Posts Tagged ‘Jeff Tomlinson’

Dezember 12th, 2012

Spiel 26: Alter Schwede

Die NHL holt ihre Spieler nach Hause. Wir können das Wort Lockout allmählich wieder aus unserem aktiven Wortschatz streichen. Die Eisbären Berlin brauchen zwei neue Ausländer. Der EHC München kehrt zurück auf die Erde. Die Ice Tigers machen nie wieder Fehler. Bengt-Ake Gustafsson führt Nürnberg wie alle seine Vorgänger ins Viertelfinale. Alles wird gut, oder?

Dezember 4th, 2012

Spiel 24: Nur Reimer zeigt seine Qualität

Gut, es waren haarsträubende Abwehrfehler, die Verteidigung war – Tyler Weiman, der bei keinem einzigen der drei Gegentore irgendetwas halten konnte, ausgenommen – wieder einmal überaus anfällig. Nach einigen Spielen, in der die Defensive gefestigter schien, ist sie jetzt wieder löchrig und fehleranfällig. Trotzdem haben die Tigers gekämpft wie die Löwen. Und sie haben einmal mehr dank der individuellen Klasse eines Patrick Reimers, der momentan leider als einziger kompromisslos vor dem Tor agiert, einen 0:2-Rückstand wieder aufgeholt – nur am Ende eben den einen Fehler zu viel gemacht und noch 2:3 verloren. Muss man deshalb einen Trainerrauswurf fordern? Im 24. Saisonspiel? Bei dem Verletztenstand? Natürlich und selbstverständlich: nicht!

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (24 Spiele/34 Punkte, 81:81 Tore, 10.) unterliegen mit 2:3 (0:1, 1:1, 1:1) den Hannover Scorpions  (23 Spiele/38 Punkte, 61:59 Tore, 8.).

Zitierfähig, Teil eins: “Maris Jass” (Aushilfs-Hallensprecher Andi Lindner teilt dem Publikum mit, dass die Nummer 17 der Gäste zwei Minuten wegen Beinstellens erhält. Er spricht den Namen des Letten aus, als stamme dieser nicht aus Daugavpils, sondern aus dem tiefsten Texas).

Die Statistik: Nichts ist bezeichnender für diesen verrückten Abend in der Arena, als alle Statistiken des ersten Drittels zusammen. Man nehme also 1.) die Torschüsse (Ice Tigers 15, Scorpions 6); 2.) die gewonnenen Bullys (Ice Tigers 14, Skorpions 5); 3.) die Strafminuten (Ice Tigers 2, Scorpions 6) und stelle die gesammelten Infos in Relation mit dem Zwischenstand nach 20 Minuten (Ice Tigers 0, Skorpions 1). Ganz schnell wird klar: Da stimmt doch was nicht?

Die Wende: Hatte man zumindest kommen sehen. Nach dem Ende des zweiten Drittels drohte erst einmal eine Katastrophe: Erst musste Steven Rupprich wegen eines Checks gegen das Knie zwei Minuten absitzen. Zu allem Übel gesellte sich nur 70 Sekunden später Jamie Pollock zu ihm auf die Strafbank (Crosscheck) und so ahnte man sehr, sehr Böses – zumal es als selbstmordverdächtig gilt, Hannover auch nur eine Überzahl zu gönnen (wie spätestens nach dem 0:1 zu lernen war). Doch: “Das Penaltykilling bei drei gegen fünf haben wir hervorragend gemacht”, lobte Trainer Jeff Tomlinson hinterher zu recht. Das war nicht nur großartig, sondern auch gleichbedeutend mit einer Injektion hochdosierten Selbstbewusstseins – Pollocks Schlänzer wird kurze Zeit später abgeblockt, springt vor die Kelle von Reimer, der Kapitän zieht aus spitzem Winkel ab – 1:2. Der gebürtige Nürnberger Gerrit Fauser fährt im eigenen Drittel mit der Scheibe am Stock solang irrlichternd herum, bis sich Reimer erbarmt, ihm den Spielgummi wegnimmt, Goalie Dimitri Pätzold köstlich austanzt – und zum 2:2 trifft. Ärgerlich nur, dass Andreas Morczinietz fünf Minuten später noch das “Game winning Goal” für Hannover gelingt.

