VF6: Die Wiedergeburt

Foto: Zink/Matthias Winter

Rob Wilson war noch immer verwundert. Dieser große Kanadier, der seine Sätze immer mit „you know what?“ einleitet und dessen Stimme dabei stets klingt, wie Lemmy Kilmisters Stimme an schlechten Tagen, war der Meinung, am Freitag ein dominantes Playoff-Spiel seiner Mannschaft gesehen zu haben – bis ihm Fans und Edelfans direkt und indirekt erklärten, wie schlecht seine Ice Tigers doch eigentlich gespielt hatten. Und so stand er immer noch kopfschüttelnd vor dem Curt-Frenzel-Stadion, kurz nachdem er dieser ständig an seiner Eishockey-Mannschaft zweifelnden Stadt mit seiner famosen Mannschaft ein einzigartiges Erlebnis geschenkt hatte. Aber vielleicht war die Lehre aus Spiel sechs für alle Motzer und Nörgler, für alle Schwarzseher und Playoff-Fans, vor allem aber für alle, die das Spiel lieben, die an ihre Mannschaft glauben, bis irgendwo ein Dame beträchtlichen Umfangs das Singen anfängt, und die seit Jahren unter dieser Negativstimmung leiden, die die Playoffs der Ice Tigers seit jeher prägt, vielleicht war diese Lehre wichtiger als das Geschenk, am Dienstag erstmals ein Spiel sieben erleben zu dürfen. Wobei, liebe Freunde: Spiel sieben! Wie geil, bitte verzeiht mir das, ist das denn? Weiter lesen

VF5: 60 Minuten Hoffnung

Grundsätzliches vorweg: Wer die Thomas Sabo Ice Tigers bereits zu Grabe tragen will, wer sich in die entlegenste Ecke des Internets verirrt hat, um sich unter gleichgesinnten Franken im Frust zu suhlen, wer es immer besser gewusst haben will und ohnehin schon immer drei bis drölf Argumente parat hatte, warum Wilson, Mebus, Jiranek und Reimer eh niemals Deutscher Meister werden, der sollte nicht auf weiter lesen klicken. Noch hat diese Mannschaft mindestens 60 Minuten Eishockey vor sich, um diese Saison doch noch zu retten. Für berechtigte Kritik und undifferenzierte Anklagen wäre danach noch genug Zeit. Weiter lesen

VF4: Playoffs, Baby?

Was für ein stimmungsvoller Abend, wenn man dem Augsburger EV zugetan ist, oder, wenn man Sergej Vostrikov, Derek Dinger oder Ben Meisner ist. Wenn man hingegen bis zu diesem Dienstag um 19.30 Uhr für die Thomas Sabo Ice Tigers geschwärmt hat, oder, wenn man David Steckel, Brandon Prust oder Nichlas Torp ist, vergisst man den Abend am besten möglichst schnell wieder. Weiter lesen

51/52: 300 (DREIHUNDERT)

Zwölf Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem Greg Poss alleine auf der Eisfläche seine Stimme erbeben ließ, um auch die Arena beben zu lassen. Das 1:6 gegen Wolfsburg ließ danach allerdings seltsamerweise so überhaupt keine Playoff-Stimmung aufkommen. Dagegen war dieses 6:4 gegen Bremerhaven genau das, was der Doktor den Thomas Sabo Ice Tigers verschrieben hat: Unangenehmer Gegner, viele Tore, eines davon für die Geschichtsbücher, Riesenstimmung. Der Panther kann kommen. Weiter lesen

40/52: „A very likeable hockey team“

Der Stadionsprecher stand alleine in der offenen Bandenrundung und wartete auf Valentin Busch. Christian Rupp hielt einen handelsüblichen Puck mit leichten Gebrauchsspuren in der Hand, einen Puck aber, der im zweiten Drittel dieses 4:1 gegen Wolfsburg im Einsatz war und deshalb für den jungen Mann mit den langen Haaren und den staunenden Augen ganz besonders. Niemand hatte Rupp den Auftrag erteilt, dem 19-Jährigen eine Freude zu machen – für ihn war das selbstverständlich. Letztlich hatte die Mannschaft ihr jüngstes Mitglied bereits mit einer an diesem Tag malträtierten Hartgummischeibe versorgt. Aber die kleine Episode zeigt, dass eine Mannschaft nicht nur aus Torhütern, Verteidigern und Stürmern besteht. Die Mannschaft der Ice Tigers ist groß. Und sie wird, auch wenn das die enttäuschende Zuschauerzahl an diesem Sonntag diesen Eindruck nicht bestätigt, immer größer. Weiter lesen

