VF5: 60 Minuten Hoffnung

Grundsätzliches vorweg: Wer die Thomas Sabo Ice Tigers bereits zu Grabe tragen will, wer sich in die entlegenste Ecke des Internets verirrt hat, um sich unter gleichgesinnten Franken im Frust zu suhlen, wer es immer besser gewusst haben will und ohnehin schon immer drei bis drölf Argumente parat hatte, warum Wilson, Mebus, Jiranek und Reimer eh niemals Deutscher Meister werden, der sollte nicht auf weiter lesen klicken. Noch hat diese Mannschaft mindestens 60 Minuten Eishockey vor sich, um diese Saison doch noch zu retten. Für berechtigte Kritik und undifferenzierte Anklagen wäre danach noch genug Zeit. Weiter lesen

VF4: Playoffs, Baby?

Was für ein stimmungsvoller Abend, wenn man dem Augsburger EV zugetan ist, oder, wenn man Sergej Vostrikov, Derek Dinger oder Ben Meisner ist. Wenn man hingegen bis zu diesem Dienstag um 19.30 Uhr für die Thomas Sabo Ice Tigers geschwärmt hat, oder, wenn man David Steckel, Brandon Prust oder Nichlas Torp ist, vergisst man den Abend am besten möglichst schnell wieder. Weiter lesen

VF3: „Meinst du das ernst?“

Foto: Matthias Winter/Sportfoto Zink

Es ist nicht davon auszugehen, dass der knuddlige Typ vom Radio wusste, wie gefährlich ihm dieser Mann mit dem eisigen Blick wirklich werden konnte. Aber er ahnte schon, dass seine Mami wieder einmal im falschen Moment angerufen hatte. Michael Stewart, der sämtliche Strafbankwärter zwischen Las Vegas und Villach beim Vornamen kennt, hatte jedenfalls gerade begonnen, sich darüber auszulassen, dass wohl niemand gedacht hätte, dass wir alle an diesem Sonntagnachmittag bereits im ersten Drittel fünf Tore sehen würden, da klingelte ein Telefon. Und zum ersten Mal in dieser Serie bekam man auch weit abseits der Eisflächen einen Eindruck davon, wie sehr die Beteiligten während der Playoffs unter Druck stehen. „Meinst du das ernst?“, fragte also Augsburgs Cheftrainer mit jener Grabesstimme, mit der er einst die härtesten Jungs der AHL, IHL, DEL und EBEL zum Tanz aufgefordert hatte, in die Ecke des Pressekonferenzraums, wo sich ein junger Journalist dafür verfluchte, sein Handy nicht lautlos gestellt zu haben. Für den Blick, mit dem er den bemitleidenswerten Störenfried danach noch mehrmals zu verfluchen versuchte, hätte Stewart einst vorsorglich schon zwei Minuten bekommen. Und auch da galt wieder, was die Kollegen von Telekom Eishockey treffend in einen Hashtag gestanzt hatten: Playoffs sind die #geilsteZeit. Gerade nach einem so wechselhaften zweiten Sieg in einem engen Playoff-Viertelfinale. Weiter lesen

VF2: Ausgleich

Wir sind wieder zu Hause, Mama. Ja, der Florian ist vorsichtig gefahren. Und, ja, schön war es in Augsburg, das Wetter war spitze, das Curt-Frenzel-Stadion auch, die Leute waren sehr freundlich zu uns. Was zu essen hat es auch gegeben, die Nürnberger Fans haben sich sehr gefreut. Ach, und, diese Playoffs könnten nun doch wieder ein wenig länger dauern.

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VF1: Geht Bäume anschreien

Foto: Zink/Matthias Winter

Der Mann, den sie „die Rasierklinge“ nannten, schien ratlos zu sein. Benoit Laporte musste das nicht spielen, er saß ja nur mit einem Journalisten in seinem überdimensionierten Büro, indem die Ice Tigers von heute ihre Videositzungen abhalten. Laporte schien also ratlos zu sein, weniger ob der zwei Playoff-Spiele, die seine Mannschaft gerade vergeigt hatte. Laporte verstand einfach nicht, warum die Ice Tigers in dieser Stadt schon aufgegeben wurden, er vermisste die Zuversicht, die gute Stimmung im Umfeld und war entsetzt darüber, dass die Ice Tigers von ihren eigenen Fans ausgepfiffen wurden. Nach dem 2:3 in Hannover war er um sieben Uhr laufen gegangen, „um ein paar Bäume anzuschreien“. Vier Spiele später hatte sich seine Mannschaft fürs Halbfinale qualifiziert. Ja, Nürnberg hat eine Geschichte des Versagens im Viertelfinale, in Nürnberg aber hat man nun auch schon des öfteren erlebt, um was es in den Playoffs geht. Mag sein, dass auch Spiel zwei an Augsburg geht, entschieden ist deshalb noch lange nichts. Und gerade das ist doch großartig nach einem etwas ernüchternden 1:4 zum Auftakt. Weiter lesen