Zitierfähig, Teil 2: “Guten Abend, meine Herren. Die Partie heute hatte für mich Playoffgeschmack. Beide Teams waren voller Energie, beide Goalies unheimlich stark – gerade deshalb ist das glückliche 3:2 für uns ein Hammerergebnis. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.” (Hannovers Coach Igor Pavlov, dessen Kopf in einem riesigen, rosa Hemdkragen steckt, in der Pressekonferenz)

Guter Stil: Patrick Reimer ist seit dem Deutschlandcup in bestechender Form. Reimer spielt, wie Tomlinsons schon nach dem Düsseldorfspiel sagte, endlich wieder wie Reimer. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Der Kapitän war auch gegen die Skorpions unheimlich aggressiv, war der einzige der vermeintlichen Leistungsträger, der die Mannschaft nach dem 0:2 wieder aufrichtete, mitriss und nicht zuletzt mit seinen zwei Toren, noch dazu einem sehr abgezockten zweiten Treffer, zurück in dieses Spiel brachte. Ihm dürfte die Niederlage daher besonders weh tun. “Reimer hat heute seine Qualität gezeigt”, sagte Jeff Tomlinson anerkennend. “Es kann aber nicht sein, dass da immer nur ein Patrick Reimer alleine ist.”

Schlechter Stil: Gibt es diesmal gleich zweierlei – einmal auf dem Eis und einmal auf der Tribüne.
Auf dem Eis: Was Yan Stastny und Eric Chouinard abgeliefert haben, hat nur noch sehr wenig mit ihrer gezeigten Leistung von vor wenigen Wochen zu tun. Müde, uninspiriert, körperlos, fast gleichgültig – so der Eindruck über die beiden Führungsspieler. Auch der Trainer fordert mehr von seinen Leadern – und meint damit nicht nur Tore. “Ein Leistungsträger macht auch mal den Mund auf, richtet die Jungs auf – da kommt nichts. In der Kabine und auf dem Eis ist das viel zu still”, klagt Tomlinson. Zudem bemängelt er, dass Stastny viel zu lange auf dem Eis ist, noch dazu für sein offensives System. “Da dürfen wir nicht länger als 30, 40 Sekunden auf dem Feld sein. Das weiß Yan, trotzdem bleibt er 80 Sekunden, 90 Sekunden – das ist falscher Ehrgeiz. Er übersäuert so nur seine Muskulatur.” Und das macht auch den Trainer sauer.
Auf der Tribüne meldeten sich nach der Schlusssirene erstmals (zum Glück nur) wenige Zuschauer lautstark zu Wort, die ihrer Enttäuschung über die Niederlage mit lauten “Tomlinson raus”-Rufen Luft machten. “Ich habe absolutes Verständnis für die Fans, sie zahlen viel Geld um uns zu sehen, arbeiten die ganze Woche hart und sind dann enttäuscht, wenn wir nicht gewinnen”, so Tomlinson. Die Rufe gegen seine Person habe er aber nicht gehört und kann sie auch nicht nachvollziehen: “Ich kämpfe jeden Tag sehr hart für den Erfolg und gebe wirklich alles dafür. Aber momentan kann ich wenig ändern und wenig eingreifen – das Team stellt sich aufgrund der vielen Verletzten sozusagen von selbst auf.”  Außerdem sei die Saison noch lang genug: “Wir werden das drehen, aber wir brauchen mehr Zeit. Wir haben gute Qualität. Und wir werden am Ende nicht da stehen, wo wir jetzt stehen.”

Zitierfähig, Teil drei: “Ein 0:2 ist scheiße. Das kostet hier (zeigt auf seinen Kopf) und da (zeigt auf seinen Oberschenkel) zu viel Kraft… viel zu viel Kraft.” (Jeff Tomlinson über den 0:2-Rückstand)

Nicht dabei: Vitalij Aab, Evan Kaufmann, Steven Reinprecht, Brett Festerling, Patrick Buzas.

Unsung two stars: Ein Sonderlob haben sich gegen die Scorpions Jason Jaspers und Marco Nowak verdient. Beide arbeiteten sehr engagiert, gewannen viele Zweikämpfe. Auch als es zeitweise körperlich sehr hart wurde, die Tigers die Scheibe lange nicht aus ihrer Zone bekamen, rackerten und ackerten die Beiden unermüdlich, bis sie, oft mit letzter Kraft, den Puck doch noch für ihre Mannschaft aus der Gefahrenzone klären konnten. Außerdem wieder mit aufsteigender Leistungskurve: Ryan Bayda und Tyler Weiman.

November 30th, 2012

Spiel 22: Der Knoten ist (vielleicht) geplatzt

Wahnsinn. Einfach nur: Wahnsinn. Sie können es doch, die Ice Tigers, das mit der Overtime. Eigentlich gehört diese Tatsache schon fast in den Statistik-Bereich dieses Blogs, oder besser noch: in einen eigenen Bereich. Nein, in die Überschrift! Sechs Mal stand es in 21 Spielen nach sechzig Minuten unentschieden, sechs Mal ging der Extrapunkt am Ende an den Gegner. Bis heute, gegen Düsseldorf. “Jetzt ist der Knoten geplatzt”, sagt Jeff Tomlinson. Ich finde: Ein schöner Satz zum Anfang!

