Gegensatz zu 2013 und 2014 wird Nürnberg nicht ausgecoacht. Sowohl am Freitag in Nürnberg als auch heute konnte man sehen, dass die Ice Tigers im Forechecking und auch im eigenen Aufbau taktisch bestens auf ihre Gegner eingestellt waren. Das 0:1 entstand aus einem Fehler, wie ihn die Ice Tigers auf der anderen Seite in Dutzenden erzwungen hatten. Kein Vorwurf an Casey Borer und Yasin Ehliz, aber diese eine Chance brauchte die erste Reihe um den omnipräsenten Sebastian Furchner, um dieses Spiel zu gewinnen. Davor und danach dominierten die Ice Tigers, ohne sich wirklich aussichtsreiche Chancen zu erarbeiten. So viel Aufwand, gar kein Ertrag.

Das Playoff-Monster

Marius Möchel hatte schon zwei große Momente, sogar Alexander Oblinger hat getroffen – da bleibt nur wenig Aufmerksamkeit für die anderen stillen, fleißigen Arbeiter. Dabei muss man diese Vorstellung Marcus Webers so wie viele zuvor nicht auf diese unsexy Attribute reduzieren. Der Verteidiger spielte ein 200-feet-game. Weber checkte alles, was sich bewegte, bis es sich nicht mehr bewegte. Weber pinchte. Weber rannte und rannte und rannte. Mit Ausnahme von Dany Heatley, von dem man durchaus erwarten darf, dass er all seine Routine, Übersicht und Torgefahr in solchen Spielen etwas nachdrücklicher einbringt (insbesondere nach dem Alleingang am Freitag), hatte kein Nürnberger tadelnde Worte verdient. Webers Leistung aber war beeindruckendsten.

Ehrenvolle Erwähnung: David Printz, der nach schwächeren Spielen wieder zu alter (auch läuferischer) Stärke fand; David Steckel, der das Bully vor Mark Voakes erstem Empty-Netter gewonnen hatte, von den Schiedsrichtern aber im Nachhinein dabei aber einer angeblichen Regelverletzung bezichtigt wurde; Patrick Reimer, der wieder unglücklich agierte, dessen Schüsse aber selbst in größter Verzweiflung stets gefährlich blieben.

Playoffs, Baby?

Offense wins games, defense championships, Ihr kennt das. Nur will das jemand sehen? Wolfsburg hat die richtigen Schlüsse aus dem Halbfinalkollaps vor einem Jahr gezogen, das ist legitim. Aber Respekt muss man vor dieser Spielweise sicher nicht haben. Von den eigenen Fans wurden sie dafür trotzdem gefeiert, das wäre in Nürnberg nicht anders gewesen. Mit einer spektakuläreren Spielweise wäre der Baumarkt aber vielleicht sogar mal ausverkauft gewesen. Das klingt ein wenig zu sehr nach einem enttäuschten Ice Tigers-Fan? Nein, das klingt nach einem Eishockey-Fan, der sich ein wenig mehr Spektakel und etwas weniger Wagenburg-Eishockey in den Playoffs wünscht.

Gerhard, die Rolle

Tyler Beskorowany ist die Nummer eins der Ice Tigers, das wird sich in diesen Playoffs wohl nicht mehr ändern. Und trotz der Auswahl und den ständigen Verweisen auf diese seltene Qualität ist das gut so. Beskorowany wirkte nur in Halbfinalspiel eins wacklig, seitdem gibt er seine Mannschaft jede Möglichkeit, Wolfsburg zu besiegen. Für Wolfsburg wurde nur ein Schuss weniger notiert. Das lag zum einen daran, dass ein Drittel, der Nürnberger Schüsse geblockt wurde und das zweite Drittel am Tor der Gastgeber vorbeiflog (Brandon Segal!). Für Beskorowany war das ein denkbar ungünstiger Spielverlauf. Trotzdem löste er alle Aufgaben mit Bravour. Oder: beinahe alle.