27/52: Von Augsburg bis Zeugnis

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Über den positiven Einfluss von DEL-Spielen auf die Gesellschaft wurde bislang viel zu selten geschrieben. Wo, wenn nicht hier, sollen wir das nachholen? Man stelle sich also vor, all die Menschen (Männer), die an diesem Sonntagnachmittag den Schiedsrichtern all ihren Hass und ihre generelle Unzufriedenheit entgegengespien hatten, wären nicht in den Genuss dieser kollektiven Schreitherapie gekommen? Wo hätten sie sich abreagieren können, natürlich auf Facebook – im besten Fall. So durften sie zufrieden sein, mit sich und ihrer überlegenen Sicht auf das Spiel und nach dem 3:2 gegen den Augsburger EV ein wenig vielleicht auch mit ihrer Mannschaft. Weiter lesen

Spiel 27: Dr. Jiranek und Mr. Hyde

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Ein preiswerteres Produkt war auf der Schiefertafel nicht zu finden, also hat der Eishockey-Profi dem Journalisten eine Bio-Limo ausgegeben. Portemonnaie vergessen, besser als das Gespräch nicht aufzuzeichnen, was auch schon passiert ist. Peinlich war es dennoch. Der Eishockeyprofi hat trotzdem viel erzählt und viel offenbart über ein Leben, das auf Facebook, Twitter, Online-Portalen und in der Zeitung ständig ausgeleuchtet und bewertet wird. Das war nicht nur spannend, das war vor allem ein Anlass, die eigene Arbeit mal wieder zu überdenken – ein paar Tage nach der Anfertigung eines Zwischenzeugnisses hätte der Zeitpunkt besser nicht sein können. Die Bewertung dieses ziemlich fiesen 6:4 gegen Augsburg fällt an dieser Stelle entsprechend milde aus. Die Rolle des bad cop hatte an diesem ohnehin der Sportdirektor der Thomas Sabo Ice Tigers übernommen. Weiter lesen

Spiel 17: Wen kümmert’s?

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„Please don’t pray for Paris. Think for Paris. Love for Paris. Laugh for Paris. Have sex for Paris. We’ve had enough religion for one night.“ @stephanegallay – das würde den Eagles of death metal gefallen.

Während offenbar 100 Menschen bei einem Konzert einer Band, die ich mehrmals live gesehen habe, als Geiseln genommen worden sind, Kollegen, die ich nicht gut, aber eben doch kenne, in einem Fußballstadion festsitzen und die Zahl der Toten von Tweet zu Tweet nach oben korrigiert wird, gibt es wenig Unbedeutenderes als ein missglücktes Eishockeyspiel. Für solche Worte aber wird sich an diesem Wochenende niemand auf diese Seite klicken. Hier wird die Show also weitergehen – aber lustig kann das heute nicht werden. Weiter lesen

Spiel 29: Keine Ansteckungsgefahr (Update)

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Engel waren vor der Kabine gelandet. Nicht etwa jene süßen Eishockeyspielerkinder, nein, richtige Engel in roten, offensichtlich zu warmen Kleidern, grauen UGG-Boots  und mit weißen Flügelchen auf dem Rücken. Dann stand da noch diese junge Fernsehfrau mit einer Kamera in der Hand und einem Helm auf dem Kopf, die aus derart großem Abstand auf Leo Pföderl eindialektierte, dass man befürchten musste, auch der junge Tölzer Mauersohn hätte Mumps. Wie skuril das alles war, wird Paul Reinprecht erst zu Hause in Kanada feststellen, wenn er sich das Video ansieht, das er mit seinem iPhone 6 aufgenommen hat. Die Erkenntnis, dass der Eishockey-Gott einen Vater hat, war dann allerdings auch der Höhepunkt dieses Abends. Weiter lesen

Spiel vier: Opernball mit Michael Weinfurter

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Als Fan der Thomas Sabo Ice Tigers hätte man heute dem fränkischen Dauermotzer in der Reihe dahinter ein 60-minütiges Dauergrinsen schenken, die unberechenbare Gefährlichkeit des Augsburger EV preisen, stolz über die Nummer 28 auf dem Oberarm streichen, mit großer Genugtuung registrieren, dass Franken unter Brücken schlafen, und sich danach noch vier, fünf Kaltschalen genehmigen dürfen. Weil dies aber ein seriöser (hihihi), neutraler (hahaha) und kompetentes (nu is aber gut) Blog sein soll, steht lediglich ein feines Bier aus Gutenstetten neben dem Dienstlaptop. Weiter lesen