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (22 Spiele/34 Punkte, 76:72 Tore, 9.) gewinnen mit 4:3 (2:2, 0:1, 1:0, 0:1) nach Overtime (ja, wirklich!) gegen die Düsseldorfer EG  (22 Spiele/24 Punkte, 58:82 Tore, 13.). Das bedeutet zum ersten Mal in dieser Saison: dritter Sieg in Folge.

Zitierfähig, Teil eins: “Ehrlich gesagt: Nein. Ich freue mich einfach über den Sieg, wie in jedem anderen Spiel auch” (Patrick Reimer auf die Frage, ob sich ein Sieg in der 500. DEL-Partie irgendwie anders anfühlt).

Die Statistik: Ein Torschuss. Nur einer. Ein einziger. Ein kleiner, mieser, mickriger Schuss aufs Tor. Den brachten beide Mannschaften im dritten Drittel gemeinsam zu Stande. Zur Information: Auch das dritte Drittel lief über insgesamt zwanzig Minuten Spielzeit, genau wie die vorigen zwei. Das Schlimmste aber kommt noch:  Dieser eine Schuss, losgeschickt von Ashton Rome, saß auch noch. Das bedeutet, zumindest in den letzten 2o Minuten, logischerweise eine Fangquote von ernüchternden null Prozent für Tyler Weiman. “Die Scheibe bekam er ganz, ganz unglücklich hier (Tomlinson beugt sich leicht nach vorne, verrenkt sich ein wenig, winkelt den Arm an, hebt den Ellbogen, wedelt mit der linken Hand darunter herum, als müsse er Schmeißfliegen aus dem Achselbereich vertreiben, d. Red.) unten, da ungefähr, durch”, sagte der Coach und war sich sicher: “Von zwanzig solchen Schüssen hält Tyler normalerweise…” – Pause – “…zwanzig.”

Die Wende: Kam eigentlich schon nach zehn Minuten, indem die Tigers endlich aufs Gaspedal drückten und diese eigenartige Anfangslethargie abschüttelten. Prompt trafen Patrick Reimer und Connor James. Und wäre es so weitergegangen, wäre am Ende eigentlich alles sehr gut geworden. Doch im starken zweiten Drittel haben es die Nürnberger verpasst, ganz einfach den Sack zu zu machen. Die Wende machte so gesehen also wieder kehrt.

Zitierfähig, Teil 2: “No, because….well… he’s a goalie… and goalkeepers are some kind of…. weird!” (Casey Borer auf die Frage, ob er mit seinem alten Kumpel aus College-Tagen, Robert Goepfert, vor dem Spiel telefoniert habe)

Guter Stil: Jeff Tomlinson blieb artig, nachher in der Pressekonferenz. Das war gar nicht so einfach, weil Gästecoach Michael Brittig tatsächlich davon sprach, aufgrund des Spielverlaufes einen Punkt hergeschenkt zu haben. Selbst als Tomlinson das Mikrofon bekam, blieb er Gentleman: “Düsseldorf ist kein leichter Gegner, ich bin mit dem Extrapunkt sehr, sehr zufrieden.” Kaum war das Mikro aber aus und Brittig aus dem Raum (“Wir wollen gleich los, es schneit außen”), sagte der Coach erst “Der Busfahrer soll vorsichtig fahren!” und dann, zu den verbliebenen Nürnberger Journalisten, die Wahrheit über die Sache mit dem Punkt: “Wir haben heute ganz klar einen Punkt liegen lassen.”

Schlechter Stil: Düsseldorf lieferte Slapstick-Einlagen en masse – die beste, als Marc-Anthony Zanetti an der blauen Linie weit ausholte, durchzog, den Puck aber nur mit der Schlägerspitze leicht touchierte. Zanetti drehte sich voller Energie einmal halsbrecherisch um die eigene Achse, das Eis staubte – der Puck aber blieb ungerührt zwischen seinen Schlittschuhen liegen. Düsseldorf traf aber auch den Puck, schoss ihn dann in allerlei Richtungen. Zweimal ulkig an den Unparteiischen, dreimal humorlos ins Nürnberger Tor – und einmal, ja einmal sogar ungezogen an die linke Schläfe von Tigers-Betreuer Jürgen Keim, der sofort zu Boden ging. “Jürgen geht es gut, er wird gegen Mannheim wieder dabei sein”, sagte Tomlinson, der keine weiteren Verletzten gebrauchten kann. Wenig später kam uns ein sichtlich abgekämpfter Jürgen Keim im Treppenhaus entgegen. “Geht schon wieder”, sagte er und versuchte zu lächeln. Auf der Braue trug er ein großes, weißes Pflaster. Es schien, als trage er es mit Stolz.