32/52: Oh, Danny Boy

Foto: Zink/ThHn

Der Mann begegnet mir auf dem Weg zur Kabine der Ice Tigers. Ich kenne ihn schon lange, mindestens seit 18 Jahren, ich weiß aber nicht, wie er heißt, ob er steht oder sitzt, ob er hier mitliest und mitschreibt, weiß ich auch nicht. Und ich kann ihn dabei lange beobachten, wie er auf mich zugeht. Er trägt ein neues Fantrikot und beinahe keine Haare mehr auf dem Kopf. Er ist einer dieser vielen Fans zwischen 30 und 70, die genau wissen, wie es sich angefühlt hat, 1999 gegen Mannheim verloren zu haben, 2007 und 1996, 2003, 2005, 2009, 2011 und 2015. Trotzdem wirkt er in diesem Moment unerwartet ernst. Als wir aneinandervorbeigehen, nimmt er mich nicht wahr, aber er ballt plötzlich die Fäuste und schreit Jaaaa. So hat sich dieses 5:1 wahrscheinlich für viele Menschen in der ausverkauften Arena angefühlt. Weiter lesen

28/52: Lecker, lecker, lecker, Eishockey

Als ihn seine Mannschaft am dringendsten brauchte, war er da. Da opferte er sich – oder zumindest die Unversehrtheit seiner Hände. Er war es, der die Intensität erhöhte, er war es, der den Rhythmus vorgab, er war es, der alle mitriss, er war es, der im zweiten Drittel eindrucksvoll auf sich aufmerksam machte. Jemand sollte Thomas Sabo vielleicht auf dieses Talent aufmerksam machen, es wäre eine Investition in die Zukunft, ihn aus seinem Umfeld zu reißen und nach Nürnberg zu holen. So beeindruckend war die Vorstellung dieses Trommlers aus Straubing. Dass das Spiel gegen Straubing auch ganz unterhaltsam war, dafür war übrigens auch ein Straubinger verantwortlich. Weiter lesen

25/52: Rechtschaffenheit

Foto: Zink/Matthias Winter

Foto: Zink/Daniel Marr

Ich mag es, wenn der Boulevard auf unseren Sport aufmerksam wird. „Brutalo-Duell, Teil II“, „Schmuck-Rüpel“ – allein die Berichterstattung des Express verhilft zwei gutklassigen, aber weitgehend normalen DEL-Punkterundenspielen zu unverhoffter Aufmerksamkeit. Und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, dass sich die Ice Tigers und die Haie darauf geeinigt hatten, diese Art von Journalismus noch ein wenig lächerlicher zu machen, als er das selbst vermag. Rob Wilson, Brandon Prust oder Colten Teubert aber lesen den Express nicht, der Express ist ihnen ebenso egal, wie dieses kleine Blog. Wilson, Prust und Teubert wollten nur verhindern, dass ihnen die Haie noch einmal drei Punkte klauen. Dabei kam ein Spiel heraus, das sicher nicht als das unterhaltsamste in die Geschichte dieser Saison eingehen, das aber wie bislang kein anderes gezeigt hat, dass diese Mannschaft für eine ganz lange Saison gebaut worden ist.
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23/52: Prustekuchen

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Man muss das verstehen. Wer ständig abliefert; wer zuletzt alle zwei, drei Tage gefordert war. Wer immer mal wieder ein wenig Licht in die Dunkelheit dieser Welt gezaubert hat, der darf sich auch einmal einen solchen Abend gönnen. Da schleichen sich eben Schlampigkeiten ein, Fehler und Unkonzentriertheiten. Da fehlt es eben auch mal an Biss, an der letzten Konsequenz, vielleicht auch an der Motivation. Gute Güte, ich bin doch auch nur ein Mensch. Aber es hilft ja nichts, irgendeiner muss es ja machen. Wer jetzt hier klickt, der sollte wissen, dass es langweilig werden kann. So langweilig wie dieses 2:5. Weiter lesen

22/52: Fucking awesome

Foto: Steffen Oliver Riese

Foto: Steffen Oliver Riese

Dieser Text hätte wieder einmal mit der vollkommen zutreffenden Feststellung beginnen können, dass wir Eishockey genauso wegen solcher Spiele lieben. Ehrlich aber wäre das nicht gewesen, ich zumindest brauche solch überbordende Spiele nicht, um diesen Sport zu lieben. Deshalb soll dieser Text mit dem Leuchten in Thomas Sabos Augen beginnen, mit der kindlichen Freude, die dieser Mann danach ausstrahlte. Man braucht diese Spiele nicht, um sich seiner Liebe zu vergewissern. Als Dauerkartenbesitzer aber braucht man solche Spiele vielleicht, um sich mal wieder darüber klar zu werden, warum man so viel Geld investiert. Und nach solchen Spielen sind die Fans, die Hunderte von Euros investieren, den Fans, die Millionen von Euro investieren, ganz nah. Dieses 6:5 hat keine Meisterschaft entschieden, es hat Menschen glücklich gemacht. Dieses 6:5 ist mit Worten nicht zu beschreiben, packen wir es an. Weiter lesen