(Un)gesund gestrichen

Casey Borer hätte am Freitag schon wieder spielen sollen. Da war Marco Nowak aber noch nicht einsatzbereit, weshalb sich Rob Wilson zwischen Borer und Kurtis Foster hatte entscheiden müssen. Am Sonntag waren beide Verteidiger so fit, dass ein Playoff-Spiel nur noch ein kleines Risiko für ihre Gesundheit darstellte. Borer war vor allem in Unterzahl gefragt, mit beiden war Wilson ebenso wie zuvor mit Kurtis Foster (drei Punkte in drei Spielen) sehr zufrieden. Für Dienstag wird der Cheftrainer erneut seine Optionen prüfen. „Vielleicht brauchen wir mehr Offensive“, sagte Wilson – das spräche wiederum für Foster.

Ladies and gentlemen, this is your coach speaking

„Ich glaube, dass die Jungs daran glauben. Ich glaube wirklich daran, dass wir eine Chance haben. Ich glaube wirklich daran. Natürlich sind wir nicht blöd, wir wissen, dass es hart wird (it’s gonna be an uphill-race). Aber ich glaube daran.“

Spiel 23: Tylers Lächeln (Update)

3985412463

Außerordentlich freundlich präsentierte sich dieser große Mann in kurzen Hosen über den dürren weißen Wadeln. Wobei, freundlich sind sie alle, erst recht nach ihren Debüts. Dieser große Mann mit den hellwachen Augen gab sich darüber hinaus aber auch selbstkritisch (noch ein wobei: was hätte er bei diesem Gegentor auch schönreden wollen). Tyler Beskorowany hat ordentlich gehalten und zählte eindeutig zu den Lichtblicken an einem Abend, an dem man ein wenig genauer hat hinsehen müssen, um Positives zu entdecken (exakt wie dieser Text, der am frühesten Samstagmorgen im Halbschlaf angefertigt wurde, sich so auch liest und deshalb am Sonntag noch einmal ein wenig überarbeitet und ergänzt wurde). Weiter lesen

Spiel 2: Endlich wieder Eishockey

welli

Wir wollen nur mal kurz rüber. Dann kommen wir auch wieder. Ehrenwort. Merke: Man sollte einen Blog-Eintrag nicht auf der Bornholmer Brücke beginnen. Vor allem, weil wir ja nicht mehr zurückkehren. Diese vermaledeiten Hoffnungs-Playoffs sind ja nur die Karikatur von Playoffs. Typische Nürnberger Sicht? Vielleicht. Trotzdem war es ein großartiger Eishockey-Abend. Warum? Das lesen sie hier. Weiter lesen

Spiel 49: Der perfekte Sturm

JaspsLiegt das an der fränkischen Herkunft oder wenigstens an der Sozialisation im Umfeld fränkischer Sportfans, dass man am Ende dieses stimmungsvollen, teils mitreissenden Abends auf die Tabelle blickt und nur daran denken kann, dass der ganze Spaß in genau zwei Wochen schon wieder vorbei sein kann? Wie eigentlich alle überzeugenden Siege der Ice Tigers erinnert auch dieses 6:1 gegen den keinesfalls schwachen Meister zunächst einmal daran, was bislang mit mehr Konstanz und, ja, einem effizienteren System möglich gewesen wäre. Aber natürlich hat dieser Erfolg spielerischer Überlegenheit auch gezeigt, was trotz allem immer noch möglich ist. Weiter lesen

Spiel 28: HuReiRei for Teddies

Block in der Redaktion vergessen, Blog in der U-Bahn befüllt. Egal. Nach einem Jahrzehnt mit den Ice Tigers, nach einer Beinahe-Insolvenz und letzten Saisonspielen, die gefühlt immer wieder in Mnnhm stattfinden, darf man solche Tage auch als Berichterstatter einfach nur genießen. Dieses 5:1 gegen den Meister von 2001 bis 2013 bot nicht nur einen, sondern mindestens fünf echte Hockey-Momente – und, nein, damit ist nicht der irgendwie auch ziemlich großartige Teddy Bear Toss gemeint. Weiter lesen