Zitierfähig, Teil drei: “Well… I will shake his hand and say, aehm… something like: see you in the next game.” (Casey Borer auf die Frage, wie er sich von seinem College-Kumpel Goepfert verabschieden wird)

Nicht dabei: Vitalij Aab, Evan Kaufmann, Steven Reinprecht, Brett Festerling, Patrick Buzas.

Unsung two stars: Tomlinson wäre es fast herausgerutscht. Aber nur fast. Weil er aber weiß, dass Journalisten manchmal sehr gemein sein können und erahnen, was man sagen  wollte, schickte er gleich eine Warnung hinterher. “Ihr schreibt das nur wieder, deshalb sage ich es nicht.” Was er dann nur sagte war: “Nowak spielt sehr solide.”  Was er meinte, war: Nowak war wieder einmal einer der Besten. Nur wollte er das nicht lesen – “sonst glaubt Marco das nämlich. Und das ist nicht gut, er darf das nicht wissen.” Also löschen wir die letzten Zeichen jetzt einfach wieder.
Und sagen stattdessen: Patrick Reimer. Der Kapitän war zwar auch auf dem offiziellen Spielbogen “First Star”, aber dort hatte man aus Quatsch, oder vielleicht auch nur, weil der Oberstatistiker ein großer Reimer-Fan ist, hingeschrieben, dass dieser Reimer sogar dreimal getroffen habe. Hat er aber nicht. Das 3:2 gehörte Ryan Bayda, was auch die Videobilder beweisen (und was auch Jeff Tomlinson so gesehen hat: “Wir haben es gleich dem Schiri gesagt, dass er das ändern muss – aber er sagte nur ‘Nein,nein’”). Aber auch mit zwei Toren war Reimer gegen seine Ex-Kollegen – noch dazu beim eigenen Jubiläumsspiel – sehr gut. “Der Knoten ist jetzt geplatzt”, sagte Reimer. Ich finde: Ein schöner Satz zum Abschluss.

November 25th, 2012

Spiel 21: Käsbohrer, Superstar

Iserlohn existiert. Jahrelang musste ich daran zweifeln, weil die Kollegin aus alter Verbundenheit von jedem Gastspiel der Sauerländer berichten durfte. Bielefeld existiert nicht – aber das ist ein anderes Thema. Ebenfalls umstritten, die Existenz jener Ice Tigers, die am Freitag in Straubing angeblich nur ein Tor kassiert haben.

November 18th, 2012

Spiel 18: Die Rückkehr des Ogie

Schreib halt mal was über Island und Eishockey, rät mir meine Frau. Gute Idee. Dann aber hab ich doch noch was zu einem anständig aufwühlenden Derby geschrieben:

November 4th, 2012

Spiel 16: Let’s go Canada!

Sie können also doch auch: einen Arbeitssieg unspektakulär nach Hause fahren. Das ist zwar nicht besonders aufregend, aber kein schlechtes Zeichen für den Verlauf der Saison. Ein Blogeintrag zur Ergänzung dieses nicht besonders aufregenden Spielberichts.

Oktober 31st, 2012

Spiel 14: Oh, wie schön ist Tinnitus

Fiiieep. Was für ein Spiel. Fiiiiieeep. Was für ein Stastny. Fieeeep. Welche Krise? Fiiiiiieeeep. Was macht eigentlich…. Fiiiieep…. Dany Heatley? Fiiiiiieeeeeep. :

Oktober 28th, 2012

Spiel 12: Welche Krise? Diese Krise!

Ein Sieg aus acht Spielen. Sechs von möglichen vierundzwanzig Punkten. Überforderte Leistungsträger. Leichtsinnige, einfache und auf Krawall gebürstete Journalisten würden diesen Zustand als Krise bezeichnen. Differenzierende und behutsame Journalisten auch.

Oktober 12th, 2012

Spiel acht: Mach den Bibo!

Selten ist es dem Blogger so schwer gefallen, einen seriösen Text über ein Eishockey-Spiel zu schreiben (das war vielleicht nicht die beste Lösung dieses Problems). Und viel übrig geblieben ist auch nicht, weil die Anzahl derer, die nach Niederlagen Auskunft geben, überschaubar ist. Immerhin: Der Trainer hält sich mit Kritik nicht zurück. Und dann war da noch die Sache mit dem großen gelben Vogel.

Oktober 2nd, 2012

Spiel 5: Reinprecht prunkt und pumpt

Während Jeff Tomlinson seine Gäste aus Düsseldorf das Nachtleben seiner neuen Heimatstadt zeigt, versuche ich meine Gedanken zu ordnen und nach dem Sprung zu ergänzen, was hier keinen Platz mehr hatte: